Begnadigung (Friedrich Wilhelm I.) – Anekdote

In einer kleinen schlesischen Kapelle vermisste man seit einiger Zeit verschiedene geweihte Kleinodien. Der Verdacht lenkte sich auf einen Soldaten, der immer auffallend lange in der Kirche »gebetet« hatte. Bei seiner Leibesvisitation fand man bei ihm zwei silberne Herzen. Der Soldat schwur, dass die heilige Jungfrau sich bei einem seiner innigen Gebete herabgeneigt hätte und ihm die Herzen geschenkt habe. Er wurde aber als Kirchenräuber zum Tode verurteilt.
Friedrich der Große, der ungern Todesurteile unterschrieb, hatte von einigen Geistlichen, mit denen er beriet, die Auskunft erhalten, dass zuweilen durch Gottes Barmherzigkeit Wunder geschähen. Nach diesem Gutachten schrieb der König das Urteil:
»Wir lassen dem Beklagten Gnade widerfahren, weil er den Diebstahl hat durchaus nicht an sich kommen lassen und die doctores seiner Religion die Gunstbezeugung, derer er sich rühmt, nicht für unmöglich erachtet haben. Aber wir verbieten ihm bei Lebensstrafe, künftighin Geschenke von irgendeinem Heiligen anzunehmen! Fridericus Rex.«

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Info 23.11.2017 19:28
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