Zuviel Gewagt (Tiberius) – Anekdote

Kaiser Tiberius, Stiefsohn und Nachfolger des Kaisers Augustus, zögerte lange, den Römern die Geldspende auszuzahlen, die ihnen Augustus in seinem Vermächtnis hinterlassen hatte.
Das Volk begann daher allmählich zu murren, wenn es auch niemand wagte, seine Unzufriedenheit öffentlich zu äußern.
Als aber eines Tages in Gegenwart des Tiberius eine Leichenfeier stattfand, beugte sich plötzlich ein Römer über die Leiche, flüsterte ihr etwas ins Ohr und erklärte dann, nach dem Grunde seines seltsamen Gebarens befragt, todernst:
»Oh, es ist nichts Besonderes. Ich habe nur dem Toten aufgetragen, er solle dem Augustus melden, dass wir von seinem Vermächtnis immer noch nichts bekommen haben.« Bei diesen Worten brachen die Umstehenden in schallendes Gelächter aus. Tiberius aber, der sich allzu freimütig an seine Verpflichtung erinnert sah, schrie dem Römer zornig zu:
»Noch besser ist es, wenn du es selbst meldest«, und befahl, den unbequemen Mahner auf der Stelle hinzurichten.

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Info 18.12.2017 00:13
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