Tafelgelder (Wiener Kongress) – Anekdote

Ein Fürst rief seinen Haushofmeister zu sich, um Rechenschaft für die zu hohen Ausgaben von ihm zu fordern: »Sagen Sie mir, haben meine Köche und meine Kellermeister nicht mit doppelter Kreide gerechnet? Zwanzigtausend Gulden für vier Monate?«
»Bedenken Euer Durchlaucht die Bewirtung der ausländischen Gesandten«, rechtfertigte sich der Beamte, »sieben Tafeln, keine unter tausend Gulden. Früchte aus Paris, kein Stück unter 10 Dukaten … Man kann täglich um fünfzehn Kreuzer essen und um tausend Gulden. Aber Tafeln tragen zum Fürstenruhme bei.«
»Wohlan«, erwiderte der Fürst, »so will ich die Tafelgelder für die nächsten vier Monate verdoppeln. Also auf vierzigtausend Gulden! Aber Dreiviertel davon sollen sofort abgezogen und zur Unterstützung der Armen verwendet werden, die nicht genug Brot zum Essen haben, wie ich eben aus einer Bittschrift erfahre.«