Die letzte Zigarre (Bismarck) – Anekdote

Bismarck rauchte gern und gut. Am Tage von Königgrätz hatte er schließlich nur noch eine einzige Zigarre in seinem Lederfutteral, die vorletzte hatte Moltke bekommen. Der Tag verlief voller Spannungen, und Bismarck wollte sich die letzte Zigarre gönnen, sobald der Sieg entschieden war, – er freute sich schon im stillen auf den Moment, wo er sich das Kraut in guter Stimmung anzünden würde. Es sollte anders kommen.
Er sah einen jungen Dragoner, der mit zerschmetterten Armen dalag. Der Ärmste jammerte nach einer Erquickung. Bismarck fasste in alle Taschen, er hatte nichts bei sich, weder Schokolade noch Likör, da fiel ihm die wohlgehütete Zigarre ein. Er holte sie schnell heraus, rauchte Sie an und gab Sie dem Verwundeten in den Mund. Ein seliges Lächeln der Erquickung war der Dank. »Niemals in meinem Leben«, pflegte der Kanzler zu erzählen, »hat mir eine Zigarre so gut geschmeckt wie diese, die ich gar nicht geraucht habe.«