Versöhnung (Friedrich der Große) – Anekdote

Dass Schwerin bei Mollwitz König Friedrich vom Schlachtfeld gewiesen hatte, konnte er ihm nicht vergessen: seine Würde, seine Autorität, so meinte er, wären durch den Feldmarschall gemindert worden.
Nach Friedensschluss wollte er’s Schwerin heimzahlen. Zuerst schoss er das Spottgedicht auf den »kleinen Marlborough« (Schwerins Spitzname in der Armee) ab. Zurücksetzungen, Demütigungen folgten. Rundheraus gesagt: Friedrich nahm hier die »Rache des kleinen Mannes«.
Schwerin zeigte sich als der größere, indem er sich vom König zurückzog und, als er zu kränkeln begann, auch vom Dienst.
Auf seinen Gütern lebend, ließ er sich beim König nicht mehr sehen, was einer moralischen Ohrfeige für Friedrich gleichkam. Sie brachte ihn zur Besinnung. 1747 fragte er den Landjägermeister v. Schwerin:
»Was macht mein Bruder?«
»Er befindet sich ganz wohl, Eure Majestät, lebt auf seinen Gütern und beschäftigt sich mit deren Verbesserung.«
»Grüße Er ihn doch«, brummte Friedrich, wurde dann aber freundlicher. »Er ist ein braver, verdienstvoller Mann, das ist wahr. Allein er ist auch eigensinnig und« – Friedrichs Gesicht wurde streng – »er vergisst, dass ich König bin.«
Eine Zeit später schrieb er Schwerin, ob er denn nicht wieder einmal nach Berlin kommen wollte. Der Feldmarschall fasste dies als Befehl auf, wollte wahrscheinlich auch seinerseits dem König eine goldene Brücke bauen, jedenfalls: er kam.
»Wie geht es Ihm«, empfing ihn Friedrich und blieb mit Schwerin unter vier Augen.
Indessen, der Kammerhusar Deybert, im Vorzimmer, hörte alsbald, »wie das Gespräch zwischen beiden immer lauter und endlich so heftig wurde, dass ihm anfing bange zu werden, beide mäßigten ihre Stimme auf keine Weise, es dauerte aber nicht lange, so ward die Unterredung sanfter und zuletzt leise.«
Nach einer guten Stunde erschienen beide in der Tür, Friedrich mit heiterer, zufriedener Miene, auf Schwerins Abschiedsverbeugung erwidernd:
»Ich sehe Ihn zu Mittag bei mir.«