Drei Worte Nur! (Anonyma) – Anekdote

Großen Hunger litt ein armer, einfacher Landsknecht. Obwohl genug Vorräte im Lager waren, hatte er doch kein Geld, um sich etwas davon zu kaufen. Deshalb trieb ihn die Not dahin, dass er seinen Hauptmann zu sprechen begehrte und insgeheim hoffte, der werde ihm etwas vorstrecken. Nun hatte aber der Hauptmann gerade etliche vornehme Herren zu Gast geladen. Die Bediensteten ließen deshalb den armen Landsknecht nicht vor. Als er nun aber immer dringlicher bat, man möge ihn doch beim Hauptmann vorlassen, er habe ihm nicht mehr als nur drei Worte zu sagen, da erbarmte sich einer der Trabanten seiner. Dieser war ein durchtriebener Geselle, den es verwunderte, was einer mit drei Worten ausrichten könne. So meldete er dem Hauptmann ausführlich, wie sich die Rede zugetragen. Der Hauptmann mitsamt seinen Gästen, die wohl schon bezecht waren, sprachen:
»Lasst ihn herein! Und spricht er mehr als drei Worte, dann wollen wir ihn in Eisen schlagen lassen.«
Also ward der Landsknecht vor den Hauptmann gelassen. Der fragte ihn: »Was begehrst du, das du mit drei Worten ausrichten willst?«
Der Landsknecht aber antwortete schlagfertig:
»Geld oder Urlaub!«
Da lachten der Hauptmann und alle seine Gäste, und er gab ihm einen Monat Sold im Voraus.

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Info 11.12.2017 08:33
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