Ein Opernereignis (Gluck) – Anekdote

Am 19. April 1774 wurde Glucks »Iphigénie en Aulide« in Paris uraufgeführt. Es war dies ein Ereignis in den Annalen der Operngeschichte. Sechs Monate lang hatte der Komponist mit den Sängern und dem Orchester geprobt; er hatte dem Chor beigebracht, mitzuspielen und Anteil am Bühnengeschehen zu nehmen; er hatte die Mode des Handschuhtragens bei den Orchestermitgliedern abgeschafft und hatte die Darsteller der führenden Rollen überredet, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Er hatte den entscheidenden Schritt zu einer Reform der Operndarbietung getan.
Die Wirkung, die er damit erzielte, war sensationell, und der Abbé Arnaud, einer der großen Geister seiner Zeit, rief nach Agamemnons Arie »Au fait des grandeurs«: »Mit dieser Arie könnte man eine Religion stiften!«