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Andreas Gryphius – Kurze Biografie

Andreas GryphiusAndreas Gryphius (* 2. Oktober 1616 in Glogau; † 16. Juli 1664 Ebenda) war ein deutscher Dramatiker und Dichter des Barock. »Betrübtes Schlesien I bestürtztes Vaterland I Was hast du I das der Grimm der Seuchen nicht verzehret? Das der geschwinde Blitz der Schwerdter nicht verheret? Was findet man bey dir I als Leichen I Stanck I und Brand?« Diese Zeilen über seine Heimat, in denen Gryphius bittere Klage führt, spiegeln die Zeit einer schweren Kindheit wider. Am 2. Oktober 1616 wurde er in Glogau in Schlesien als Sohn eines protestantischen Geistlichen geboren. Früh verlor er seinen Vater, zwölfjährig die Mutter. Im gleichen Jahr erlebte er, wie Dragoner die Gegenreformation mit Gewalt durchführten, die Protestanten mussten fliehen. Als er 1631 nach Glogau zurückkehrte, verheerte ein großes Feuer seine Vaterstadt. Zwei Jahre später wütete die Pest in Schlesien. Gryphius überlebte. 1634 lebte er in Danzig, einer Stadt ohne Krieg, wo verschiedene Religionen friedlich miteinander lebten, dann war er beim Kaiserlichen Pfalzgraf Schönborn Hauslehrer. 1638 reiste er nach Leyden in Holland, dem wissenschaftlichen Zentrum der damaligen Welt, wo er sich umfassend bildete und bald eigene Kollegs hielt über Metaphysik, Geografie, Trigonometrie, Logik, Mathematik, Astronomie, Physiognomie, Anatomie (er sezierte sogar Leichen!), Poetik, Tragödie und Naturphilosophie. 1644 verließ er Leyden, Bildungsreisen nach Frankreich und Italien folgten. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges kehrte er nach Schlesien zurück und heiratete Rosine Deutschländer. Von den sieben Kindern dieser Ehe überlebte nur eines. In diese Zeit fällt die Veröffentlichung der Trauerspiele. 1662 nahm ihn die »Fruchtbringende Gesellschaft« als den »Unsterblichen« in ihre Reihen auf, zwei Jahre später starb er in Glogau. Gryphius war ein ernster, grübelnder Mensch. Von den Schicksalsschlägen des Krieges belehrt, fand er in der christlichen Lehre und im stoischen Denken einen Halt. Zur Klage über das Schicksal gesellte sich die Einsicht in die Scheinhaftigkeit der Welt. Diese Grundhaltung beherrscht auch seine Dichtung, die mit zum Bedeutendsten gehört, was Lyrik und Drama in diesem Jahrhundert hervorbrachten.

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