Gift (Rabelais) – Anekdote

Von Rom kommend, traf Rabelais auf dem Weg nach Paris bettelarm in Lyon ein. Wie sollte er nach Paris gelangen? Er wäre nicht Rabelais gewesen, wenn er nicht einen rettenden Einfall gehabt hätte.
Seine Reisetasche mit Plunder gefüllt, stieg er in einem eleganten Gasthaus ab, ließ sich Wein und Souper servieren und verlangte nach einem jungen Mann, dem er Briefe diktieren konnte. Dann häufte er den Ruß vom Kamin in drei Papiersäckchen, die er bezeichnete mit »Gift für den König«, »Gift für die Königin« und »Gift für den Dauphin«.
Zu dem Sekretär, der unterdessen eingetreten war, sagte er: »Kein Wort von dem, was Sie hier sehen, zu irgendjemandem!«
Wenige Stunden später erschien die Polizei, verhaftete ihn und sandte ihn unter Bewachung in einer Extrakutsche die vierhundert Meilen nach Paris. Der König, ein eifriger Leser des Gargantua, hielt sich den Bauch vor Lachen, als man ihm den Streich berichtete, und ließ Rabelais frei.

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Info 19.10.2017 - 09:02
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