Kein vertrauen zum Fortschritt (Bismarck) – Anekdote

Bismarck erzählt:
»Ich selbst verstehe gar nichts von Technik. Dieser Sinn geht mir vollständig ab. Ich kann mich aber damit trösten, dass selbst solche großen Geister wie der Alte Fritz und auch Napoleon I. auf technischem Gebiet weder Verständnis noch Voraussicht gezeigt haben.
Als ich den alten Kanzler Metternich einmal in Schloss Johannisberg besuchte, erzählte er mir, dass er bald nach der Schlacht von Austerlitz eines Tages zu Napoleon gerufen worden sei, der zur Zeit in der Hofburg in Wien wohnte. Dieser habe ihn eine ganze Weile im Vorzimmer warten lassen. Da habe sich plötzlich die Tür, die von Napoleons Arbeitszimmer in den Vorraum führte, geöffnet, ein jüngerer Mann sei förmlich herausgeflogen, und Napoleon habe in den gröbsten Worten hinter ihm hergeschimpft. Der Kaiser habe ihn, Metternich, darauf aufgefordert, in sein Arbeitszimmer zu kommen. Zunächst habe er ihn um Entschuldigung gebeten, dass er ihn habe warten lassen. Dann habe er ihm in ganz entrüstetem Ton erzählt, dass der amerikanische Gesandte Livingstone in Paris es gewagt habe, ihm einen Irrsinnigen mit einem Empfehlungsbrief nach Wien zu schicken.
Dieser Idiot habe ihm (Napoleon) gesagt, er hätte eine Erfindung gemacht, vermittels welcher er, der Kaiser, in die Lage versetzt würde, unabhängig von Wind und Flut Truppen in England zu landen, und zwar mit Hilfe von kochendem Wasser. Das sei ihm (Napoleon) denn doch zuviel gewesen, und er habe den Idioten an die Luft gesetzt.
Dieser Mann sei aber, wie Metternich erzählte, niemand anders gewesen als der Amerikaner Robert Fulton, der Erfinder des Dampfschiffs.«