Potjomkinsche Dörfer (Katharina II.) – Anekdote

Als Katharina die Große 1783 die Krim annektierte und Potjomkin zur Belohnung für den Türkenfeldzug den Titel »Fürst von Taurien« gab, erweckte die Annexion der Krim in Frankreich und in der Türkei große Besorgnis und rückte die Kriegsgefahr wieder näher.
Katharina entschloss sich daher zu einer eigenartigen Demonstration: sie veranstaltete ihre berühmte taurische Reise. Diese Fahrt, auf der sie ein großes Gefolge, darunter die Gesandten Österreichs, Englands und Frankreichs begleitete, auf der sie mit Kaiser Joseph II. von Österreich und dem König von Polen, Stanislaw Poniatowski, zusammentraf, war halb Lustpartie, die wie ein Märchen vorüberzog in dem glänzenden, oft höchst theatralischen Arrangement, halb aber eine sehr politische Aktion, die den Reichtum Russlands, die neu erworbene Steppe, die südliche Naturschönheit der Krim, die rasche Entwicklung der neugegründeten Festungen, Häfen und Dörfer wirksam zeigen sollte. Da jedoch nicht alles so vorhanden war, wie Katharina es zu zeigen wünschte, war Potjomkin, durch dessen Verwaltungsgebiete die Reise ja größtenteils ging, klug genug, an den Ufern des Dnjepr, auf dessen Lauf die unzähligen Schiffe der Kaiserin und ihres Gefolges dahinschwammen, Dörfer und Ortschaften samt Bevölkerung und Vieh kulissenartig hinzustellen. Nach Beendigung der Reise durfte das alles wieder verschwinden, die Leute in ihre Heimatdörfer, aus denen sie hinbefohlen worden waren, zurückkehren, die Steppe wurde wieder Steppe.
Und dies ist der Ursprung jener bekannten Redensart von den »Potjomkinschen Dörfern«.