Warum eigentlich? (Pyrrhos) – Anekdote

Pyrrhos hatte sich schon tagelang mit dem Plan eines Italienfeldzugs beschäftigt, als ihn sein Vertrauter, der Thessaler Kineas, in einer Mußestunde in folgendes Gespräch verwickelte:
»Höre einmal, mein König«, begann Kineas, »was werden wir eigentlich tun, wenn wir die Römer besiegt haben?«
»Aber Kineas«, erwiderte Pyrrhos, »das versteht sich doch von selbst. Wenn die Römer bezwungen sind, dann ist uns keine Stadt Italiens mehr gewachsen, und das ganze Land fällt uns mühelos in die Hand.«
»Gut«, meinte Kineas nach einer Weile, »und wenn wir Italien erobert haben?«
»Dann kommt Sizilien daran.«
»Das lässt sich hören. Sizilien wird das eigentliche Ziel unseres Feldzuges sein?«
»Was denkst du? Alle diese Kämpfe sind ja erst das Vorspiel zu noch größeren Taten. Denn bedenke doch: Libyen und Karthago sind dann nur noch einen Katzensprung entfernt, und wenn wir im Besitz aller dieser Länder sind, wird keiner unserer Feinde die Nase mehr so hoch tragen.«
»Ja«, warf Kineas ein, »und wenn alles das uns gehört?«
»Dann, mein Lieber«, rief Pyrrhos lachend, »werden wir uns zur Ruhe setzen und jeden Tag fröhlich miteinander zechen.«
»Jetzt verstehe ich aber eines nicht«, schloss Kineas ernst.
»Warum sollen wir uns denn das erst durch lange Kämpfe erwerben, was wir jetzt schon in aller Gemütsruhe haben können? Was hindert uns, uns gleich hinzusetzen und mit dem Zechen zu beginnen?«

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Info 23.11.2017 19:18
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