Seltenes Schauspiel (Wiener Kongress) – Anekdote

Obgleich der Fürst von Ligne, einer der höchsten Würdenträger Europas, schon um achtzig war, nahm er an allen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des Wiener Kongresses teil. Schließlich aber hatte er sich, von einem Maskenball bei schlechtem Wetter heimkehrend, eine Lungenentzündung zugezogen, und es war offensichtlich, dass er diese nicht überleben werde. Wie die großen Herren des Mittelalters starb dieser Grandseigneur einer lange vergangenen Zeit in voller Öffentlichkeit.
Einer seiner Freunde an seinem Sterbelager fragte den Fürsten, ob er nicht traurig sei, dass er diesen zauberhaften Kongress, welcher sich gerade auf seinem Höhepunkt befände, verlassen müsse. Der Fürst meinte:
»Im Gegenteil!«
Höchst verwundert, was er damit sagen wolle, bitten die Freunde um eine Erklärung.
»Nun«, sagt der Fürst, »weil ich durch meinen Tod in der Lage sein werde, dem Kongress ein Schauspiel zu bieten, das selbst dieser Kongress noch nicht gesehen hat.«
»Und das wäre?«
»Das Begräbnis eines Ritters vom Goldenen Vlies!«