Ansprachen (Friedrich Wilhelm IV.) – Anekdote

Friedrich Wilhelm IV. liebte bei Empfängen keine langen Ansprachen. Einst traf er nach einer längeren Fahrt um die Mittagszeit ermüdet und hungrig in einer kleinen Stadt ein, deren Bürgermeister zu einer großen Begrüßungsrede ansetzte:
»Allerdurchlauchtigster, großmächtiger König, Allergnädigster König und Herr! Als Hannibal vor den Toren Karthagos stand … hatte er wahrscheinlich eben solchen Hunger wie ich«, unterbrach ihn der König, »nun kommen Sie, lieber Bürgermeister, setzen Sie sich in meinen Wagen und seien Sie mein Gast.«
Eine ähnliche Ansprache drohte dem König durch den Bürgermeister eines kleinen Dorfes. »Königliche Majestät«, begann der Mann großartig, um dann sichtlich aufgeregt fortzufahren: »Tausende Ihrer getreuen Untertanen, Tausende lassen Sie grüßen, Königliche Majestät, Tausende Ihrer getreuen Untertanen …«
»Schon gut«, schnitt der König ab, »grüßen Sie wieder, aber wenn ich bitten darf, jeden einzelnen ganz besonders!«