Grund zum Trauern (Luther) – Anekdote

Luther war durchaus nicht immer guter Dinge, sondern musste oft durch Zeiten schwerer innerer Anfechtung hindurch und war dann tief betrübt und bekümmert. Dann ermahnte und tröstete ihn seine Frau, und gewöhnlich half dieser Zuspruch. Einmal aber wollte es gar nicht helfen. Luther war einige Tage über Land gewesen, kam aber genauso betrübt zurück, wie er fortgegangen war. In der Stube findet er seine Frau in einem schwarzen Trauerkleide und tieftraurigen Gesichtes, in der Hand ein tränennasses weißes Taschentuch.
Luther dringt in sie und will wissen, was vorgefallen, warum sie so in Trauer ist. Sie weicht ihm aus, aber endlich antwortet sie: »Sieh, lieber Martin, unser lieber Herrgott ist gestorben, und darum traure ich so.«
Da lachte Luther herzlich auf, verstand sie und sagte: »Ja, du hast recht, liebe Käthe, ich habe mich recht durch meinen Unmut versündigt. Tat ich doch, als wenn kein Gott im Himmel wäre.« Und dann wurde er wieder fröhlich und guter Dinge.

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Info 18.11.2017 12:56
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