Alles Inbegriffen (Bismarck) – Anekdote

Im Oktober 1871 kam der französische Finanzminister nach Berlin, um einen Vertrag über den teilweisen Abzug der deutschen Besatzungstruppen zu unterzeichnen. Vor seiner Abreise lud ihn Bismarck zu einem Essen ein. Dabei kam die Rede auf die Eisenbahnen in beiden Ländern. Der Franzose lobte die vortrefflichen Einrichtungen in Deutschland, beklagte sich aber über die hohen Fahrpreise. »Ich musste für das Anhängen meines Salonwagens an den D-Zug Aachen-Berlin 1000 Franken bezahlen.« Bismarck fand den Preis auch hoch, schwieg aber, da er die Tarife nicht kannte. Am nächsten Tag besprach er die Angelegenheit mit dem zuständigen Minister, denn der französische Gast sollte sich nicht übervorteilt fühlen.
Als der Sekretär des Ministers die Rückfahrt bezahlen wollte, erhielt er die Antwort, ihr Preis sei in den 1000 Franken inbegriffen. Den ersten Aufenthalt hatte der Zug, mit dem der Franzose heimreiste, in Brandenburg. Hier öffnete ein Bedienter die Tür des Salonwagens und meldete: »Das Frühstück steht für Eure Exzellenz im Wartesaal I. Klasse bereit.« Der Minister folgte mit seiner Begleitung dieser Aufforderung und tat sich an erlesenen Leckerbissen gütlich. Der Sekretär bat um die Rechnung, doch der Oberkellner sagte: »Das Frühstück ist in dem Fahrpreis enthalten.« Im Wartesaal von Hannover wurde den Franzosen ein Mittagessen serviert. Auch das war mit dem Fahrpreis bereits bezahlt. Da telegrafierte der Minister an Bismarck seinen Dank für die noble Art, wie er auf die Beschwerde eines Franzosen geantwortet habe, der darauf bedacht sei, seinem Lande Geld zu sparen.