Superstars der Weltgeschichte

Abraham Lincoln (1809-1865)
Lincoln, AbrahamAmerikanischer Präsident. Als Kandidat der neu geschaffenen Republikanischen Partei 1861 zum Präsidenten gewählt, lehnte Lincoln einen Kompromiss in der Frage der Sklavenbefreiung ab. Den Sezessionskrieg (1861-1865), der mit dem Austritt der Südstaaten aus der Union seinen Anfang nahm, führte er mit konsequenter Härte, plante jedoch nach der Kapitulation des Südens eine Politik der nationalen Wiederannäherung (»Reconstruction«). 1865 wurde er von dem Rassenfanatiker John W. Booth im Theater erschossen. Adolf Hitler (1889-1945)
Hitler, AdolfDeutsch-österreichischer Politiker. Mitbegründer und Vorsitzender der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), die bei den Reichstagswahlen 1933 die Mehrheit errang. Hitler errichtete daraufhin ein diktatorisches Terrorsystem unter Ausschaltung sämtlicher demokratischen Parteien und begann mit der Verwirklichung seines antisemitischen Programms. Der den Jahren der sogenannten Machtergreifung folgende wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands gründete sich v. a. auf die Ankurbelung der Rüstungsindustrie, mit der Hitler seine Kriegspläne vorbereitete. Im Jahr 1938 annektierte Hitler Österreich (»Anschluss«), im September 1939 überfiel er Polen und leitete damit den Zweiten Weltkrieg (1939-1945) ein. Nach anfänglich großen militärischen Erfolgen wendete sich die Lage ab 1943 (Schlacht von Stalingrad). Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944 leitete die endgültige Niederlage ein; am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht. Hitler selbst war nie an der Front, im Lauf des Kriegs zog er sich auch immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und verkehrte vorwiegend mit dem Generalstab. Am 20. Juli 1944 verübten einige Offiziere des Generalstabs ein Attentat auf Hitler, das jedoch misslang. Die Attentäter um Graf von Stauffenberg wurden hingerichtet. In den letzten Kriegswochen zog Hitler sich in den unterirdischen Bunker der Reichskanzlei zurück, wo er am 30. 4. 1945 Selbstmord beging. Akbar (1542-1605)
AkbarIndischer Großmogul. Sein eigentlicher Name war Djalal ad-Din Mohammed; »Akbar« bedeutet »Der Große«. Er eroberte das unter seinem Vater Humayun verloren gegangene Nordindien und gilt als der eigentliche Begründer des indischen Mogulreichs. Selbst Muslim, bemühte Akbar sich intensiv um einen Ausgleich zwischen den islamischen und den hinduistischen Volksgruppen seines Reichs, indem er eine neue, beide Glaubensrichtungen verbindende Religion zu etablieren versuchte (Din Ilahi, »göttliche Religion«). Unter seiner Regierung kam es zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte in Indien. Alexander (III.) der Große (356-323 v. Chr.)
Alexander der GroßeMakedonischer König. Alexander erhielt seine Ausbildung u. a. durch Aristoteles, der ihn mit der Kultur des klassischen Griechenlands vertraut machte. Nach der Ermordung seines Vaters Philipp II. 336 v. Chr. musste er seinen Anspruch auf die Thronfolge mit Gewalt durchsetzen. Als Feldherr des im Korinthischen Bund vereinigten Griechenlands begann er 334 mit einem Feldzug gegen das persische Großreich, das er 327 endgültig eroberte. Der darauf folgende indische Feldzug führte sein Heer bis über den Indus hinaus, nachdem Syrien, Palästina und Ägypten bereits 331 unterworfen worden waren. Alexanders Reich zerfiel nach seinem Tod 323 in den Diadochenkämpfen in mehrere Teile; der kulturelle Einfluss des Hellenismus, der sich im Gefolge der Eroberungen ausgebreitet hatte, blieb jedoch lange Zeit prägend. Alexander VI. (1430-1503)
Alexander VI.Papst seit 1492. Alexander VI., früher Rodrigo de Borja (Borgia), gilt als der Prototyp eines machtbesessenen und skrupellosen Politikers seiner Zeit. Vor allem unter dem Einfluss seines Sohns Cesare baute er seine persönliche Macht und die Besitzstände des Kirchenstaats aus. Er missbrauchte sein Amt nicht zuletzt zur Versorgung seines Sohnes und seiner Tochter Lucrezia Borgia. Durch seine Vermittlung kam 1494 der Vertrag von Tordesillas zustande, der die Einflussbereiche Spaniens und Portugals in der Neuen Welt regelte. Aristoteles (384-322 v. Chr.)
AristotelesGriechischer Philosoph. In seinen jungen Jahren gehörte Aristoteles Platons Akademie an. 343 v. Chr. wurde er als Erzieher Alexanders des Großen an den makedonischen Hof gerufen. 335/334 nach Athen zurückgekehrt, gründete er dort seine »Peripatetische Schule«. Nach dem Tod Alexanders 323 musste er aus Athen fliehen und starb im Exil. Die aristotelische Philosophie umfasst Logik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Metaphysik, Ethik, Politik und Kunsttheorie. Ihre Bedeutung für die Entwicklung nicht nur der abendländischen Kultur, sondern auch des islamisch-arabischen Geisteslebens kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Armand Jean du Plessis, Herzog von Richelieu (1585-1642)
Armand Jean du PlessisFranzösischer Staatsmann. Seit 1622 Kardinal, wurde Richelieu 1624 von Ludwig XIII. zum Ersten Minister berufen. Er war einer der mächtigsten Männer seiner Zeit; unter seiner Regierung wurden die Macht des französischen Adels gebrochen, die politischen und militärischen Sonderrechte der Hugenotten aufgehoben und außenpolitisch der Weg Frankreichs aus der spanisch-habsburgischen Umklammerung hin zu einer europäischen Hegemonialmacht gebahnt. Richelieu war der Wegbereiter des Absolutismus, der unter Ludwig XIV. seine größte Macht entfaltete. Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.)
AugustusErster römischer Kaiser. Von seinem Großonkel Gaius Julius Caesar adoptiert (und als Erbe eingesetzt), nannte er sich selbst Imperator Caesar Divi Filius, bis zum Jahr 27 v. Chr. ist jedoch der Name Octavian gebräuchlich. Nach Caesars Tod 44 v. Chr. bildete Octavian mit Marcus Antonius und dem unbedeutenden Lepidus zunächst das 2. Triumvirat, unter dessen Führung die Caesar-Mörder besiegt wurden. In den folgenden Jahren festigte er seine Position und schaltete seine Widersacher nach und nach aus, zuletzt Antonius und die mit ihm verbündete ägyptische Königin Kleopatra (30 v. Chr.). Unter der Herrschaft des Augustus, der diesen Ehrennamen (»der Erhabene«) 27 v. Chr. vom Senat verliehen bekam, dehnte sich das Römische Reich weiter aus. Im Innern brachte die Wiederherstellung von Ruhe und Frieden, die »Pax Augusta«, wirtschaftlichen Wohlstand und kulturelle Blüte. Augustus war der Begründer des römischen Kaisertums, das bis zum Untergang des Imperiums im 5. Jh. bestand. Schon zu Lebzeiten genoss er göttliche Verehrung. Aurangseb (1618-1707)
AurangsebIndischer Großmogul. Stürzte 1658 seinen Vater Shah Jahan vom Thron und beendete die von seinem Urgroßvater Akbar eingeführte religiöse Toleranz in Indien. Unter seiner Herrschaft erreichte das Mogulreich seine größte Ausdehnung; gleichzeitig wurde durch die Diskriminierung von Hindus, Sikhs und anderen nichtislamischen Religionsgemeinschaften der Boden für den Zerfall des Reichs bereitet. Babur (1483-1530)
BaburBegründer des Mogulreichs, das unter seinen Nachfahren Akbar, Shah Jahan und Aurangseb praktisch den ganzen indischen Subkontinent beherrschte. Der Nachkomme Dschingis Khans und Timurs war jedoch nicht nur ein erfolgreicher Feldherr, sondern auch ein bedeutender Schriftsteller, dessen Autobiografie 1828 auch ins Deutsche übersetzt wurde. Benedikt von Nursia (480-547)
Benedikt von NursiaItalienischer Ordensgründer. Über das Leben des Hl. Benedikt ist wenig bekannt. Um 529 gründete er die Mönchsgemeinschaft von Monte Cassino (Kampanien), für die er feste Regeln schuf (Benediktinerregel) und die zur Keimzelle des Benediktinerordens und des abendländischen Mönchtums überhaupt wurde. Bill Clinton (geb. 1946)
Clinton, BillAmerikanischer Präsident. Der langjährige Gouverneur des US-Bundesstaats Arkansas wurde 1992 als Kandidat der Demokraten zum Präsidenten gewählt. In seine Regierungszeit fiel ein Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft, der zu einer Sanierung des öffentlichen Haushalts führte. Seine Außenpolitik war von starkem Engagement für eine Friedensregelung im Nahen Osten geprägt (Oslo-Abkommen 1993 zwischen Israel und den Palästinensern), die er jedoch nicht erfolgreich abschließen konnte. Clintons zweite Amtszeit, die im Januar 2001 endete, wurde von der sogenannten Lewinsky-Affäre überschattet – der Präsident war wegen sexueller Kontakte zu einer Angestellten des Weißen Hauses unter Beschuss geraten. Sein Nachfolger wurde nach wochenlangem Rechtsstreit um die Stimmenauszählung der Republikaner George W. Bush. Als erste First Lady begann allerdings im gleichen Jahr Hillary Rodham Clinton eine eigenständige politische Karriere: Sie gewann den Senatssitz für den Staat New York. Candragupta (320-335)
CandraguptaIndischer Herrscher. Begründer der Dynastie der Gupta, die unter seinem Sohn Samudragupta zur Großmacht in Nord-und Zentralindien wurde. Im Guptareich blühten Kunst und Kultur (Sanskritdichtung, Guptakunst, Tempelbau) in einem wirtschaftlich florierenden Staat. Der Hunnensturm des späten 5. Jahrhunderts setzte der Dynastie ein Ende. Ch’in (Qin) Shihuangti (246-210 v. Chr.)
Ch'in (Qin) ShihuangtiChinesischer Herrscher. Unter den konkurrierenden Gruppen, die im 3. Jh. v. Chr. um die Vorherrschaft in China stritten, gelang es König Zheng von der Sippe der Ch’in als Erstem, das gesamte Reich mit brutaler Gewalt zu vereinigen. Daraufhin legte er sich den Namen Ch’in Shihuangti, »Göttlich Erhabener von der Ch’in-Sippe«, zu. Um sämtliche Spuren vorheriger Dynastien zu tilgen, ließ er alle Chroniken, Schriften und Philosophien der Vergangenheit bei Todesstrafe verbieten (große Bücherverbrennung 213 v. Chr.). Die Herrschaft der Ch’in zerfiel wenige Jahre nach seinem Tod, der von ihnen abgeleitete Name »China« blieb dem Land erhalten. Charles Darwin (1809-1882)
Darwin, CharlesEnglischer Naturforscher. Schon als Theologiestudent an naturwissenschaftlichen Fragen interessiert, nahm Darwin 1831 -1836 an einer fünfjährigen Forschungsreise auf dem Vermessungsschiff »Beagle« teil, die ihn um die ganze Welt führte. Vor allem die einzigartige Tierwelt der Galapagosinseln wirkte sich prägend auf seine Studien zum Ursprung der Arten aus, auf dem die von ihm begründete moderne Evolutionstheorie beruht. Darwins Lehre war heftig umstritten, da sie die biblische Schöpfungslehre negiert, führte aber nichtsdestotrotz zu einer Revolutionierung nicht nur der Biologie, sondern in gewisser Hinsicht auch des menschlichen Selbstverständnisses. Chlodwig (um 466-511)
ChlodwigFränkischer König seit 482. Der Sohn des Childerich, welcher noch aufseiten der Römer gegen die Westgoten gekämpft hatte, beseitigte die Reste römischer Herrschaft in Gallien und begründete dort das fränkische Großreich der Merowinger. Um 498 trat er zum katholischen Christentum über und legte damit einen wichtigen Grundstein für die Vormachtstellung des Frankenreichs in Europa. Christoph Columbus (1451-1506)
Columbus, ChristophItalienischer Seefahrer in spanischen Diensten. Schon als junger Mann war Columbus von Genua aus zur See gefahren. Da er mit seinem Plan, Richtung Westen einen Seeweg nach Indien zu finden, bei der portugiesischen Krone nicht durchdringen konnte, wandte er sich an die spanischen Könige Isabella und Ferdinand II., die ihm schließlich 1492 die erste Expedition mit drei Schiffen ausrüsteten. Am 12. 10. 1492 erreichte Kolumbus die Bahamas, wenig später entdeckte er Kuba und Hispaniola. Weitere drei Fahrten folgten, auf denen er bis zur süd-und mittelamerikanischen Küste vorstieß. Bis zu seinem Tod war Kolumbus davon überzeugt, Indien erreicht zu haben, die Tragweite seiner Entdeckung stellte sich erst wenig später heraus. Daniel Defoe (1660-1731)
Defoe, DanielEnglischer Schriftsteller. Den Roman »Robinson Crusoe«, der Defoe berühmt machte, verfasste der Schriftsteller erst im Alter von fast 60 Jahren. Zuvor hatte er vor allem Pamphlete und Flugschriften herausgegeben, die soziale Missstände anprangerten und ihn mehrfach in Schwierigkeiten mit der Obrigkeit brachten. Neben der Geschichte des auf einer einsamen Insel gestrandeten Robinson schrieb Defoe eine Reihe weiterer spannender Abenteuerromane, denen allen ein dem puritanischen Ideal verpflichteter moralischer Grundton unterliegt. Darius III. (um 380-330 v. Chr.)
Darius III.Letzter Großkönig der persischen Achaimeniden-Dynastie. Seine Vorfahren Darius I. und Xerxes I. hatten um 490/480 v. Chr. die berühmten Perserkriege gegen das von Athen und Sparta geführte Griechenland entfesselt. Die als panhellenischer Rachefeldzug geführte Invasion Alexanders des Großen konnte Darius III. trotz militärischen Geschicks nicht aufhalten. Nach zwei vernichtenden Niederlagen (333 bei Issos, 331 bei Gaugamela) wurde er auf der Flucht von einem seiner Satrapen (Unterfürsten) verraten und ermordet. Dschingis Khan (1155-1227)
Dschingis KhanMongolenherrscher. Er einte um 1206 die verschiedenen Stämme der Mongolei und dehnte sein Reich bis 1219 über weite Teile Nordchinas aus. Im Westen drangen die Mongolen bis nach Persien und in die Ukraine vor. Das mongolische Weltreich wurde unter Dschingis Khans Nachfolgern in drei große Einzelreiche aufgespalten, die für lange Zeit den gesamten zentralasiatischen Bereich einschließlich eines großen Teils von China beherrschten. David Hume (1711-1776)
Hume, DavidEnglischer Philosoph, Ökonom und Historiker. Hume zählt zu den wichtigsten Vertretern des Empirismus, der auf der Prämisse fußt, dass jede Erkenntnis ausschließlich auf Erfahrung beruht. Hume gilt zudem als einer der Mitbegründer der klassischen Nationalökonomie, die (im Gegensatz zum Merkantilismus) als oberstes wirtschaftliches Ziel den Reichtum der Bürger, nicht den des Staates postuliert. Dwight D. Eisenhower (1890-1969)
Eisenhower, Dwight D.Amerikanischer General und Präsident. Zunächst als Chef der amerikanischen Truppen in Europa (ab 1942), ab 1943 dann als Oberbefehlshaber der gesamten alliierten Invasionstruppen war Eisenhower entscheidend am Sieg über Nazideutschland beteiligt. 1952 gewann er als Republikaner die Präsidentenwahl und wurde 1956 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Seine Politik, wiewohl durch den Kalten Krieg geprägt, war stets darauf bedacht, eine militärische Auseinandersetzung mit der Sowjetunion zu vermeiden. Die von ihm verkündete »Eisenhower-Doktrin« legitimierte das Eingreifen amerikanischer Truppen in Nahost nach der Suez-Krise 1956/57 als »Wahrung lebenswichtiger amerikanischer Interessen«. Edmund Percival Hillary (geb. 1919)
Hillary, Edmund PercivalNeuseeländischer Bergsteiger und Forscher. Hillary erreichte den Gipfel des Mount Everest zusammen mit dem Sherpa Tenzing Norgay am 19.5.1953. Lange Zeit galt er deshalb als Erstbesteiger; seit dem Fund der Leiche des Bergsteigers George Mallory 1999 wird jedoch diskutiert, ob dieser den Gipfel nicht weitaus früher erreichte, nämlich 1924, und auf dem Rückweg umkam. Elisabeth I. (1533-1603)
Elisabeth I.Englische Königin. Die Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyns kam 1558 nach dem Tod ihrer Halbschwester Maria I. der Katholischen auf den Thron. Sie stellte die anglikanische Staatskirche wieder her, war zugleich aber auf Ausgleich mit den Katholiken im Land bedacht. Ihr Hauptanliegen war die Herstellung innenpolitischer Stabilität, der auch ihre Sozialgesetzgebung (Mindestlöhne, Armenfürsorge) galt. Die Außenpolitik war vom Kampf gegen Spanien unter Philipp II. beherrscht; der Sieg über die Armada 1588 schuf die Grundlage für die zukünftige Seemacht Englands. Insgesamt gilt das Elisabethanische Zeitalter als eine wirtschaftliche und kulturelle (Shakespeare) Blütezeit. Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469-1536)
Erasmus von RotterdamNiederländischer Humanist und Theologe. Als bedeutendster Vertreter des europäischen Humanismus wandte sich Erasmus gegen kirchliche Dogmatik und die Verweltlichung der Kirche; er forderte die Wiederentdeckung und Pflege der griechischen und lateinischen Sprache. 1516 erschien in Basel die erste Druckausgabe des griechischen Neuen Testaments mit seinem Vorwort, die die Grundlage von Luthers Bibelübersetzung bildete. Die Kontroverse mit Luther (1524/1525) bewirkte eine Lösung der Verbindung von Humanismus und Reformation. Francisco de Orellana (um 1511-1546)
Orellana, Francisco deSpanischer Konquistador. Während der Eroberung Perus entdeckte er die Quellgebiete des Amazonas und befuhr als erster Europäer den Strom in seiner ganzen Länge bis zur Mündung (1541/42). Francisco Pizarro (1478-1541)
Pizarro, FranciscoSpanischer Konquistador. Brach 1531 zur Eroberung Perus auf. Er ließ den durch Verrat gefangen genommenen Inka-Herrscher Atahualpa trotz einer hohen Lösegeldzahlung hinrichten und eroberte die Inka-Hauptstadt Cuzco. 1537 kam es zum Streit um die Herrschaft in Cuzco mit dem Konquistador Diego de Almagro. Pizarro schlug die Truppen des Almagro und ließ diesen hinrichten; später wurde er von Almagros Anhängern ermordet. Franklin Delano Roosevelt (1882-1945)
Roosevelt, Franklin DelanoAmerikanischer Präsident. Obwohl Roosevelt 1921 an Kinderlähmung erkrankte und fortan schwer gehbehindert war, konnte er seine politische Karriere fortsetzen. Seine Präsidentschaft 1933-1945 stand zunächst unter dem Zeichen einer umfassenden Sozialpolitik und gutnachbarschaftlicher Beziehungen zu Südamerika; mit der Ausbreitung des Faschismus in Europa bemühte er sich zudem, den isolationistischen Tendenzen im Land entgegenzuwirken und die USA auf einen Kriegseintritt vorzubereiten. Ab 1941 übernahm er eine zentrale Rolle in der Koordination des Kampfes gegen Hitlerdeutschland; dass er die (1933 anerkannte) UdSSR als unentbehrlichen Partner betrachtete, trug ihm den Vorwurf ein, der sowjetischen Machterweiterung Vorschub zu leisten. Sein Plan, das Kriegsbündnis als Kern einer neuen Weltordnung zu erhalten, wirkte sich auf die Gründung der Vereinten Nationen aus. Franz I. (1494-1547)
Franz I.Französischer König seit 1515. Franz war der große, aber letztendlich unterlegene Gegenspieler des mächtigen Habsburgerkaisers Karl V. von Spanien. Innenpolitisch verstärkte Franz die Entwicklung zum Absolutismus und unterdrückte konsequent die Ausbreitung der Reformation in Frankreich. Als glänzender Renaissancefürst umgab er sich mit Künstlern und Philosophen, u. a. war er Mäzen Leonardo da Vincis. Friedrich Engels (1820-1895)
Engels, FriedrichDeutscher Philosoph und Politiker, enger Mitarbeiter von Karl Marx. Der Wuppertaler Fabrikantensohn veröffentlichte bereits als Zwanzigjähriger philosophie-, religions- und literaturkritische Schriften. Während der kaufmännischen Ausbildung in Manchester kam er mit dem Kreis der englischen Frühsozialisten in Berührung. 1844 lernte er in Paris Karl Marx kennen, mit dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb und den er auch finanziell unterstützte. Gemeinsam verfassten sie eine Vielzahl von Schriften, darunter das »Kommunistische Manifest« (1848). Mit seiner praktisch-politischen Tätigkeit (u. a. im Generalrat der 1. Internationale) trat Engels für die Verbreitung des Marxismus ein. Friedrich II., der Große (1712-1786)
Friedrich II.König von Preußen seit 1740, Sohn Friedrich Wilhelms I. Mit dem Frieden von Hubertusburg 1763, der den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) beendete, gelang es Friedrich, Preußen als europäische Großmacht zu etablieren. Preußens Territorium vergrößerte sich unter seiner Herrschaft um Ostfriesland, Westpreußen und nach der Ersten Polnischen Teilung (1772) um das Netzegebiet. Innenpolitisch stärkte Friedrich den Adelsstand, der Offiziere und höhere Beamte stellte, und versuchte durch Monopole, eine straffe Steuerpolitik und Merkantilismus die Staatseinnahmen zu heben; außerdem führte er Justiz- und Bildungsreformen durch. Friedrich war nicht nur als Feldherr und Staatsmann, sondern auch intellektuell und musisch hochbegabt, er verfasste militärisch-politische Schriften, spielte Querflöte und komponierte. Den Ideen der Aufklärung nahe stehend, korrespondierte er mit französischen Philosophen; mit Voltaire, der zeitweise an seinem Hof lebte, war Friedrich eng befreundet. Friedrich Wilhelm I. (1688-1740)
Friedrich Wilhelm I.König in Preußen seit 1713. Der »Soldatenkönig« schuf die Grundlagen für die spätere Großmacht Preußen, indem er die Armee verstärkte, einen effizienten, auf Sparsamkeit bedachten Verwaltungsapparat mit ausgebildeten Staatsbeamten schuf, ständische Vorrechte wie die Steuerfreiheit des Adels beseitigte und die Bauernbefreiung einleitete. Zudem erweiterte er das preußische Territorium um Obergeldern (Niederlande) und das schwedische Vorpommern südlich der Peene. Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861)
Friedrich Wilhelm IV.König von Preußen. 1840 als Nachfolger seines Vaters Friedrich Wilhelm III. auf den Thron gekommen, lehnte er 1849 die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene deutsche Kaiserkrone ab. Durch diese Zurückweisung des Verfassungsentwurfs, der eine konstitutionelle Monarchie mit einem deutschen Kaiser vorsah, trug Friedrich Wilhelm zum endgültigen Scheitern der Märzrevolution von 1848 bei. Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.)
Caesar, Gaius JuliusRömischer Staatsmann und Feldherr. Der Abkömmling aus dem alten Geschlecht der Julier machte mit Glück und Geschick politische Karriere in der von den Auseinandersetzungen zwischen Patriziern und Plebejern erschütterten römischen Republik. Nachdem er verschiedene Ämter ausgeübt und in Spanien ersten Kriegsruhm erworben hatte, bildete er 60 v. Chr. mit Pompejus und Crassus das so genannte 1. Triumvirat. Die Eroberung Galliens, 52 v. Chr. vollendet, brachte Caesar die Verfügungsgewalt über enorme militärische und finanzielle Mittel ein, die er gegen den inzwischen zu seinem Hauptgegner avancierten Pompejus einsetzte. 49 v. Chr. überschritt er mit seinen Legionen den Rubicon und marschierte gegen Rom. Der darauf folgende Bürgerkrieg endete mit dem Tod des Pompejus und der Alleinherrschaft Caesars. Gestützt auf seine Vollmachten als Diktator, führte er umfassende Reformen durch (Ausweitung des römischen Bürgerrechts, Veteranenansiedlungen, Kalenderreform), die eine Grundlage für die innere Konsolidierung Roms schufen. 44 v. Chr. wurde Caesar von republikanischen Verschwörern unter der Führung von Brutus und Cassius im Senat ermordet. Beginnend mit seinem Nachfolger Augustus, führten alle römischen Imperatoren nach ihm den Namen Caesar als Titel; die Worte Kaiser und Zar gehen auf ihn zurück. Gautama Buddha (um 560-um 480 v. Chr.)
Gautama BuddhaIndischer Religionsstifter. Buddha (»der Erleuchtete«) lautet der Ehrentitel des Fürstensohns Siddharta Gautama aus dem Vorland des nepalesischen Himalaya. Mit 29 Jahren kehrte Gautama, verheiratet mit seiner Kusine Yashodhara, einem Leben in Reichtum den Rücken und suchte Erleuchtung (»bodhi«) zunächst in harter Askese bei verschiedenen Meistern, dann in der Meditation. Der Legende nach wurde sie ihm nach sieben Jahren unter einem Feigenbaum in Sarnath bei Benares zuteil. Fortan predigte Buddha die »vier Wahrheiten«: das Leiden (»duhkha«), sein Ursprung, die Aufhebung seiner Ursache und der Weg, der zu diesem Ziel führt, dem Nirvana-Zustand, in dem der Erlöste für immer von allen Trieben, von Karma und damit vom Geburtenkreislauf befreit ist. Georg III. (1738-1820)
Georg III.König von Großbritannien, ab 1801 auch von Irland; Kurfürst, ab 1814 König von Hannover. Georg, 1760 auf den Thron gekommen, vertrat in der Außenpolitik eine starr konservative Haltung, die maßgeblich zum Abfall der nordamerikanischen Kolonien beitrug. Bei der »Boston Tea Party« 1773 vernichteten als Indianer verkleidete amerikanische Bürger eine Ladung Tee der britischen Ostindischen Handelskompanie, eine symbolträchtige Protestaktion gegen die vom Mutterland auferlegten Steuern, die letztlich in die Unabhängigkeitserklärung mündete (4.7. 1776). Georg III. wurde, geistig erkrankt, 1811 in der Regierung vom Prince of Wales abgelöst, dem späteren König Georg IV. Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Händel, Georg FriedrichDeutscher Komponist. Händel schrieb geistliche und weltliche Musik, darunter eine Vielzahl von Opern, wobei ihm eine einzigartige Synthese der deutschen Organistentradition mit italienischen, englischen und französischen Einflüssen gelang. Ausgebildet als Organist und Geiger, übernahm Händel nach seiner Studienreise durch Italien 1707-1709 das Amt des kurfürstlichen Kapellmeisters in Hannover. 1711 wurde seine Oper »Rinaldo« mit großem Erfolg in London uraufgeführt, wohin Händel 1712 übersiedelte; ab 1713 erhielt er eine jährliche Pension vom Königshaus. Von 1719 an leitete er die königliche Oper am Haymarket, bis wirtschaftlicher Ruin und gesundheitlicher Zusammenbruch ihn 1737 zur Aufgabe zwangen. In den Folgejahren entstanden u. a. das Oratorium »Der Messias« und die »Feuerwerksmusik«. George Washington (1732-1799)
Washington, GeorgeAmerikanischer General und erster Präsident der USA. Washington engagierte sich schon früh im Widerstand gegen die britische Regierung; 1759 bis 1774 gehörte er der Bürgerversammlung von Virginia an. 1775 erhielt er den Oberbefehl über die amerikanischen Revolutionstruppen, die er mit französischer Unterstützung 1781 zum endgültigen Sieg führte (Kapitulation des britischen Generals C. Cornwallis in Yorktown). 1787 wurde Washington zum Vorsitzenden des Verfassungskonvents, 1789 mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der USA gewählt. Außenpolitisch wahrte Washington Neutralität gegenüber den europäischen Staaten; innenpolitisch vertrat er die Idee der starken Zentralregierung, entwickelte das Kabinettssystem und führte eine Neuordnung der Finanzen durch. 1797 zog sich Washington aus dem politischen Leben zurück. Giordano Bruno (1548-1600)
Giordano BrunoItalienischer Gelehrter und Philosoph. Vor der Inquisition aus Italien geflohen, lehrte Bruno an verschiedenen Universitäten in Frankreich, England und Deutschland. Er vertrat das heliozentrische Weltbild des Kopernikus und stand damit in scharfem Gegensatz zur Lehrmeinung der katholischen Kirche. Seine Gedanken zur Weltseele und der Unendlichkeit des Universums hatten weitreichende Wirkung, u. a. auf Herder und Goethe. Nach siebenjähriger Gefangenschaft wurde er 1600 in Rom als Ketzer verbrannt. Gregor XIII. (1502-1585)
Gregor XIII.Papst seit 1527. Gregor XIII., früher Ugo Boncompagni, setzte sich für die Erneuerung der katholischen Kirche und die Gegenreformation ein: Angestrebt war eine Verbreitung des katholischen Glaubens durch möglichst intensive religiöse Unterweisung. Dies geschah durch Gründung von Schulen und Missionen; Gregor forderte besonders die Jesuiten bei der Mission in Indien und Japan. 1582 führte der Papst den heute noch gültigen Gregorianischen Kalender mit Schaltjahr ein. Hammurabi (1728-1686 v. Chr.)
HammurabiBabylonischer König. Hammurabi errichtete ein ganz Mesopotamien umfassendes babylonisches Großreich, das er durch effiziente Verwaltung und mithilfe einer ausgebildeten Beamtenschaft wirtschaftlich und kulturell zu großer Blüte führte. Vor allem verbindet sich mit seinem Namen jedoch der »Codex Hammurapi«, eine umfangreiche Gesetzessammlung, die auf einer 2,25 m hohen Dioritstele eingemeißelt ist (heute Louvre, Paris). Harald II. (um 1020-1066)
Harald II.Angelsächsischer König. Als letzter Angelsachse bestieg Harald am 6. 1. 1066 den Thron. Im September desselben Jahres besiegte er den norwegischen König Harald III. Hardråde, als dieser versuchte, England zu erobern, unterlag jedoch im Oktober in der Schlacht bei Hastings der normannischen Invasion unter Wilhelm dem Eroberer. Heinrich VIII. (1491-1547)
Heinrich VIII.Englischer König seit 1509. Da seine erste Ehe mit Katharina von Aragonien ohne männlichen Nachkommen blieb, ersuchte Heinrich Papst Klemens VII. um Annullierung. Als die Erlaubnis verweigert wurde, trennte der König England von der römischen Kirche, begründete die anglikanische Staatskirche und heiratete Anna Boleyn, die Mutter der späteren Königin Elisabeth I. Heinrichs Anspruch auf die Oberherrschaft über die Kirche von England löste eine heftige innenpolitische Krise aus, die mit der Hinrichtung des Kanzlers Thomas More endete. Auch sein Nachfolger Thomas Cromwell, der maßgeblich zum Aufbau des modernen, zentralistisch verwalteten englischen Staats beigetragen hatte, endete auf dem Schafott. Danach regierte Heinrich allein und erließ u. a. Gesetze zur Verfolgung romtreuer Katholiken wie auch von Anhängern der Reformation. Heinrich war insgesamt sechsmal verheiratet, zwei seiner Frauen, Anna Boleyn und Katharina Howard, wurden geköpft, seine dritte Frau, Jane Seymour, verstarb bei der Geburt des Thronfolgers Eduard. Hérnan Cortés (1485-1547)
Cortés, HérnanSpanischer Konquistador. Unternahm 1519 mit etwa 600 Mann eine Expedition nach Mexiko. Im November erreichte er die Hauptstadt des Aztekenreichs, Tenochtitlán, und nahm den Herrscher Moctezuma II. gefangen, musste sich im Sommer 1520 jedoch vor einem Aufstand der Azteken zurückziehen, bei dem Moctezuma getötet wurde. Ein Jahr später eroberte und zerstörte Cortés Tenochtitlan und damit das gesamte Aztekenreich endgültig. Zum Generalkapitän und Statthalter von Neuspanien ernannt, unternahm er weitere Erkundungszüge und leitete die Kolonie; 1540 kehrte er nach Europa zurück. Homer (8. Jh. v. Chr.)
HomerGriechischer Dichter. Homers Werke »Ilias« und »Odyssee« markieren den Beginn der europäischen Dichtung. Zwar sind beide Epen weit älter, wurden aber von Homer erstmals dichterisch gestaltet. Die ältere »Ilias« beschreibt eine Episode (den »Zorn des Achilleus«) aus dem zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg, der durch den Raub der sagenhaft schönen Helena durch den Trojaner Paris ausgelöst wurde. Die »Odyssee« schildert die Abenteuer des griechischen Helden Odysseus, der, von Troja kommend, erst nach zehnjähriger Irrfahrt seine Heimatinsel Ithaka wiedersieht. Ignatius von Loyola (1491-1556)
Ignatius von LoyolaSpanischer Ordensgründer. 1534 schloss sich in Paris eine religiöse Gemeinschaft unter der Führung Ignatius’ von Loyola zusammen, gelobte, ein armes und keusches Leben zu fuhren, und beschloss, auf Missionsreise nach Palästina zu gehen. Da diese Reise nicht zustande kam, stellte sich die Gruppe Papst Paul III. in Rom zur Verfügung und nahm den Namen »Gesellschaft Jesu« an. Auch »Jesuiten« genannt, widmete sich der Orden fortan der »Verteidigung und Verbreitung des Glaubens« und wurde durch seine innere und äußere Missionstätigkeit zu einem wichtigen Faktor der Erneuerung der katholischen Kirche. Immanuel Kant (1724-1804)
Kant, ImmanuelDeutscher Philosoph. Kant blieb zeit seines Lebens in oder in der Nähe von Königsberg (dem heutigen russischen Kaliningrad), wo er studierte und lehrte. Rufe an fremde Universitäten lehnte er ab; 1755 wurde er Privatdozent, 1770 Professor an der Universität Königsberg. Im Zentrum von Kants Philosophie steht die Erkenntnistheorie. In seiner »Kritik der reinen Vernunft« (1781/1787) leitet er Erkenntnis nicht von Platons »Ding an sich« ab, sondern von der Erkenntnisfähigkeit des Menschen, also seiner sinnlichen Erfahrung. Kant steht aber insofern im Gegensatz zum Empirismus, als er apriorische, d. h. allgemeingültige Voraussetzungen der Erfahrung postuliert, nämlich Raum, Zeit und die »reinen Verstandesbegriffe« (Kategorien). In seiner moralphilosophischen »Kritik der praktischen Vernunft« stellt er den »kategorischen Imperativ« als oberstes Sittengesetz auf: »Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.« Isaac Newton (1643-1727)
Newton, IsaacEnglischer Naturwissenschaftler. Newton, der mit bahnbrechenden Entdeckungen zur Natur des Lichts und der Gravitation, zur Mechanik und zu mathematischen Problemen berühmt wurde, gilt als Begründer der klassischen theoretischen Physik, wenn nicht der exakten Naturwissenschaften überhaupt. Er wurde 1669 Professor für Mathematik in Cambridge, gelangte 1689 ins Parlament, wurde 1699 Direktor der Staatlichen Münze und 1703 Präsident der Royal Society. Die von ihm aufgestellten physikalischen Grundlagen der Mechanik hatten bis zu Einsteins Formulierung der Relativitätstheorie Anfang des 20. Jahrhunderts Bestand. Iwan IV., der Schreckliche (1530-1584)
Iwan IV., der SchrecklicheRussischer Zar seit 1547. Als Kind auf den Thron gekommen, wurde Iwan durch den jahrelangen blutigen Machtkampf rivalisierender Bojaren (russischer Adliger) geprägt. Misstrauisch und brutal, neigte er selbst zu gewalttätigem Handeln; 1581 erschlug er in einem Wutanfall seinen ältesten Sohn. Er verfolgte eine imperiale Politik nach der Auffassung, Moskau sei das »dritte Rom«; 1547 ließ er sich zum Zaren krönen. Seine Innenpolitik war auf Schwächung des Hochadels und Stärkung der Zentralgewalt ausgerichtet; seit 1560 leitete er die Regierung persönlich. Unter seiner Herrschaft begann die gewaltige Expansion Russlands nach Osten, die in den folgenden 100 Jahren ganz Sibirien in russischen Besitz brachte. James Cook (1728-1779)
Cook JamesBritischer Seefahrer. Er war ein Pionier bei der Erforschung des pazifischen Raums und der der Antarktis vorgelagerten Meere. Auf drei Weltumsegelungen entdeckte er u. a. die Meeresstraße zwischen den neuseeländischen Inseln (Cookstraße), die Ostküste Australiens, mehrere Südseeinseln und Hawaii. Während seiner dritten Reise, die das Ziel hatte, eine nördliche Durchfahrt zwischen Pazifik und Atlantik zu finden, wurde er von Eingeborenen auf Hawaii erschlagen. Jeanne d’Arc (1410/1412-1431)
Jeanne d'ArcFranzösische Nationalheldin. Die Bauerntochter fühlte sich durch »Stimmen« berufen, Frankreich von den Engländern zu befreien und die Krönung des späteren Königs Karl VII. zu ermöglichen. Mit Erlaubnis Karls führte sie in Männerkleidung die Schlacht um Orleans an, die zur Aufhebung der englischen Belagerung und zur Wende im Krieg führte. Mit dem darauf folgenden Sieg von Patay 1429 war der Weg zur Krönung Karls VII. in Reims frei. 1430 geriet Jeanne in die Gefangenschaft der mit den Engländern verbündeten Burgunder. Nachdem der französische Hof ihr jegliche Unterstützung versagte, wurde sie von einem geistlichen Gericht in Rouen als Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Schon zu Lebzeiten als Heldin verehrt, wurde sie 1920 heilig gesprochen. Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Bach, Johann SebastianDeutscher Komponist. Aus einer Familie von Musikern stammend, war Bach im Laufe seines Lebens Konzertmeister am Weimarer Hof, Kapellmeister in Köthen und, von 1723 bis zu seinem Tod, Thomaskantor in Weimar. Mit Bach fand das musikalische Barock Höhepunkt und Abschluss zugleich. Sein Amt verpflichtete ihn zum regelmäßigen Komponieren von geistlicher Musik – dazu gehören neben den großen Oratorien und Messen auch Orgelwerke und Motetten -, sein umfangreiches Œuvre umfasst aber auch eine große Anzahl von Orchesterwerken und Kammermusik. Obwohl sich vier seiner Söhne selbst als Komponisten einen Namen machten, wurde Bachs Musik nach seinem Tod fast völlig vergessen und erlangte erst durch Felix Mendelssohn Bartholdys Wiederentdeckung im 19. Jh. ihre überragende Bedeutung. Johannes XXIII. (1881-1963)
Johannes XXIII.Papst seit 1958. Früher Angelo Giuseppe Roncalli. Das von Johannes XXIII. einberufene (und nach seinem Tod von Papst Paul VI. weitergeführte) 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) gilt als eine der großen Modernisierungsleistungen der katholischen Kirche in neuerer Zeit. Johannes wollte einen Geist der Erneuerung (»Aggiornamento«) in der Kirche freisetzen, was auch die Öffnung gegenüber anderen Religionen und den anderen christlichen Bekenntnissen bedeutete. Ein neues Verständnis des Papstamts veranlasste ihn zudem zu einer Stärkung der Ortskirchen und der Rolle der Bischöfe gegenüber der Zentralgewalt des Vatikans. Johannes Gutenberg (1397/1400-1468)
Gutenberg, JohannesErfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern. Der Sohn eines Mainzer Patriziers arbeitete zunächst in Straßburg im Goldschmiedehandwerk, bevor er sich 1450 in Mainz mit Johann Fust als Geldgeber zusammentat, um seine revolutionäre Erfindung zu verwirklichen. Diese ermöglichte die massenhafte Verbreitung des Buchs, denn bis dahin waren Bücher meist von Mönchen erstellte handschriftliche Unikate gewesen. Zu den bekanntesten Werken des Frühdruckers zählt die 1456 vollendete Gutenberg-Bibel. Johannes Kepler (1571-1630)
Kepler, JohannesDeutscher Astronom und Mathematiker. Schon während seines Studiums hatte sich Kepler mit dem heliozentrischen Weltbild des Kopernikus vertraut gemacht. Ab 1600 in Prag, wurde Kepler erst Assistent und später Nachfolger Tycho Brahes, dessen astronomische Beobachtungen des Mars zur Grundlage der 1609 veröffentlichten ersten beiden Keplerschen Gesetze wurden (Ellipsenform der Planetenbahnen). Die Tatsache, dass Kepler das methodische Prinzip der Beobachtung und Erfahrung über die kirchlichen Autoritäten und die Bibel stellte, bedeutete einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung der Naturwissenschaften. Keplers Arbeiten wurden u. a. von Galileo Galilei aufgenommen und weitergeführt. John F. Kennedy (1917-1963)
Kennedy, John F.Amerikanischer Präsident. Kennedy trat seine Präsidentschaft 1960 als Hoffnungsträger einer jungen Generation an. Er bemühte sich um eine groß angelegte Reform der Sozialversicherung und des Bildungswesens sowie um eine Lösung der Rassenfrage, wurde in allen Belangen aber von der republikanischen Kongressmehrheit behindert. Außenpolitisch hatte er den Versuch der Sowjetunion zu meistern, Kuba mit atomaren Waffen zu beliefern (Kubakrise 1962). 1963 wurde er in Dallas von Lee Harvey Oswald erschossen. Seither sind Vermutungen nie verstummt, dass es sich dabei nicht um einen Einzeltäter handelte, wie offiziell behauptet, sondern dass Kennedy Opfer einer Verschwörung wurde. Josef Wissarionowitsch Stalin (1879-1953)
Stalin, Josef WissarionowitschSowjetischer Staats- und Parteichef, eigentlich J. W. Dschugaschwili. Schon als junger Mann im marxistischen Untergrund tätig, war Stalin 1917 zusammen mit Lenin und Trotzkij maßgeblich an der Durchführung der Oktoberrevolution beteiligt. Sein 1922 angetretenes Amt als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU nutzte er, um seine persönliche Macht in der Partei auszubauen. Nach Lenins Tod 1924 gelang es ihm, alle Konkurrenten auszuschalten und die faktische Alleinherrschaft zu übernehmen. In »Säuberungen« und Schauprozessen vernichtete er rücksichtslos alle potenziellen Gegner. Nach dem Sieg im Zweiten Weltkrieg setzte er in den osteuropäischen Staaten kommunistische Regierungen ein und schuf so den von der Sowjetunion dominierten Ostblock. Der maßlose Personenkult um Stalin endete erst mit der Kritik, die Chruschtschow 1956 und 1961 auf den Parteitagen der KPdSU an seinem Vorgänger übte. Joseph McCarthy (1909-1957)
McCarthy, JosephAmerikanischer Politiker. McCarthy saß 1950-1954 dem Senatsausschuss zur Untersuchung »unamerikanischer Umtriebe« vor und löste in der angespannten Atmosphäre des Kalten Kriegs damit eine antikommunistische Hetzjagd auf Liberale und Freidenker im öffentlichen Leben der USA aus (»McCarthyismus«). Erst nach seiner Ablösung kam es zu einer gewissen Entspannung. Justinian (482-565)
JustinianRömischer Kaiser seit 527. Justinian konnte nach siegreichen Schlachten über die Wandalen, die West- und die Ostgoten die westliche Hälfte des Römischen Reichs noch einmal zurückgewinnen und somit seine Einheit vorübergehend wiederherstellen. Sein Hauptverdienst ist die Sammlung und Niederschrift des römischen Rechts (Corpus Iuris Civilis), auf deren Grundlage sich die Rechtsauffassung in Europa entwickelte. Nach Justinians Tod ging das Westreich endgültig verloren, während das Oströmische (Byzantinische) Reich noch bis zur Einnahme Konstantinopels durch die Türken 1453 bestand. Karl I. (1600-1649)
Karl I.Englischer König seit 1625. Sein Bestreben, absolutistisch zu regieren, brachte Karl I. in scharfen Gegensatz zum Parlament. Unruhen in Schottland und Irland zwangen ihn 1640 zur Einberufung des Langen Parlaments, das einschneidende Beschränkungen der Macht der Krone durchsetzte. Die Spannungen führten zum Ausbruch der Puritanischen Revolution und zum Bürgerkrieg, den das Parlamentsheer unter Oliver Cromwell für sich entscheiden konnte. 1649 wurde Karl auf Anordnung Cromwells hingerichtet. Karl I., der Große (747-814)
Karl I., der GroßeFränkischer König seit 768 und römischer Kaiser seit 800. Der Sohn Pippins III. musste die Macht im Frankenreich zunächst mit seinem Bruder Karlmann teilen, stellte die Reichseinheit aber nach dessen Tod 771 mit Unterstützung des Papstes wieder her. Unter Karl dem Großen erreichte das Frankenreich seine weiteste Ausdehnung, unter anderem kamen der größte Teil des langobardischen Italiens und Bayern hinzu. Die Grenzen wurden durch die Einrichtung der sogenannten Marken gesichert. Im Jahr 800 krönte Papst Leo III. Karl zum römischen Kaiser und stellte so das fränkische Großreich in die Nachfolge des römischen Imperiums. Nicht lange nach Karls Tod zerfiel das Frankenreich in mehreren Schritten in das Westfränkische und das Ostfränkische Reich, aus denen sich Frankreich und Deutschland entwickelten. Karl Martell (688-741)
Karl MartellFränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger. Der Sohn Pippins II. festigte die Machtstellung der Karolinger, indem er die rechtsrheinischen Stämme des Frankenreichs unter seine Herrschaft zwang. 732 schlug er die anstürmenden Araber bei Tours und Poitiers zurück und verhinderte so dauerhaft ein Vordringen des Islam ins europäische Kernland. Karl Marx (1818-1883)
Marx, KarlDeutscher Philosoph und Begründer des Marxismus. Nach dem Verbot der »Rheinischen Zeitung«, deren Chefredakteur er gewesen war, verließ Marx 1843 Deutschland und ging nach Paris, wo er neben den französischen Sozialisten (Fourier, Proudhon) auch Friedrich Engels kennenlernte. Mit ihm veröffentlichte er 1848 das »Kommunistische Manifest«. Im selben Jahr kehrte Marx nach Deutschland zurück, musste nach dem Zusammenbruch der deutschen Märzrevolution aber im Mai 1849 endgültig nach London ins Exil gehen. Hier entstanden seine Hauptwerke, darunter »Das Kapital« (1. Band 1867, 2. und 3. Band posthum 1885 und 1894). Neben seiner umfangreichen theoretischen Arbeit war Marx beim Aufbau einer internationalen Arbeiterbewegung aktiv, getreu seiner These: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.« Karl V. (1500-1558)
Karl V.Kaiser des Heiligen Römischen Reichs 1530-1556. Der in den Niederlanden aufgewachsene Habsburger, Enkel Kaiser Maximilians I., wurde 1516 spanischer König und errang 1530 die Kaiserkrone, in Konkurrenz zu Franz I. von Frankreich, mit dem er mehrere Kriege führte. Als Kaiser, »in dessen Land die Sonne nicht untergeht«, beherrschte er ein riesiges Reich, das die österreichischen Erblande (deren Regierung er seinem Bruder Ferdinand I. überlassen hatte), Deutschland, die Niederlande, Burgund sowie Spanien mit allen überseeischen Besitzungen umfasste. Karls Regierungszeit war von Religionskonflikten geprägt. Nach der Anhörung Martin Luthers auf dem Wormser Reichstag 1521 entschied er sich gegen die Reformation, konnte deren Unterdrückung trotz einiger Kriege aber nicht dauerhaft durchsetzen. Gleichzeitig stießen die Türken weit nach Osteuropa vor (1529 vor Wien) und bildeten eine ständige Bedrohung an der Ostflanke des Reichs. 1556 dankte Karl V. ab und zog sich in ein Kloster zurück; seine Nachfolge als Kaiser trat Ferdinand I. an, während sein Sohn Philipp II. spanischer König wurde. Katharina II., die Große (1729-1796)
Katharina II.Russische Zarin seit 1762. Aus deutschem Adel stammend, wurde sie 1745 mit dem russischen Thronfolger Peter III. verheiratet, den sie kurz nach seiner Krönung stürzen ließ. Sie war eine im Geist der Aufklärung hochgebildete Herrscherin, die in enger Verbindung mit den französischen Enzyklopädisten um Denis Diderot stand. Mit zwei siegreichen Kriegen gegen das Osmanische Reich schuf sie einen Zugang zum Schwarzen Meer und festigte durch die polnischen Teilungen (1795) Russlands Stellung als europäische Großmacht. Der russische Hof in St. Petersburg wurde unter ihrer Herrschaft zu einem der kulturellen Zentren Europas. Klemens Wenzel Fürst von Metternich (1773-1859)
Klemens WenzelÖsterreichischer Staatsmann. Metternich wurde 1809 Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Österreichs. Er vermied fortan aus taktischen Gründen die direkte Konfrontation mit dem napoleonischen Frankreich und schwenkte erst 1813, nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug, in die antifranzösische Koalition über. Der Wiener Kongress, der die Neuordnung Europas nach Napoleons Fall 1815 regelte, wurde weit gehend von dem geschickten Diplomaten Metternich dominiert. Das Metternichsche System bedeutete die Restaurierung vorrevolutionärer Zustände und die Wiedereinsetzung der Fürstenhäuser in den Staaten Europas. Erst in der Revolution von 1848 wurde Metternich gestürzt. Konstantin I., der Große (280-337)
Konstantin I.Römischer Kaiser seit 306. Der erst 324 gegen seinen Mitregenten Maxentius zur Alleinherrschaft gelangte Konstantin ließ an der Stelle der alten griechischen Kolonie Byzantion die Stadt Konstantinopolis (das heutige Istanbul) als neue Hauptstadt errichten, verlagerte das Machtzentrum damit nach Osten und legte so den Grundstein für die spätere Trennung des römischen Imperiums in ein West- und ein Oströmisches Reich. Konstantin bekannte sich als erster römischer Kaiser zum Christentum und griff mit der Einberufung des Konzils von Nicäa auch aktiv in die Kirchengeschichte ein. Leo III. (???-816)
Leo III.Papst seit 795. Stellte sich nach seiner Wahl zum Papst unter den Schutz des Frankenkönigs Karl des Großen und erkannte so dessen Oberherrschaft über den Kirchenstaat an. 799 aus Rom vertrieben, kehrte er im Jahr darauf zusammen mit Karl zurück und krönte diesen am 25. 12. 800 zum römischen Kaiser. Leonardo da Vinci (1452-1519)
Leonardo da VinciItalienischer Künstler, Naturforscher, Architekt und Ingenieur. Leonardo war eines der großen Universalgenies der Menschheitsgeschichte. Er wirkte vor allem in Mailand und Florenz, hielt sich 1513-1516 in Rom auf und beschloss sein Leben als Schützling des französischen Königs Franz I. Neben seinen Arbeiten als Maler und Bildhauer plante er Stadtanlagen, Festungsbauten und Paläste. Er studierte die menschliche Anatomie und entwarf die verschiedensten Maschinen, darunter Flugapparate, Tauchglocken und Kräne. Leonardo war in vieler Hinsicht seiner Zeit weit voraus; für ganze Generationen von Künstlern und Wissenschaftlern nach ihm war sein Werk eine Quelle der Inspiration. Locke John (1632-1704)
Locke JohnEnglischer Philosoph. Nach dem Studium der Philosophie und Medizin übte Locke zahlreiche politische Ämter aus. In Intrigen verwickelt, musste er zweimal das Land verlassen, konnte jedoch nach dem Regierungsantritt Wilhelm von Oraniens nach England zurückkehren. Locke ist einer der Hauptvertreter der Aufklärung in England; seine Schriften hatten weitreichenden Einfluss auf die Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts. Vor allem seine Staatstheorie findet sich in Grundzügen sowohl in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (1776) als auch im französischen Verfassungsentwurf von 1791. Ludwig Wilhelm I. (1655-1707)
Ludwig Wilhelm I.Markgraf von Baden seit 1677. Als kaiserlicher Feldmarschall errang Ludwig Wilhelm Ruhm (und seinen Beinamen »Türkenlouis«) vor allem in den Türkenkriegen an der Seite des Prinzen Eugen von Savoyen. Unter seiner Regierung wurden Stadt und Schloss Rastatt erbaut. Ludwig XIII. (1601-1643)
Ludwig XIII.König von Frankreich seit 1610. Die Regierungszeit Ludwigs XIII. gilt als die Gründungszeit des Absolutismus in Frankreich, vor allem gefordert durch Kardinal Richelieu, der von 1624 bis zu seinem Tod 1642 als Erster Minister die Geschicke des Staates lenkte. Unter Ludwig XIII. wurde ein Teil der Sonderrechte der Hugenotten, die ihnen sein Vater Heinrich IV. im Edikt von Nantes (1598) zugestanden hatte, aufgehoben, der französische Adel machtpolitisch ausgeschaltet. Ludwig XIV. (1638-1715)
Ludwig XIV.König von Frankreich seit 1643. Die Herrschaft des »Sonnenkönigs« war die Hochzeit absolutistischer Machtentfaltung, mit straffer Herrschaft im Inneren und aggressiver Expansionspolitik nach außen, die Frankreich zur Hegemonialmacht in Europa werden ließ. Das Leitwort Ludwig XIV. war »L’etat, c’est moi« (Der Staat bin ich). Kriege und prunkvolle Hofhaltung leiteten aber zugleich eine Wirtschaftskrise ein, die Frankreich finanziell stark belastete. 1685 ließ er das Edikt von Nantes, das den Hugenotten Religionsfreiheit zugesichert hatte, endgültig widerrufen; daraufhin wanderten viele Hugenotten aus, was die Wirtschaftskraft des Landes zusätzlich schwächte. Gegen Ende der Herrschaft Ludwigs XIV. stand Frankreich vor dem wirtschaftlichen Ruin. Ludwig XV. (1710-1774)
Ludwig XV.König von Frankreich seit 1715. Die Herrschaft Ludwigs XV. war von wachsenden Spannungen zwischen der absolutistischen Monarchie und dem erstarkenden Bürgertum gekennzeichnet, das in Aufklärern wie Montesquieu, Voltaire und Rousseau einflussreiche Wortführer hatte. Günstlingswirtschaft und die Einflussnahme von Mätressen wie der Madame Pompadour untergruben den zunächst guten Ruf des Königs im Volk. Auch außenpolitisch musste Frankreich Niederlagen einstecken, vor allem der Siebenjährige Krieg gegen Preußen brachte erhebliche Territorialverluste mit sich. Kulturell allerdings kam es unter Ludwig XV. zu einer Blütezeit, das Pariser Geistesleben war führend in Europa. Ludwig XVI. (1754-1793)
Ludwig XVI.König von Frankreich 1774-1792. Unter Ludwig XVI. führten die ungelösten Probleme Frankreichs zur Revolution. Halbherzige Reformen seiner Minister Turgot, Necker und de Calonne konnten die Finanzkrise des Staates nicht beheben, sodass sich der König 1788 gezwungen sah, die Generalstände – Klerus, Adel und als so genannten dritten Stand das Bürgertum – einzuberufen. Die Abgeordneten des dritten Standes erklärten sich zur Nationalversammlung und beschlossen 1789 eine Verfassung, die die feudalen Standesrechte abschaffte und Frankreich zur konstitutionellen Monarchie erklärte. Ludwig, der der wachsenden Radikalisierung nicht folgen wollte, unternahm 1791 einen Fluchtversuch, der die letzte Verständigungsmöglichkeit zwischen König und Nationalversammlung zerstörte. Mit der Ausrufung der Republik 1792 waren die Tage Ludwigs XVI. gezählt: Im August desselben Jahres wurde er gefangen genommen und im Januar 1793 hingerichtet. Marco Polo (1254-1324)
Polo, MarcoItalienischer Asienreisender. Marco Polo war nicht der erste venezianische Handelsreisende, der bis nach China gelangte, doch war er der erste, der ausführlich darüber berichtete. Nach vierjähriger Reise über Persien und Nordindien erreichte er 1275 den Hof des Mongolenherrschers Kublai Khan in Nordchina. Bis 1292 unternahm er im Auftrag des Khans mehrere Reisen, bis er 1295 nach Venedig zurückkehrte. Polos Berichte hatten großen Einfluss auf die geografischen Vorstellungen des ausgehenden Mittelalters. Marie Curie (1867-1934)
Curie, MarieFranzösische Chemikerin und Physikerin polnischer Herkunft. Als Doktorandin bei Antoine Becquerel leistete sie Grundlagenforschung zu der von diesem entdeckten Radioaktivität. Gemeinsam mit Becquerel und ihrem Mann Pierre Curie erhielt sie 1903 den Nobelpreis für Physik, 1911 wurde sie mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Marie Curie war die erste Frau, die Professorin für Physik an der Pariser Sorbonne wurde. Martin Luther (1483-1546)
Luther, MartinDeutscher Reformator. Prägend für den Wittenberger Mönch und Doktor der Theologie soll das »Turmerlebnis« gewesen sein, in dem er zu der Erkenntnis gelangte, dass der Mensch weder aus eigener Kraft noch durch die Mittel der Kirche Erlösung erlangen könne, sondern nur durch die Gnade Gottes. Als er 1517 seine 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche anschlug, die sich gegen den Ablasshandel in der katholischen Kirche wandten, wurde er als Ketzer angezeigt, verweigerte jedoch einen Widerruf, geschützt durch seinen Landesherren Friedrich von Sachsen. Hier nahm die Reformation ihren Anfang. Zusätzlich zum Aufbau einer evangelischen Kirche, bei der er vor allem von dem Humanisten Philipp Melanchthon unterstützt wurde, war Luther zeit seines Lebens mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche beschäftigt, die, neben ihrer kirchengeschichtlichen Bedeutung, auch eine der großen schöpferischen Leistungen der deutschen Sprache darstellt. Mark Aurel (121-180)
Mark AurelRömischer Kaiser seit 161. In seine Regierungszeit fällt mit den Partherkriegen (162-166), der Pest in Rom und den wiederholten Einfällen der Germanen und Markomannen der Beginn des Niedergangs des Römischen Reichs. Mark Aurel selbst war ein hochgebildeter Philosoph, von dessen Schriften die »Selbstbetrachtungen« erhalten sind. Maria I., die Katholische (1516-1558)
Maria I.Englische Königin seit 1553. Die Tochter Heinrichs VIII. und Katharinas von Aragonien versuchte England zu rekatholisieren und ließ zahlreiche führende Protestanten hinrichten. Seit 1554 mit Philipp II. von Spanien verheiratet, griff sie in den französisch-spanischen Konflikt ein, was mit dem Verlust von Calais als letztem Besitz Englands auf französischem Boden endete (1558). Maria Theresia (1717-1780)
Maria TheresiaKönigin von Böhmen und Ungarn seit 1740, österreichische Kaiserin seit 1746. Maria Theresia musste ihre Thronfolge in mehreren Kriegen gegen eine Koalition der europäischen Mächte durchsetzen. Österreich verlor zwar Schlesien an Preußen, konnte aber die Sicherung der Kaiserkrone innerhalb des Hauses Habsburg durchsetzen. Um die Zentralgewalt zu stärken, führte Maria Theresia umfassende Verwaltungs- und Heeresreformen durch. Nach dem Tod ihres Mannes Franz I. setzte sie 1765 ihren Sohn Joseph II. als Mitregenten ein, der die begonnene antiständische und antiföderalistische Politik im Geist der katholischen Aufklärung fortsetzte. Als fromm und mütterlich bekannt (sie gebar 16 Kinder), genoss die Kaiserin im Volk große Beliebtheit. Maximilien Robespierre (1758-1794)
Robespierre, MaximilienFranzösischer Revolutionär. Bei Ausbruch der Französischen Revolution 1789 Abgeordneter des dritten Standes, gewann Robespierre bald durch seine einfache Lebensführung und die vom Geist Rousseaus durchdrungenen Reden den Ruf eines »Unbestechlichen«. Im fanatischen Glauben an die »Tugend, die durch den Terror herrschen« müsse, schaltete er als Führer der jakobinischen Bergpartei im Nationalkonvent zunächst die Girondisten, dann auch Konkurrenten in der eigenen Partei (Georges Danton, Camille Desmoulins) aus, indem er sie 1794 auf die Guillotine brachte. Die folgende Zeit des »Terreur« endete mit seiner eigenen Verhaftung und Hinrichtung; nach ihm gewannen die gemäßigten Republikaner wieder maßgeblichen Einfluss. Michail Gorbatschow (geb. 1931)
Gorbatschow, MichailSowjetischer Politiker, Staatspräsident der UdSSR 1988-1991. Leitete 1985 ein umfangreiches innenpolitisches Reformprogramm ein, dessen zentrale Begriffe Umbau von Wirtschaft und Verwaltung (»Perestroika«) und Transparenz nach innen und außen (»Glasnost«) lauteten. Mit seiner auf Entspannung und Öffnung zum Westen abzielenden Außenpolitik leitete er, wenn auch ungewollt, die Auflösung des Ostblocks ein, die 1989 im Fall der Berliner Mauer, der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und letztlich im Zerfall der Sowjetunion selbst gipfelte. Zur Redensart geworden ist Gorbatschows Ausspruch »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben«, mit dem er im Herbst 1989 den damaligen Staatspräsidenten der DDR, Erich Honecker, zum Ewiggestrigen stempelte. Miguel de Cervantes (1547-1616)
Cervantes, Miguel deSpanischer Schriftsteller. Der Verfasser des »Don Quijote« führte ein bewegtes Leben. Er nahm als Soldat an der Schlacht von Lepanto gegen die Türken teil, bei der ihm die linke Hand verstümmelt wurde, wurde von algerischen Piraten entfuhrt und fünf Jahre lang gefangen gehalten und versuchte sich nach seiner Rückkehr nach Spanien in verschiedenen Berufen, u. a. als Steuereintreiber. Schon zu Lebzeiten erwarb er sich einen gewissen literarischen Ruhm, heute gilt er als der bedeutendste Schriftsteller Spaniens. Sein Hauptwerk »Don Quijote«, vordergründig eine Parodie auf die zu jener Zeit sehr beliebten Ritterromane, stellt eine umfassend ironische Sicht auf das zeitgenössische Spanien und menschliches Bemühen überhaupt dar. Mohammed (Mehmet) Ali (1769-1849)
Mohammed (Mehmet) AliHerrscher von Ägypten. Der auf dem Balkan geborene Mohammed Ali errang die Macht in Ägypten gegen die noch von den napoleonischen Feldzügen geschwächten Mameluckenherrscher. 1805 wurde er von der Hohen Pforte (der Regierung des Osmanischen Reiches) auch formal als Pascha über Ägypten anerkannt. Das 1840 eroberte Syrien musste er zwar auf internationalen Druck wieder räumen, doch sicherte er sich die erbliche Statthalterschaft über das Nilreich. Seine Nachkommen herrschten als Vizekönige (Khediven) und Könige bis 1953 über Ägypten. Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948)
Gandhi, Mohandas KaramchandIndischer Staatsmann. Gandhi, seit 1915 Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Herrschaft, entwickelte das Konzept des gewaltlosen politischen Widerstands und erhielt den Ehrentitel Mahatma (»dessen Seele groß ist«). Ursprünglich Rechtsanwalt in Südafrika und London, kehrte Gandhi 1914 nach Indien zurück. Mit seiner Strategie des Boykotts britischer Produkte und der Nichtzusammenarbeit mit den Institutionen der britisch-indischen Regierung, der Rückbesinnung auf indische handwerkliche Traditionen (Handspinnerei) und des zivilen Ungehorsams durch gewaltlose Überschreitung ungerechter Gesetze erreichte Gandhi 1947 schließlich die Unabhängigkeit seines Landes; allerdings wurde Pakistan als Moslem-Staat von Indien abgetrennt, um weitere blutige Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen zu verhindern. 1948 wurde Gandhi von einem fanatischen Hindu ermordet. Napoleon Bonaparte (1769-1821)
Napoleon BonaparteFranzösischer Kaiser 1804-1814/15. Als erfolgreicher General der französischen Revolutionsarmee konnte Napoleon schon in jungen Jahren Ruhm und Einfluss sammeln. 1799 stürzte er das bis dahin regierende Direktorium, 1804 krönte er sich in Paris zum »Kaiser der Franzosen«. Napoleon organisierte ein vorzüglich funktionierendes zentralistisches Verwaltungssystem, das ganz auf seine alleinige Machtausübung zugeschnitten war. Seine Zivilgesetzgebung (Code civil, 1804), die den Gleichheitsgedanken der Französischen Revolution aufnahm, hat das moderne Rechtsdenken in Europa maßgeblich beeinflusst und ist in wesentlichen Teilen in Frankreich immer noch gültig. In mehreren Kriegen siegreich, beherrschte Napoleon um 1808 einen Großteil des kontinentalen Europas. Erst der in einer Katastrophe endende Russische Feldzug 1812 brachte die Wende; 1814 wurde Paris durch die Alliierten besetzt und Napoleon auf die Insel Elba verbannt. Sein erneuter Griff nach der Macht in der Herrschaft der Hundert Tage endete 1815 auf dem Schlachtfeld von Waterloo. Nero (37-68)
NeroRömischer Kaiser seit 54. Der Letzte des Julisch-Claudischen Geschlechts, dem auch Caesar und Augustus entstammten, errichtete nach maßvollem Beginn eine Schreckensherrschaft in Rom, die von seinen persönlichen Ausschweifungen geprägt war (»Cäsarenwahn«). Den verheerenden Brand von Rom im Jahr 64 benutzte er als Vorwand für die ersten großen Christenverfolgungen, angeblich um den Verdacht von sich selbst abzulenken. 68 wurde Nero entmachtet und nahm sich darauf das Leben. Nelson Mandela (geb. 1918)
Mandela, NelsonSüdafrikanischer Staatsmann. Der Mitbegründer des African National Congress (ANC) kämpfte früh gegen das von der weißen Minderheit aufrecht erhaltene Apartheidsystem. 1960 wurde der ANC verboten, darauf nahm Mandela an Sabotageakten teil und wurde 1964 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Nach jahrelangem internationalem Boykott und unter zunehmendem innenpolitischem Druck ließ die südafrikanische Regierung unter Präsident Willem de Klerk 1990 Mandela frei. Für ihre Bemühungen, das Apartheidsystem zu überwinden, erhielten Mandela und de Klerk 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis. 1994 wurde Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt, sein Nachfolger ist seit 1999 Thabo Mbeki. Nikolaus Kopernikus (1473-1543)
Kopernikus, NikolausPolnischer Astronom und Mathematiker. Kopernikus studierte in Krakau und Italien, wurde bischöflicher Sekretär und schließlich Domherr zu Frauenburg. Seine astronomischen Studien, die ihn berühmt machten, verfasste er als Privatmann. Kopernikus verwarf als Erster das geozentrische Weltbild des Ptolemäus und setzte die Sonne in den Mittelpunkt der Planetenbahnen. Obwohl das kopernikanische Weltbild nicht der Lehrmeinung der Kirche entsprach, wurde sein Hauptwerk »De revolutionibus orbium coelestium libri VI« erst 1616, im Zuge der Auseinandersetzung mit Galilei, auf den Index gesetzt. Oliver Cromwell (1599-1658)
Cromwell, OliverEnglischer Staatsmann. Aus niederem Landadel stammend, führte der strenge Puritaner den Kampf des Parlaments gegen den Absolutismus König Karls I. an. In mehreren Schlachten siegreich, ließ er 1649 Karl I. hinrichten (Puritanische Revolution). England wurde Republik (Commonwealth of England); faktisch regierte Cromwell jedoch die meiste Zeit wie ein Alleinherrscher, wenngleich er 1657 die ihm angebotene Krone nicht annahm. Unter seiner Regierung sicherte sich England die Vorherrschaft in Schottland und Irland und begründete in Kriegen gegen die Niederlande und Spanien seine Stellung als Weltmacht. Otto von Bismarck (1815-1898)
Bismarck, Otto vonDeutscher Staatsmann. Der aus altem märkischem Adel stammende Bismarck wurde 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Er war der Architekt des deutschen Kaiserreichs unter preußischer Führung, das nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gegründet wurde. Als Reichskanzler schuf Bismarck ein auf Ausgleich mit zu den anderen europäischen Großmächten angelegtes außenpolitisches Bündnissystem, im Inneren dagegen bekämpfte er vehement liberale und soziale Strömungen (Sozialistengesetz 1878). 1890 wurde er von Kaiser Wilhelm II. entlassen; unter dem neuen, auf Stärke nach außen aufbauenden Kurs zerfiel das Bismarcksche Bündnissystem nach und nach. Pedro Alvares Cabral (1468-1520)
Cabral, Pedro AlvaresPortugiesischer Seefahrer. Er entdeckte am 22.4.1500 die Ostküste Brasiliens und nahm sie für die portugiesische Krone in Besitz. Prinz Eugen von Savoyen-Carignan (1663-1736)
Eugen, Prinz von Savoyen-CarignanÖsterreichischer Heerführer französischer Herkunft. Von König Ludwig XIV. zur geistlichen Laufbahn bestimmt, floh der junge Eugen aus Frankreich und trat ins kaiserliche Heer ein. 1688 wurde er zum Feldmarschallleutnant, 1693 zum Feldmarschall befördert; 1697 übernahm er den Oberbefehl im Großen Türkenkrieg (1683-1699) und errang den entscheidenden Sieg bei Zenta (11.9.1697). Die Eroberung Belgrads in den Türkenkriegen von 1714-1718 brachte ihm große Popularität ein. Prinz Eugen gilt als der fähigste Feldherr seiner Zeit; er war als weitblickender politischer Berater geschätzt und korrespondierte mit Philosophen wie Voltaire, Leibniz u. a. Roald Amundsen (1872-1928)
Amundsen, RoaldNorwegischer Polarforscher. Bewältigte 1903-1906 als Erster die Nordwestpassage zu Schiff. 1918-1920 durchfuhr er die Nordostpassage (die Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik entlang dem Nordrand des eurasischen Kontinents). Berühmt wurde Amundsen, weil er den dramatischen Wettlauf zum Südpol gegen seinen Rivalen Robert F. Scott gewann. Am 15. 12. 1911 erreichte Amundsens Expedition ihr Ziel, während Scott erst vier Wochen später am Pol anlangte und auf dem Rückweg mit allen seinen Begleitern ums Leben kam. 1926 überflog Amundsen zusammen mit Umberto Nobile den Nordpol in einem Luftschiff. Während einer groß angelegten Rettungsaktion für den 1928 auf einer weiteren Nordpolexpedition gestrandeten Nobile stürzte Amundsen vermutlich mit dem Flugzeug ab und blieb verschollen. Otto I., der Große (912-973)
Otto I.Kaiser des Heiligen Römischen Reichs seit 962. Der Sohn Heinrichs I. wurde 936 zum deutschen König gekrönt, musste sich aber sogleich Angriffen verschiedener Reichsherzöge und eigener Familienangehöriger erwehren, die seine Thronfolge anfochten. Es gelang ihm, die Machtfrage für sich zu entscheiden, wobei er ein weitreichendes Bündnis mit der Reichskirche einging und so die Stellung der deutschen Bischöfe aufwertete. In zwei Italienzügen kam Otto dem Papst zu Hilfe und empfing dafür 962 die Kaiserkrone. Damit war die Kaiserwürde für lange Zeit an das deutsche Regnum gebunden, gleichzeitig sicherte es Italien die dauernde Aufmerksamkeit des Reichs. Peter I., der Große (1672-1725)
Peter I.Russischer Zar seit 1682. Mit der Einführung des Julianischen Kalenders (1700) und der Gründung der neuen Hauptstadt St. Petersburg (ab 1703) verfolgte Peter eine Politik der »Europäisierung« Russlands. Er führte umfassende Reformen im Inneren durch, die einen Bruch mit den altrussischen Lebensformen bedeuteten (Ständereform, Einrichtung neuer Regierungsbehörden, Bildungsreform). Die Vorherrschaft Russlands in der Ostsee erzwang er im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden (1700-1721) und erreichte durch dynastische Eheschließungen seiner Verwandtschaft enge Bindungen an die deutschen Fürstenhäuser. Philipp II. (1527-1598)
Philipp II.Spanischer König seit 1556. Der Sohn Kaiser Karls V. hatte ein großes Reich geerbt (zu Spanien gehörten damals auch die Niederlande, die Franche-Comté, weite Teile Italiens und die Überseekolonien). Sein rigides Eintreten für die katholische Gegenreformation führte ab 1568 zu Aufständen in den protestantischen Niederlanden. Die Einmischung Englands unter Elisabeth I. in diesen Konflikt beantwortete Philipp mit der Entsendung einer riesigen Flotte, der Armada, die jedoch vernichtend geschlagen wurde. Auch der ständige Konflikt mit dem Nachbarn Frankreich blieb ungelöst. Unter den Nachfolgern Philipps nahm die Bedeutung Spaniens im Kreis der europäischen Mächte zunehmend ab. Pippin II., der Mittlere (um 635-714)
Pippin II.Fränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger. Ursprünglich Vorsteher der königlichen Hofhaltung (Majordomus), hatten die karlingischen Hausmeier bereits Mitte des 7. Jahrhunderts die Macht der merowingischen Könige zurückgedrängt und faktisch die Führung der einzelnen Teile des Reichs übernommen. Pippin II. gelang es 687, seinen Konkurrenten Berchar zu besiegen und das gesamte Reich unter seine Herrschaft zu bringen. Nach seinem Tod errang sein Sohn Karl Martell die Macht. Pippin III., der Jüngere (um 715-768)
Pippin III.Fränkischer Hausmeier und König aus dem Geschlecht der Karolinger. Der Enkel Pippins II. und Sohn Karl Martells setzte 751 den letzten Merowingerkönig Childerich III. ab und ließ sich selbst mit kirchlicher Unterstützung zum König salben. Im Gegenzug sicherte er den Päpsten mit seiner Hilfe gegen die Langobarden und mit der Pippinischen Schenkung das Territorium des Kirchenstaats. Pippins Sohn Karl der Große bestätigte die Pippinische Schenkung und bekräftigte das Bündnis mit der Kirche. Platon (427-348/347 v. Chr.)
PlatonGriechischer Philosoph. Durch Sokrates nachhaltig beeinflusst, gelangte Platon nach anfänglichen politischen Ambitionen zur Philosophie. Zwischen 387 und 385 gründete er eine eigene Schule, die Akademie, die für die Nachwirkung seiner Lehren große Bedeutung hatte. Er unternahm weite Reisen, unter anderem nach Sizilien, wo er die Herrscher von Syrakus vergeblich für sein Ideal eines nach philosophischen Grundsätzen gestalteten Staates zu gewinnen suchte. Aufbauend auf der praktischen Philosophie des Sokrates, entwickelte Platon eine Erkenntnistheorie, die zwischen dem (sinnlichen) Erfahren der veränderlichen Welt der Erscheinungen und der (vernunftmäßigen) Erkenntnis des unveränderlich wahrhaft Seienden unterscheidet. Auch seine Ethik stellt die Vernunft in den Mittelpunkt als das Kriterium, das allen Tugenden gemeinsam ist und sie allgemein verbindlich macht. Gemeinsam mit der Lehre seines Schülers Aristoteles wirkte Platons Philosophie prägend auf die gesamte europäische Kultur. Shah Jahan (1592-1666)
Shah JahanIndischer Großmogul 1627-1658. Der Enkel Akbars erweiterte das Mogulreich weiter nach Süden, brachte es durch viele Kriege und bauliche Großprojekte jedoch an den Rand des finanziellen Ruins. Er ließ das Taj Mahal als Grabmal für seine Lieblingsfrau Mumtazi Mahall erbauen. 1658 wurde er von seinem Sohn Aurangseb vom Thron gestoßen und bis zu seinem Lebensende gefangen gehalten. Sokrates (um 470-399 v. Chr.)
SokratesGriechischer Philosoph. Sokrates selbst hinterließ keine Schriften, seine Philosophie und sein Leben sind daher nur aus zweiter Hand überliefert, vor allem in Platons Dialogen. Mit Sokrates beginnt die Vernunft den Mittelpunkt im philosophischen Diskurs einzunehmen. Im Gegensatz zum Werterelativismus der Sophisten stand für Sokrates allerdings ethisches Handeln, d. h. ein wahrhaft gutes und gerechtes Leben, im Zentrum des vernünftigen Begreifens. Um Selbsttäuschungen zu entgehen, bedurfte es für ihn des philosophischen Gesprächs, das immer wieder vermeintliches Wissen als subjektive Meinung zu entlarven verstand. Die zentrale Einsicht seiner Lehre wird in dem berühmten Satz »Ich weiß, dass ich nichts weiß« zusammengefasst. Thomas Hobbes (1588-1679)
Hobbes, ThomasEnglischer Philosoph. Als einer der bedeutendsten Vertreter der englischen Aufklärung entwarf Hobbes ein neues Weltbild, das zum einen auf den exakten Naturwissenschaften gründete, zum anderen auf der Idee des begründbaren und herstellbaren säkularen Staats. Trajan (53-117)
TrajanRömischer Kaiser seit 98. Mit Trajan beginnt die Linie der sogenannten Adoptivkaiser, die – zumindest der Intention nach – nicht dynastisch, sondern von der Auswahl des Besten zum Herrscher geprägt war. Unter Trajans Regierung erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Vasco da Gama (1469-1524)
Vasco da GamaPortugiesischer Seefahrer. Vasco da Gama war der erste Europäer der Neuzeit, der Indien auf dem Seeweg erreichte. Im Auftrag der portugiesischen Krone umschiffte er das Kap der Guten Hoffnung und erreichte 1498 die indische Küste. Auf seiner zweiten Fahrt 1502-1503 befehligte er eine Kriegsflotte, die die Oberhoheit Portugals an der Westküste Indiens erzwang. Viktoria (1819-1901)
ViktoriaKönigin von Großbritannien und Irland seit 1837, Kaiserin von Indien seit 1876. Verheiratet mit ihrem Cousin Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, verfolgte Viktoria eine deutschfreundliche Außenpolitik, stand jedoch Bismarck ablehnend gegenüber. Nach dem frühen Tod ihres Gemahls (1861) zog sich Viktoria völlig aus dem öffentlichen Leben zurück. Im Viktorianischen Zeitalter besaß das britische Empire seine größte Ausdehnung, die Epoche war aber auch durch soziales Elend der Arbeiter in den Industriestädten sowie durch eine sprichwörtlich gewordene Prüderie gekennzeichnet. Voltaire (1694-1778)
VoltaireFranzösischer Schriftsteller und Philosoph, eigentlich François Marie Arouet. Obwohl Voltaire selbst durch skrupellose Geschäfte als Lotterieeinnehmer, Waffenhändler und Geldverleiher zu Reichtum gelangte, kämpfte er in seinen philosophischen, literarischen und historischen Schriften gegen Ungerechtigkeit und Unvernunft. Von 1748 bis 1753 lebte Voltaire am Hof Friedrichs des Großen in Potsdam, mit dem er bis zu dessen Lebensende in brieflichem Kontakt stand. Voltaires Schriften trugen maßgeblich zur Verbreitung der Ideen der Aufklärung in Europa bei; seine auf Exaktheit der Fakten beruhenden historischen Werke waren wegweisend für die moderne Geschichtsschreibung. Walter Raleigh (1554-1618)
Raleigh, WalterEnglischer Freibeuter und Schriftsteller. Als Günstling Elisabeths I. unternahm Raleigh zahlreiche Entdeckungs- und Kaperfahrten in die spanischen Überseeprovinzen. Er war einer der Wegbereiter der späteren englischen Seeherrschaft. 1603 wurde er unter Jakob I. des Hochverrats angeklagt und bis 1616 im Tower gefangen gehalten, wo er seine Weltgeschichte »A history of the world« schrieb. 1618 wurde er in London hingerichtet. Wat Tyler (????-1381)
Tyler, WatEnglischer Bauernführer. Er war neben dem Prediger John Ball der Anführer des englischen Bauernaufstandes von 1381, bei dem Canterbury erobert und der Londoner Tower von einem Bauernheer besetzt wurde. Während der Verhandlungen mit König Richard II. wurde Tyler ermordet, der Aufstand bald darauf niedergeschlagen. Winston Churchill (1874-1965)
Churchill, WinstonBritischer Staatsmann. Churchill war Offizier, entschied sich aber früh für eine politische Karriere und gehörte bereits im Ersten Weltkrieg der britischen Regierung an. In den Dreißigerjahren trat er für eine frühe Wiederaufrüstung Großbritanniens ein und war deshalb lange Zeit selbst innerhalb der eigenen Konservativen Partei isoliert. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stieg sein Ansehen; 1940 wurde er Premierminister. Churchill avancierte zur Symbolfigur des Durchhaltewillens der britischen Bevölkerung gegen die deutsche Übermacht. In den Konferenzen mit Roosevelt und Stalin (»die Großen Drei«) versuchte er ohne Erfolg, England eine eigenständige Bedeutung für die Neuordnung der Welt nach Kriegsende zu sichern. 1945 wurde er abgewählt, behielt jedoch politisches Gewicht. Von ihm stammt der Begriff des »Eisernen Vorhangs«. Wilhelm der Eroberer (1028-1087)
Wilhelm der ErobererHerzog der Normandie seit 1035 und erster normannischer König von England seit 1066. Der illegitime Sohn Roberts I. von der Normandie (daher auch der Beiname »der Bastard«) wurde 1051 vom kinderlosen englischen König Eduard dem Bekenner zu seinem Nachfolger bestimmt. Gleichwohl bestieg nach Eduards Tod im Januar 1066 der englische Kronprätendent Harold Godwinson (Harald II.) den Thron. Darauf landete Wilhelm mit Zustimmung des Papstes in Sussex, schlug Harald in der Schlacht bei Hastings am 4. 10. 1066 und wurde an Weihnachten in Westminster zum König gekrönt. Wilhelm I. (1797-1888)
Wilhelm I.König von Preußen und deutscher Kaiser. Wilhelm folgte 1861 seinem Bruder Friedrich Wilhelm IV. auf dem preußischen Thron. Die wichtigen politischen Entscheidungen seiner Regierungszeit überließ er in der Regel seinem Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzler Otto von Bismarck. Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde er am 18.1.1871 in Versailles zum ersten Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs gekrönt. Wilhelm II. (1859-1941)
Wilhelm II.Deutscher Kaiser 1888-1918. Nur zwei Jahre nach seiner Thronbesteigung entließ der junge Monarch Bismarck als Reichskanzler und leitete selbst die Regierung (»persönliches Regiment«). Das Wilhelminische Zeitalter war von äußerem Glanz, aber auch von zweifelhaften politischen Entscheidungen geprägt, die in der Konsequenz in den Ersten Weltkrieg führten. Während des Kriegs trat Wilhelm mehr in den Hintergrund; im November 1918 dankte er ab und ging ins niederländische Exil. Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924)
Lenin, Wladimir IljitschRussischer Revolutionsführer, eigentlich W. I. Uljanow. Früh in der revolutionären Bewegung engagiert, musste sich Lenin ab 1900 in verschiedenen Ländern im Exil aufhalten. Hier entwickelte er sein Konzept einer revolutionären Kaderpartei und leitete damit die Spaltung der russischen Sozialdemokratie in die Menschewiki und die von ihm geführten Bolschewiki ein. 1917 mithilfe der deutschen Regierung (die sich davon eine Schwächung des Kriegsgegners Russland versprach) nach St. Petersburg gelangt, leitete Lenin gemeinsam mit Trotzkij und Stalin die kommunistische Oktoberrevolution ein. Nach der Machtübernahme der Bolschewiki setzte er gegen starken inneren Widerstand einen Sonderfrieden mit Deutschland durch (Friede von Brest-Litowsk 1918), gleichzeitig wurde der Bürgerkrieg gegen die konterrevolutionären »Weißen Truppen« mit äußerster Härte geführt. Lenin organisierte die Konzentration der Macht auf einen kleinen Zirkel in der Partei (Schaffung des Politbüros 1919) und führte nach den Jahren des Kriegskommunismus ab 1921 die liberalere »Neue Ökonomische Politik« (NEP) ein, die das Land vor der drohenden Wirtschaftskatastrophe bewahrte. Die von ihm nicht gewünschte Machtübernahme Stalins konnte er nicht verhindern, da er ab 1922 durch zwei Schlaganfälle in seiner Arbeitskraft stark behindert war.

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Info 22.11.2017 17:26
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