Improvisierter Priestermarsch (Mozart) – Anekdote

Emanuel Schikaneder, der das Libretto zur »Zauberflöte« geschrieben, sie auf seinem Theater herausgebracht hat, Regie führte und den Papageno sang, unterbrach die Generalprobe vor der Uraufführung, als eben der zweite Akt eingesetzt hatte. Ihm gefiel dieser Anfang nicht: dass der Vorhang aufgehen und schon Sarastro sich an die Priester wenden sollte. Da war etwas nicht in Ordnung und musste geändert werden – und zwar sofort!
»Wie wäre es, wenn ich die Männer in ihren wallenden weißen Gewändern erst in feierlichem Zuge herauskommen ließe«, dachte er, »und dann erst, wenn alle sich richtig gruppiert haben, käme die Arie?«
Ja, das wäre ein wirkungsvoller Anfang. Er begab sich auf die Bühne, um die nötigen Anweisungen zu geben. Dabei kam er an Mozart vorüber, der am Klavier saß, und ihm fiel ein, dass er zu alledem wohl noch etwas Musik benötigen würde. »Ich brauche hier noch ein paar Takte«, rief er Mozart zu, »so einen langsamen und feierlichen Marsch, du weißt schon!«
»Na schön«, erwiderte Mozart und setzte, zu den Musikern gewandt, hinzu: »Gebt’s mir mal all eure Käsblätter daher, Kinder, ich muss euch noch was reinschmier’n!«
Und ohne langes Nachdenken kritzelte er gleich in die einzelnen Orchesterstimmen die edlen und erhabenen Noten zum weihevollen Priestermarsch.

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Info 22.09.2017 - 08:07
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