Alarich vor Rom – Anekdote

Als der jugendliche Held Alarich König der Westgoten geworden war, führte er sein Volk von der Balkanhalbinsel nach Italien. Der schwächliche Kaiser Honorius flüchtete in die Festung Ravenna und kümmerte sich nicht um die Verteidigung seines Landes. Ungehindert zogen die Goten bis vor die stark befestigte Hauptstadt Rom, die seit 800 Jahren keinen Feind in ihren Mauern gesehen hatte. Auch Alarich wagte nicht, sie zu stürmen, sondern begnügte sich damit, ihr die Zufuhr abzuschneiden. In der belagerten Stadt wurden bald die Lebensmittel knapp, und Seuchen brachen aus, an denen viele Einwohner starben. Da beschlossen die Senatoren, Gesandte an Alarich zu schicken, um über seinen Abzug zu verhandeln. Sie erklärten: »Unter ehrenvollen Bedingungen sind wir zum Friedensschluss bereit. Doch wenn du unbillige Forderungen stellst, so wisse: Zehntausende von Römern sind in den Waffen geübt und entschlossen, ihre Stadt zu verteidigen.« Auf Alarich, der ihre Notlage kannte, machte diese Rede keinen Eindruck, und er erwiderte lachend: »Je dichter das Gras wächst, um so leichter ist es zu mähen.« Darauf nannte er seine Friedensbedingungen. Die Römer sollten 5000 Pfund Gold und Silber und ihre sonstigen Kostbarkeiten abliefern sowie alle germanischen Sklaven freigeben.
Entsetzt sagte einer der Gesandten: »Was bleibt uns dann noch?«
»Das Leben«, antwortete Alarich.

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Info 19.10.2017 - 09:10
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