Heinrich Schütz – Kurze Biografie

Heinrich SchützHeinrich Schütz (* 8. Oktober 1585 in Köstritz; † 6. November 1672 in Dresden) war ein deutscher Musiker, Komponist und Organist der Barockzeit. Als der von seinen humanistischen Zeitgenossen hochverehrte »Henricus Sagittarius« 1672 mit 87 Jahren in Dresden starb, sangen seine Schüler eine von ihm in Auftrag gegebene Motette und ehrten so den »eisgrauen Senior der deutschen Musikanten«. Sein Lebenswerk aber war bald vergessen, ja, unter den zahlreichen Abschriften alter Meister, die Johann Sebastian Bach zu Studienzwecken anfertigte, fand sich kein Werk von Schütz. Erst das 19. Jahrhundert entdeckte ihn auf Umwegen wieder. Die nun einsetzende Schütz-Renaissance fand 1885 ihren ersten Höhepunkt am 300. Geburtstag mit dem Beginn der Gesamtausgabe seiner Werke und begeisterte seit den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts die Jugend der »Singbewegung« für den »Musiker von Gottes Gnaden«. Nationalistischer Überschwang stilisierte Schütz zur »Lichtgestalt des deutschen Volkes«. Das 21. Schütz-Fest 1981 in Karlsruhe verlagerte dann die Akzente deutlich: Man rückte vom Personenkult ab und suchte Schütz als Exponenten eines musikgeschichtlichen Umbruchs auf dem Hintergrund der gesamthistorischen Entwicklung zu sehen. Der junge Mann aus fränkisch-sächsisch-thüringischem Patriziergeschlecht wurde vom Landgrafen Moritz von Hessen protegiert, wollte aber lieber Jura statt Musik studieren. Entscheidend wurden Begegnungen mit der modernen italienischen Musik: zunächst mit Gabrieli, dann mit Monteverdi – beide Organisten zu San Marco in Venedig. Seit 1617 Kapellmeister am kurfürstlichen Hof zu Dresden, brillierte Schütz schon im selben Jahr beim Empfang Kaiser Matthias’ mit seinem neu organisierten Orchester und Chor. In seinen Kompositionen verband er unbändig subjektive Ausdruckskraft mit der farbenprächtigen, konzertanten Satzkunst der Venezianer, und so hielt das Musiziergefühl des katholischen Südens Einzug in die protestantische Kirchenmusik.

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Info 26.09.2017 - 00:16
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