Höfisches Leben im absolutistischen Zeitalter

Als 1648 zu Münster der Westfälische Friede geschlossen wurde, hat wohl keiner der Beteiligten geahnt, dass die damalige Verhandlungssprache Französisch von nun an die Weltsprache der Diplomatie sein sollte. Die für die Zeitgenossen zunächst wenig bemerkenswerte Bevorzugung des Französischen warf in Wahrheit ein höchst bedeutungsvolles Licht auf die politische und kulturelle Führungsrolle Frankreichs. Während man dort gefestigt und blühend das Kriegsende erlebte, waren in den deutschen Landen die Bevölkerung halbiert, Städte und Dörfer verwüstet und der überregionale Handel praktisch lahmgelegt. In dieser Situation bildeten die deutschen Fürstenhöfe die Zentren, wo mit Macht die Landesentwicklung betrieben wurde, wo Geldmittel und kulturelles Sendungsbewusstsein sich verbanden. Nach allen Seiten offen und in vielen Bereichen ohne eigene Identität, strömten fremdländische Einflüsse verschiedenster Art in das Reich. Sie kamen aus England, Spanien, Italien, den Niederlanden und seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vornehmlich aus Frankreich. Versailles – Das unerreichte Vorbild
Um teilzuhaben am Glanz der in Frankreich gepflegten höfischen Kultur, waren weite Kreise des Adels bereit, kritiklos das französische Vorbild zu imitieren, nicht nur was die Sprache betraf. Mit Ludwig XIV. hatte ein Herrscher den Thron bestiegen, der als absoluter Monarch das gesamte öffentliche Interesse auf sich zog und seine Person zum Maßstab höfischen Lebens und politischen Handelns erhob. Eingeengt von der Großstadt Paris, die in ihrer Anlage der königlichen Vorstellung einer Residenzstadt nicht genügen konnte, ließ Ludwig XIV. sich außerhalb des Stadtbereichs eine repräsentative Schlossanlage errichten. Nach Plänen und Vorstellungen der ersten Architekten und Künstler entstand mit dem königlichen Schloss in Versailles ein neuer Mittelpunkt Frankreichs. Während des gesamten absolutistischen Zeitalters bildete diese Schlossanlage das in seiner architektonischen und künstlerischen Ausgestaltung unerreichte Vorbild nahezu aller europäischen Fürstenhöfe, an denen die glänzende Hofhaltung des Sonnenkönigs, wie sich Ludwig XIV. selbstbewusst nannte, mit bis dahin ungekanntem Aufwand nachgeahmt wurde. Um dem prunkvollen und glänzenden Rahmen von Versailles zu entsprechen, stürzte sich die Mehrzahl der deutschen Fürsten in unglaubliche Schulden. Oft genug stand ihr Bedürfnis nach höfischem Glanz in geradezu lächerlichem Verhältnis zu ihren Möglichkeiten, insbesondere da nicht nur Reichsfürsten, sondern auch Grafen und Reichsritter diesen Ehrgeiz entwickelten. Neben der Verschwendungssucht beim Bau von Residenzen mussten ungeheure Summen für die laufenden Kosten aufgewendet werden. So hatte etwa das Land Württemberg mit einer Einwohnerzahl von 500 000 Seelen das Schloss Ludwigsburg zu unterhalten, in dem Karl Eugen von Württemberg (1744-1793) eine Hofhaltung von 2000 Personen und 800 Pferden zur Verfügung stand. Im Vergleich dazu versorgten den kaiserlichen Hof in Wien auch etwa 2000 Personen, der Fürstbischof in Würzburg begnügte sich mit 260. Nicht genug damit leistete sich Karl Eugen außerdem mehrere Lustschlösschen und seine Residenz in Stuttgart. Daneben gehörten zur fürstlichen Prachtentfaltung eine Reihe von Jagdhäusern und Eremitagen, fantasievolle Wasserspiele und kunstvolle Gartenanlagen. Mit erlesenem Geschmack wurden Galerien und Raritätenkabinette ausgestattet, Orangerien und Bibliotheken angelegt. Dass dies kein Einzelfall war, beweist die lange Reihe fürstlicher Residenzneubauten, die vornehmlich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Ohne Übertreibung kann man von einer ausgesprochenen Bauwelle sprechen, in deren Verlauf gänzlich neue Residenzstädte gegründet wurden, wie zum Beispiel Karlsruhe und Mannheim. Hier waren die Untertanen in angemessener Entfernung in der Art eines Fächers bzw. auf schachbrettartigem Grundriss um die fürstliche Schlossanlage angesiedelt. Ebenso wie die Prunkschlösser selbst inmitten einer ›grünen Architektur‹ geometrischer Parkanlagen waren diese Städte vollkommen auf die Person des Herrschers ausgerichtet. Wie in Versailles bildeten die herrschaftlichen Gemächer das Zentrum der Anlage. Die Stadtplanung war also nichts weniger als Spiegelbild des landesherrlichen Selbstverständnisses. Grundlage und Rechtfertigung für die gewaltige Repräsentation von Macht und Reichtum bildete der Gedanke, dass der Herrscher von Gottes Gnaden, der weltliche Stellvertreter Gottes, für jedermann sichtbar mit dem Glanz seiner Hofhaltung diese Vorzugsstellung dokumentieren müsse. Nun entsprach bei den meisten deutschen Fürsten die tatsächliche Machtstellung keineswegs dem, was in grenzenloser Selbstüberschätzung an höfischer Prachtentfaltung vorgespiegelt wurde. Die politischen Verhältnisse im Reich führten dazu, dass eine Reihe im Grunde zweit- und drittrangiger Landesherren ihre tatsächliche politische Bedeutungslosigkeit, zieht man etwa den Vergleich zu Frankreich, mit aufwendigem und unverhältnismäßigem Pomp überspielten. So sollte in der Illusion die wenig strahlende Wirklichkeit aufgehoben werden. KindHochadeliges Kind. Ernst und aufmerksam sieht der 1663 einjährige Herzog August Wilhelm von Braunschweig den Betrachter an. Das Krönchen an der schmalen Schärpe und das kleine Schwert in seiner Rechten deuten auf die Zukunft des jungen Thronfolgers. Unbekannter Künstler. Schlösser und Residenzen
Führende deutsche Baumeister wie Balthasar Neumann, Fischer von Erlach, die Gebrüder Asam, Pöppelmann, Schlüter und Knobeisdorf, um nur einige zu nennen, wirkten für ihre fürstlichen Auftraggeber. Sie planten und bauten Kirchen, vor allem aber Schlossanlagen, da sich das städtische Leben noch kaum von den Kriegsfolgen erholt hatte, daher auch der landesherrlichen Prachtentfaltung wenig entgegensetzen konnte. Zu den wichtigen Bauten gehören: 1695 Schönbrunn in Wien, 1695 Residenzschloss in Bamberg, 1698 Schloss in Berlin, 1701 Schloss Nymphenburg, 1701 Schloss Schleißheim, 1704 Schloss Ludwigsburg, 1705 Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien, 1711 Schloss Pommersfelden, 1711 Zwinger in Dresden, 1719 fürstbischöfliche Residenz in Würzburg, 1720 Schloss Mannheim, 1721 Belvedere in Wien, 1722 Schloss Bruchsal, 1737 Rheinsberg, 1743 Schloss Augustusburg in Brühl, 1745 Sanssouci in Potsdam, 1746 Residenzschloss in Stuttgart. Die unsichtbare Macht der Etikette
Der Leser darf sich jedoch nicht verleiten lassen, sich den Alltag bei Hofe allzu angenehm vorzustellen. Die adeligen Herrschaften, die täglich in Karossen vorfuhren und ihre Aufwartung machten, mussten peinlich genau die Etikette einhalten. Sie schrieb bis ins kleinste jede Handlung vor, bis hinein in die Art, wie man Gespräche zu führen hatte, was man zu tragen, wie man sich zu bewegen hatte. Auch hier setzte Ludwig XIV. die Maßstäbe. Selbst das morgendliche Aufstehen verwandelte er in einen Staatsakt, bei dem nur ausgesuchte Damen und Herren des Hofes zugegen sein durften. Versuchten im Reich gar unbedeutende und provinzielle Reichsritter dies nachzustellen, mussten mitunter aus Mangel an Hofstaat der herrschaftliche Forstmeister und ein Kammerherr als Kulisse dienen. Beherrscht und verbindlich interpretiert wurde die Etikette vom Zeremonienmeister, der vielerorts zugleich als Hofpoet den Ruhm des Herrschers zu besingen hatte. Der Hof Kaiser Karls VI. in Wien orientierte sich am spanischen Hofzeremoniell und bildete damit eine gewisse Ausnahme, da dessen Starrheit und Distanz im Reich wenig Anklang fanden. In den weitläufigen Schlossanlagen herrschte eine geschäftige Atmosphäre, stetiges Kommen und Gehen von Gästen und Bediensteten. Der höfische Rahmen verlangte die Anwesenheit möglichst vieler hochstehender Personen, die als Gäste meist in den Schlössern wohnten. Als Umgebung des Herrschers hatten sie seinem Repräsentationsbedürfnis zu genügen und sollten gleichzeitig durch die Annehmlichkeiten des Hoflebens ihre eigene politische Ohnmacht vergessen. Um den Ansprüchen der Etikette jedoch zu genügen, verausgabten sie sich und mussten oft genug vom Hof mitfinanziert werden. An kühlen Tagen litten sie darunter, dass die wenigsten Räume beheizbar waren und es allenthalben in den viel zu weitläufigen Gängen und Sälen spürbar zog. Das höfische Zeremoniell und die weiten Wege zwischen den Küchen und Räumen, wo gespeist wurde, ließen die Gerichte häufig kalt auf die Tafel kommen. In all diesen Punkten war das Schloss von Versailles wegen seiner Größe besonders betroffen. Es fehlte zudem in der riesigen Anlage weitgehend an hygienischen Einrichtungen, auf die man aus Gründen der Ansteckungsgefahr bewusst verzichtet hatte. Außer einer abgelegenen Latrine, über deren Zustand wir unterrichtet sind, da der Philosoph Voltaire seinerzeit direkt über ihr untergebracht war, musste die hohe Gesellschaft ihre Notdurft direkt in den Räumen und Treppenhäusern verrichten. Der Gebrauch großer Mengen von Parfum und die regelmäßige Gesamtreinigung der Gebäude waren die selbstverständliche, ja mit Gelassenheit akzeptierte Folge. In den Fragen des guten Geschmacks führend zu sein, darum wetteiferten im Deutschen Reich zahlreiche Höfe. Hier gab man sich »à la mode«, ein Schlagwort und für viele ein Schimpfwort, die das Nachäffen fremder Bräuche anprangerten. Dies bezog sich zunächst auf die Kleidung, aber auch Haar- und Barttracht fielen darunter, überhaupt das gesamte Verhalten. Die vornehme Person bei Hofe hatte sich ›galant‹ zu geben, d. h. in jeder Weise gewandt, zuvorkommend und gesellschaftsfähig. Mit diesem wohl am weitesten verbreiteten Modewort hielt endgültig französische Hofkultur ihren Einzug, und der deutsche Dichter Friedrich Logau stellte lapidar fest: »Wer nicht französisch spricht, ist kein berühmter Mann.« Der höfische Kavalier wusste selbstverständlich, wie unschicklich es inzwischen war, »die Sauglocke zu läuten«. Vielmehr sollten Gespräche mit Anstand und Witz geführt, »gelehrte Sachen« mit Rücksicht auf die Zuhörerschaft nicht allzu trocken eingestreut werden. Man musste frei »diskurrieren und parlieren« können, wenn möglich aber nicht mit dem »abgeschmackten Wetter-Discours« beginnen. HausmusikHausmusik. Vornehm und ruhig, in kostbare Stoffe gehült und ganz mit sich selbst beschäftigt sieht der niederländische Maler Terborch eine Gruppe musizierender Menschen. »Das Konzert« (1675) gilt als reifstes Werk des Genremalers. Die feine Gesellschaft an üppigen Tafeln
Als gastfreundliche Stätten boten die meisten Höfe reich bestückte Tafeln mit einer überbordenden Vielfalt an Speisen. Im üblichen Rahmen bewegte es sich, wenn bei einer Gelegenheit bis zu achtzehn Gerichte aufgetragen wurden, bei Staatsessen sogar ein Vielfaches davon. Einige von ihnen blieben allerdings den Augen vorbehalten, da sie, aus nicht essbaren Zutaten bereitet, lediglich die Tafel schmückten. Mit silbernen Hauben bedeckt wurden die einzelnen Gänge von zahlreichen Bediensteten aufgetragen, auch um sie vor Fliegen und dem Puder der Perücken zu schützen. Bei Tische widmete man zunächst die gesamte Aufmerksamkeit dem Tranchieren des Bratens, wobei der Kavalier vor aller Augen zu beweisen hatte, wie weit er diese zunächst in französischen Tranchierbüchern wortreich dargelegte Meisterschaft beherrschte. Die Gäste speisten anschließend nicht mehr nur mit dem Messer, sondern bedienten sich der Gabel, die seit ihrer Einführung in Versailles einen Siegeszug an den Höfen Europas hielt. Gewandelt hatten sich ebenfalls die Trinksitten, obwohl die Feste noch immer ausschweifend abliefen. .»Galt es früher als entscheidend, wie viel man an Wein hinuntergießen konnte, so kam es nun darauf an, wie man trank. Unter der Vielfalt an Getränken und Speisen sollte der »junge Kavalier« sich die Namen der französischen »Confitures und Liquers« bekannt machen und zumindest die gängigsten Kartenspiele beherrschen. Wollte er darüberhinaus gute Erziehung beweisen, konnte er dies mit Reiten, Fechten und gewandt-grazilen Schreittänzen, etwa dem Menuett. Ein Hof mit Niveau hielt sich daher einen Tanzmeister, der nebenbei Kenntnisse über modische Accessoires besaß. Die Toilette der Damen wurde zeitraubend und kostspielig, denn Salben, Parfüms, Puder, Schminke, Lippenstifte waren Luxuswaren, die importiert werden mussten. Freilich fanden all diese Zutaten auch bei den Herren begeisterte Aufnahme. Einen Einblick in die Modegewohnheiten vermittelt der zeitgenössische Satiriker Moscherosch mit seiner Kritik: »Die fürstlichen und gräflichen Frauenzimmer wollen [...] alle Monat mit großen Unkosten und Vergeudung der armen Untertanen Schweiß und Blut neue Trachten haben, die man ihnen auf der Post mit à la mode bekleideten Puppen und Tocken von Paris zuschicken muss.« Zerstreuung und Selbstbestätigung – Der Hof feiert sich selbst
Um die drohende Langeweile einer im Grunde beschäftigungslosen Gesellschaft abzuwenden, inszenierte man neben dem zeitaufwendigen täglichen Zeremoniell, das der Selbstdarstellung diente, eine nicht endenwollende Kette gesellschaftlicher Ereignisse. So genoss man es bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts, an den großen Höfen pompös ausgestattete italienische Opern mit einem eigenen festen Ensemble aufzuführen. Sie vereinigten Exklusivität mit Prachtentfaltung und erlaubten auch auf der Bühne die fürstliche Selbststilisierung und Selbstdarstellung. Die Lieblingsrolle Ludwigs XIV. war bezeichnenderweise die der Sonne. Künstlerische Ausgestaltung der Theater, Maler, Architekten, Sänger, Tänzer und Musiker – sie alle verschlangen unvorstellbare Summen. Doch meist bildeten Oper und Ballett lediglich einen Teil eines umfangreichen Festprogrammes. Konnte man sich keine eigenen Ensembles leisten, mussten durchreisende Truppen engagiert werden. Anlässe für Feierlichkeiten ließen sich beliebig finden, oft genug entsprangen sie einer momentanen Laune. Familienereignisse schließlich galten als unvermeidliche Termine von Festivitäten, die keineswegs immer nur ungetrübtes Vergnügen bereiteten, da sie ein hohes Maß an Durchhaltevermögen von den Beteiligten forderten. Aufwand und Dauer orientierten sich dabei am Repräsentationsbedürfnis des Hofes. Nach wohldurchdachtem Plan folgten die einzelnen Ereignisse einander, die einem Höhepunkt zustreben mussten. Theater, Ballett, Musikdarbietungen und Festgottesdienste waren ebenso Bestandteil wie Festzüge, Bankette, Turniere, Maskenbälle und mitunter als Schlusspunkt ein Feuerwerk. Selbst an Darbietungen teilzunehmen und damit im Mittelpunkt zu stehen, übte einen großen Reiz aus. So erfreute die Kurfürstin von Sachsen 1679 ihre Gäste, indem sie mit ihren Hofdamen ein »Mohrenballett« aufführte. Mit Vergnügen wählte man volkstümliche Verkleidungen oder maskierte sich als mythologische Gestalten. 1721 ließ August der Starke von Sachsen durch 300 Bauern Schnee anfahren, weil er trotz Tauwetters Lust auf eine Schlittenpartie verspürte. Er verprasste in einem Jahr vier Millionen Taler für Vergnügungen, während sein Land gleichzeitig eine Hungersnot durchzustehen hatte. Der bereits genannte Karl Eugen von Württemberg ließ an einem Geburtstag 400000 Gulden für Lustbarkeiten jeder Art aufwenden und veranstaltete mitunter Feuerwerke für eine halbe Million. Die adelige Lust an der Jagd
Die genannten Beschäftigungen füllten das Leben des hohen Adels bei weitem nicht aus, denn nach Aussage Friedrichs des Großen verbrachten »die meisten Könige und Fürsten [...] dreiviertel ihrer Lebenszeit auf der Jagd«. Dabei zog in der Regel der gesamte Hofstaat mit, und man quartierte sich in einem Jagdschloss ein, das jeder Landesherr als Prestigeobjekt vorweisen musste. Mitunter waren diese Gebäude so angelegt, dass die adeligen Herrschaften vom Fenster aus das vorbeigetriebene Wild erlegen konnten. Den Statisten auf der politischen Bühne gab so die Jagd Gelegenheit zu ›wirklichen‹ Taten und sie wurde als ein »geräuschvolles Vergnügen« empfunden, »das die innere Leere füllte«, wie Friedrich der Große sarkastisch anmerkt. Nachdem die hohe Jagd ein exklusives herrschaftliches Privileg war, wurde sie im Wettbewerb zwischen den Höfen als prunkvolle Repräsentationsübung abgehalten. Man vergnügte sich bei sogenannten eingerichteten Jagden, wobei bis zu 8000 Tiere am geschmückten Schießstand der Jagdgesellschaft vorbeigetrieben wurden. Bei Parforcejagden versetzte der Adelige dem gestellten Wild lediglich den Todesstoß, und Wasser- oder Sprungjagden gingen darauf hinaus, das Wild über Klippen stürzen zu lassen oder im seichten Wasser abzuschießen. Dass gerade bei den Damen das Fuchsprellen sehr beliebt war, mag heute manchen verwundern. Die Tiere wurden dabei mit einem Netz so lange in die Luft geschleudert, bis sie verendeten. Bei einer Gelegenheit mehrere hundert Tiere so zu ›erlegen‹, war zum Beispiel in Sachsen nicht außergewöhnlich. Der Aufwand einer Treibjagd lässt sich erahnen, wenn man hört, dass 1763 in Württemberg unter anderem 33 Gebäude und Galerien dafür aufgestellt, ein künstlicher See angelegt und zwölf Orte monatelang mit über zwanzig Wagen beschäftigt wurden, um Spanndienste zu leisten. Mit Hilfe beliebig ausdehnbarer Jagdfron konnten so zahllose Bauern gezwungen werden, die »rühmliche Beschäftigung« ihrer fürstlichen Herren zu ermöglichen. Text der Zeit
Zeitungsberichte von 1680 Höfische Festlichkeiten

Würzburg, vom 7. Mai. Vergangenen Sonnabend nachmittag ist der herrliche Einzug des Herrn Markgrafen von Ansbach allhier gehalten worden, welcher prächtiger und magnifiquer nicht sein können, aber doch ist er nicht ohne Spaß und Gelächter angelaufen, denn nachdem den ganzen Tag das schönste Wetter, und die Kavaliere und andere sich auf das herrlichste aufgeputzt, gleich wie des Herrn Markgrafen seine auch, weil sie beiderseits das schönste Wetter sahen, hat der meiste Teil, um sich recht sehen zu lassen, Kapuzen und Mäntel zu Hause gelassen. Als sie nun eine gute halbe Stunde von hier einander empfangen, ist auf einmal ein solcher schrecklicher Regen gekommen, dass nicht zu beschreiben, unterzustehen war keine Gelegenheit, weil kaum für zwei Mann Platz, will geschweigen für dreitausend Personen und mehr, so mit draußen gewesen, sind also in aller Gravität mit ihrem köstlichen Aufzug im schrecklichen Regen unter Lösung von hundert Stücken [Kanonenschüssen] und der ganzen Soldateska angekommen. Lächerlicher ist denselben, so im Trockenen von weitem zusehen konnten, nichts noch vorgekommen, als wie die schönen Perücken, so vorhin auf das schönste gepudert waren, possierlich aussahen, wie auch die Federn auf den Hüten, im übrigen keinen trockenen Faden am Leibe, einer fluchte, dass der größte Schlossturm hätte einfallen mögen, andere lachten, und andere schickten nach anderen Kleidern, alle Winkel waren voll Ausziehens, und das Ärgste, was sie verdross, war, dass, sobald sie angekommen, sich das Gewölk augenblicklich wieder verloren, verzogen und das schönste Wetter, wie zuvor, wiedergekommen, welches noch dauert, wollen also etliche ihr Leben verwetten, es sei ihnen das von einem guten Künstler zum Possen gezaubert worden. Wie Traktamenten, Lustspiele, Schießen und Ringelrennen abgelaufen, und mit was für Pomp und Pracht solche gehalten worden, ist nicht zu beschreiben. Gestern abends um fünf Uhr hat das Wasserspiel seinen Anfang genommen, und bis in die Nacht gedauert, es waren fünf absonderliche Theatra, welche eines nach dem andern das Wasser herunter kamen. Auf dem ersten waren lauter hohe Berge mit Brunnen, die Personen, als Fischer und andere Leute, waren angekleidet wie Faune, die Musik bestand in lauter kleinen Harfen. Der andere Berg mit lauter Satyren, die Musik lauter Geigen. Das dritte eine Triumph-Pforte, die Musik lauter Schalmeinen und Fagotten, worauf der Neptunus mit einer dreizackigen Gabel, aus welcher drei Brunnen entsprangen. Das vierte ein schöner Lustgarten mit Springbrunnen, die Musik lauter Cornetten und Posaunen. Das fünfte war ein großer Berg mit Weinstöcken präsentiert, auf welchem Bacchus mit einem Becher in der Hand, aus welchem, gleich wie auch aus anderen Orten, durch Wasserkunst Brunnen gingen. Zwischen Ankunft eines jeden Theatri hatten die Fischer ihr Wasserspiel, als nämlich Stechen, Turnieren, nach der Gans fahren, und andere Lustspiele mehr. In Summa, es ist alles auf das lustigste und schönste abgegangen. Auf dem letzten Theatro bei dem Bacchus waren lauter Trompeter und Pauker. Die Personen, so auf denen Theatris gewesen, haben sich auf hundertfünfzig belaufen.
Aus: Dienstäglicher Mercurius. Berlin 1680, 24. Woche (in der Rechtschreibung modernisiert, Zeichensetzung belassen) München, vom 16. Juli. Den 12. dieses ist das Karussell gehalten, vor dessen Anfang 3 Triumphwägen mit allerlei repraesentationibus eingeführt worden, welchen Ihre Kurfürstl. Durchlaucht samt den 12 turnierenden Kavalieren, Trompetern und 6 vorantretenden Knaben zum untersten Tor folgten; als sich nun die Musik geendet, zogen gleich gemeldete Turnierende hinter den Wägen ab, und fingen das Fest an, bei welchem die Durchlauchtigsten Personen ihre Tapferkeit und Dexteritet [....] vor allen Kavalieren mit männigliches Verwundern erwiesen, sonderlich Ihre Durchlaucht der Herzog Maximilian, welcher das erste, Ihre Kurfürstl. Durchlaucht das andere, und der Herr Graf Max von Freysingen das dritte gewonnen haben. Zum Beschluss erschienen abermals erwähnte Maschinen, und nach erschollener erfolgter Gratulation der völlige Abzug.
Aus: Sonntagischer Mercurius. Berlin 1680. 30. Woche (Bearbeitung wie oben) Liebe, Musik und TheaterLiebe zu Musik und Theater. Theaterfreude und Theaterbegabung der Fürstin von Bayreuth ließen das Markgräfliche Opernhaus entstehen. 1748 ist der Innenraum vollendet: schweres Barock, entworfen von einem italienischen Theaterarchitekten. Der Hofstaat
Umfang und Vielfalt der im Hofstaat vereinigten Ämter und Aufgabenbereiche hingen ab von der Finanzkraft und den Erfordernissen der Selbstdarstellung der Herrscher. Auch die Konfession wirkte sich auf die Zusammensetzung aus. Innerhalb der Hofgesellschaft umgaben sich die Fürsten, ihre Gattinnen und Personen ähnlichen Standes mit einem eigenen begrenzten Personenkreis, der ihnen persönlich zugeordnet war, zum Beispiel Hofdamen, Ballett- und Tanzmeister. Daneben betreuten einzelne Amtsträger bestimmte Aufgabenbereiche, etwa Hofprediger oder Hofbeichtväter, Hofgartenmeister, Hofjägermeister, Hofstallmeister, Leibärzte, Offiziere der Leibwache, verschiedene Hofkünstler usw. Für ihre Aufgaben war ihnen ein umfangreiches Hofpersonal zugeordnet, das zusammen mit den übrigen Bediensteten für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen hatte. Schließlich sind die im wesentlichen funktionslosen Ehrenämter zu nennen wie Kämmerer und Ehrendamen sowie mit Militär- und Verwaltungsaufgaben bedachte Adelige, die sich meist bei Hofe aufhielten. Sie alle waren eingefügt in eine hierarchische Ordnung, an deren Spitze die klassischen höchsten Hofämter rangierten. Korruption und Maitressen wesen – zwei höfische Tugenden
In einer insgesamt sehr immobilen Gesellschaft zeigte sich der Hof als einziger Ort, wo Karriere möglich war, gesellschaftlicher Aufstieg und Fall nahe beieinander lagen. Daher strömten Aufsteiger, Abenteurer, Künstler, Maitressen und Günstlinge jeder Couleur hier zusammen. Im täglichen Kampf um Wohlwollen und Laune der Herren übten sie sich in Geduld und Intrige. Auf Berechnung, Schmeichelei, Bestechung und Erpressung ausgerichtete Intriganten waren fester Bestandteil jeden Hofes. Sie profitierten von der Geltungssucht des Adels und die Landesherren spielten sie mit Gewinn gegeneinander aus. Korruption und Ämterkauf waren dabei an der Tagesordnung. In Wien konnte man für 200 Dukaten Kammerherr werden und Fürst Schwarzenberg war 1711 der Posten eines Oberstallmeisters immerhin 100.000 Gulden wert. Karl Eugen von Württemberg resümierte über einen Kandidaten, Talente habe er nicht viele, aber 4000 Gulden seien eine schöne Summe. Mangelte es an Geld, blieb noch die Möglichkeit, über die Heirat einer schwangeren Maitresse in Amt und Würden zu kommen. Mit dem »Herzog zum Bettschwager« kam die Karriere. Einnahmen aus dem Stellenkauf waren unverzichtbar angesichts der chronischen Finanznot vieler Fürsten und Herren. Natürlich wurden die Korruptionsgelder später wieder aus den Untertanen herausgepresst und trotz umfangreicher Aufträge der Höfe an Handel und Handwerk wuchs die Belastung der Territorien erheblich. Das Maitressenwesen, ebenfalls importiert aus Frankreich, setzte sich an deutschen Höfen erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch. Heftige Attacken von Räten und Hofpredigern dagegen änderten daran wenig. Selbst Friedrich Wilhelm I. von Preußen hielt sich der Mode entsprechend eine Maitresse, ohne sie jemals in Anspruch zu nehmen. Es galt als nicht ungewöhnlich, schwangere Mädchen mit einem »Handgeld« abzufinden. Andererseits lebte Herzog Ernst III. von Württemberg (1628-1674) mit drei Maitressen gleichzeitig im Stand der Ehe. Übertroffen wurde er allerdings bei weitem von August dem Starken von Sachsen, dessen ausschweifendes Liebesleben selbst Zeitgenossen in Erstaunen versetzte. Nicht selten bestimmten die Damen den Regierungsstil und ließen sich ihre Dienste vergolden, denn oft war ihre Zeit knapp bemessen, bis sie abgelöst wurden. In stumpfer Ergebenheit duldeten die Untertanen Ausschweifungen und Verschwendungssucht ihrer Herren. Aber selbst die schärfste Auspressung konnte die Geldnot der Höfe häufig nicht lindern. Aus Geldgier wurden daher Landeskinder als Soldaten ins Ausland verkauft. So verdienten die Fürsten noch am Tode ihrer Untertanen, allen voran der hessische Landgraf Karl I. (1677-1736). Augenzeugenberichte aus der Zeit, etwa von dem Dichter Johann Gottfried Seume, vermitteln einen Eindruck davon, mit welcher Menschenverachtung mancher ›Landesvater‹ die ihm Anvertrauten seinem Ehrgeiz und seinen Lustbarkeiten opferte. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entzündete sich die Kritik am höfischen Lebensstil und am Despotismus daher vielfach gerade am unmenschlichen Soldatenhandel, einem Akt der Willkür.

Forum (Kommentare)

hata 20.03.2017 um 14:24:05 Uhr.
Ich finde es SEHR hilfreich diese Seite nur Weiter enmpfehlen aber einpaar Sachen sind leider unverständlich, aber sonst ist es PERFEKT
olaf 28.11.2017 um 07:05:56 Uhr.
Es ist dumm
Felix Schneider 28.11.2017 um 07:07:04 Uhr.
es ist sehr wissenswert und man viel daraus schließen
olaf 04.12.2017 um 11:28:28 Uhr.
hallo das is sehr viel text das is voll ansterengend und das thema ist eh nich so spannen wie onedirection oder bts ich will pause haben