Freund des Champagners (Bismarck) – Anekdote

Der Kanzler liebte Sekt, aber es musste französischer sein, dem deutschen Schaumwein konnte er keinen Geschmack abgewinnen, auch vertrug er ihn nicht. Als er einmal bei Kaiser Wilhelm II. zu Tisch geladen war, wurde ein Champagner gereicht, der dem Kanzler höchst verdächtig vorkam. Als der Diener wieder mit der Flasche erschien, bemühte sich Bismarck, durch einen Seitenblick das Etikett zu Gesicht zu bekommen, doch misslang es ihm, da eine Serviette um die Flasche gewickelt war. Er überlegte schon, ob er den Kaiser nach dem Namen des Sektes fragen sollte, da begann dieser selbst zu erzählen, dass er bei Tisch deutschen Schaumwein zu reichen pflege, einmal aus Sparsamkeit, weil er eine große Familie habe, und dann vor allem aus Patriotismus.
Bismarck sah den jungen Kaiser lächelnd an, dann sagte er offen: »Majestät, bei mir macht der Patriotismus kurz vor dem Magen halt.«