Musikalisches Opfer (Friedrich der Große) – Anekdote

König Friedrich II. von Preußen war nicht nur der eitelste und passionierteste aller musikalischen Amateure (solange er seine Zähne hatte, übte er täglich viermal die Flöte), sondern auch ein hartnäckiger Prominentenjäger.
Bachs Sohn Philipp Emanuel, einer von Friedrichs Hofmusikanten, hatte dem König so viel über seinen Vater erzählt, dass eine Einladung nach Leipzig geschickt wurde, die den alten Kantor ersuchte, nach Potsdam zu kommen und am Hof aufzutreten. Als am Nachmittag des 7. Mai 1747 der Gast eintraf, war der König gerade dabei, ein Flötensolo in einem seiner täglichen Konzerte zu spielen. Er wandte sich an den versammelten Hof und sagte: »Meine Herren, der alte Bach ist gekommen.«
Das Konzert wurde unterbrochen und Bach, der nicht einmal Zeit hatte, sich umzukleiden, wurde dem König vorgeführt. Seine Majestät zeigte ihm stolz ihre Sammlung alter und neuer Tasteninstrumente und forderte ihn auf, sie auszuprobieren.
Bach folgte der Einladung und gab ein verblüffendes Beispiel seiner Virtuosität im Spielen und Improvisieren. Friedrich war entzückt. Er ließ seinem Gast fürstliche Ehren widerfahren und maß seinem Aufenthalt in Potsdam große Bedeutung bei.
Bevor der Komponist nach Leipzig zurückfuhr, bat er den König, ihm ein Thema zu geben, auf dem er im Andenken an seinen Besuch ein »Musikalisches Opfer« aufbauen konnte.
Friedrich schmeichelte diese Anerkennung seiner Musikalität durch eine solche Autorität. Er schrieb eigenhändig ein Thema nieder, aus dem Bach später das »Musikalische Opfer«, eines seiner genialsten Meisterwerke, formte. Als Andenken an seine Potsdamer Zeit widmete er es dem König.

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Info 14.12.2017 16:13
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