Dialog der Feinde (Cavour-Mazzini) – Anekdote

Eines Tages bat Sir Hudson, der englische Gesandte in Turin, den Grafen von Cavour, er möge einen Landsmann von ihm empfangen, der ihm gewisse eigene Gedanken über Italien vorzutragen habe. Cavour gab diesem Ausländer eine Verabredung für fünf Uhr morgens und sah pünktlich um diese Zeit einen vollendeten englischen Gentleman in sein Arbeitszimmer treten, der ihm einen Plan für die Befreiung Italiens von der Fremdherrschaft darlegte.
Cavour bewunderte die Klarheit und Tiefe der Anschauungen, die Kühnheit der Einzelheiten und die vollkommene Kenntnis aller nationalen Fragen. Da der Herr aber englisch gesprochen hatte, fragte Cavour, dem einige Sätze entgangen waren, ob er ihm seinen Plan etwa auf italienisch wiederholen könne. Da stellte der englische Gentleman noch einmal alles in dem reinsten Italienisch dar.
»Herr!« rief Cavour voller Bewunderung aus, »Ihr denkt wie Machiavelli und sprecht italienisch wie Manzoni. Wenn ich in Italien einen Mann wie Euch hätte, würde ich ihn als Adjutanten an meine Seite stellen.«
»Nein«, antwortete der Fremde trocken, »Ihr würdet ihn ins Gefängnis werfen.«
Und er zog seine Visitenkarte hervor. Es war Giuseppe Mazzini, der erbittertste Gegner Cavours.