Der Schweiger (Moltke) – Anekdote

Der Ursprung des Balletts findet sich in Italien. Dort wurden während der Renaissance an den Fürstenhöfen allegorische Darbietungen gezeigt, die meistens pantomimische Maskentänze waren. Durch die Heirat Katharinas de’ Medici (1519-89) mit Heinrich II. von Frankreich kamen zahlreiche Künstler aus Italien an den Pariser Hof. Das französische höfische Ballett bestand damals aus einer Reihe von »Entrees« (Vorspielen), in denen maskierte Tänzer in kunstvollen Kostümen auftraten. Diesen Vorspielen folgte das »Grand Ballet«, an dem gewöhnlich auch das Königspaar teilnahm. Den Entrees für die Ballette Ludwigs XIII. (1601-43) lag meist ein Thema zugrunde, das in Dialogen oder Gesängen erläutert wurde. Höfisches Ballett in Italien und Frankreich
Das erste berühmte Ballett war das »Ballet comique de la Reine«, mit Baltazarini (gest. 1587) als Choreograph, das 1581 anlässlich der Hochzeit Margarethes von Lothringen mit dem Herzog von Joyeuse am französischen Hofe aufgeführt wurde. Diese Aufführung steht am Anfang des »Ballet de Cour« (höfisches Ballett) und war in dieser Form Vorbild für fast alle Fürstenhöfe Europas (Frankreich, Italien, Deutschland, Skandinavien). Zu den berühmtesten höfischen Ballettaufführungen gehörten »Die Befreiung des Tirrenio« 1616 in Italien und »La Delivrance de Renaud«, das ein Jahr später am französischen Hof aufgeführt wurde. Viele Ballette hatten politische Bedeutung. So behandelte »La Delivrance de Renaud« die Spannungen zwischen Osterreich, Spanien und Frankreich. Ludwig XIII. wollte mit diesem Ballett dem spanischen und dem österreichischen Gesandten demonstrieren, dass er seiner Frau Anna von Osterreich noch immer treu ergeben sei. Das Goldene Zeitalter des Balletts begann unter Ludwig XIV. (1638-1715), dem »Sonnenkönig«. Während seiner Regierung erreichte das Ballett einen unvergleichlichen Höhepunkt mit Aufführungen, die von Charles Louis Beauchamps (1636-1705) choreographisch und von Jean Baptiste Lully (1632-87) musikalisch gestaltet wurden. Die Texte stammten von Moliere (1622-73), die Ausstattung von Jean Berain (1639-1711). Diese Ballette wurden manchmal auch im Freien aufgeführt. Berühmt in dieser Hinsicht war das Pferdeballett »Das Karussell Ludwigs XIV«, das 1662 vor dem Louvre stattfand. Zwei Jahre später wurde »Le Palais d’Alcine« im Park von Versailles gegeben, wobei man einen Teil desselben als eine Art Naturbühne benützte. Die Königliche Tanz- und Musikakademie
Da die Schritt Technik immer komplizierter wurde, waren unter Ludwig XTV. auch Berufstänzer zugelassen. 1661 gründete er die Königliche Tanzakademie (»Academie royale de danse«), die ein Lehrbuch der Bühnenschritte erarbeiten und den Laien in die hohe Kunst des Balletts einführen sollte. Damit wurde Frankreich im Ballett führend. Die Königliche Musikakademie (»Academie royale de musique«, heute die Oper in Paris) wurde 1669 gegründet. Drei Jahre später beauftragte Ludwig XIV. den Komponisten Jean Baptiste Lully, der Akademie eine Schule anzugliedern, deren Schüler nicht nur im Tanz, sondern ebenso im Gesang, im Violinspiel oder an anderen Instrumenten ausgebildet werden sollten. Um die Jahrhundertwende vereinte man im Ballett noch Tanz, Musik und Gesang – mit anderen Worten, es handelte sich um Opern, in denen der Tanz dem Gesang untergeordnet war. In John Weavers Ballett »Die Liebe von Mars und Venus« (1717) mussten dann Tänzer allein den dramatischen Ablauf verdeutlichen, hier wurde auch beim Pas de deux zum ersten Mal ein klarer Unterschied zwischen den Schritten des Tänzers und der Tänzerin gemacht. Die Tänzer: Lehrer und Schüller
Das 18. Jahrhundert erlebte den Aufstieg vieler berühmter Tänzerinnen wie Marie Anne de Cupis de Camargo (1710-70), Marie Salle (1707-56), Marie Madeleine Guimard (1743 – 1816) und von Tänzern wie Vater und Sohn Vestris sowie Pierre Gardel (1758-1840). Gaetano und Auguste Vestris traten im Ballett von Jean Georges Noverre (1727-1810) auf, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Balletts. Noverre übertrug in die Praxis, was er an Theorien in seinem Werk »Briefe über die Tanzkunst« (1760) entwickelt hatte. Er schlug Reformen vor, z. B. keine Masken mehr zu verwenden (was Maximilien Gardel, 1741-87, durchführte) und die Reihenfolge konventioneller Tänze durch das sogenannte »Handlungsballett« zu ersetzen, in dem Tanz mit einer Handlung verknüpft ist (Beispiele: »Don Juan« von Christoph Willibald Gluck, 1761, »Die Geschöpfe des Prometheus« von Beethoven, 1801). Hinzu kam ein neues Genre, das Schäferspiel (z. B. Mozarts »Les petits riens«, 1781), das schließlich zum realistischen Ballett überleitete. Ein Vertreter dieser Richtung war Noverres Schüler Dauberval (1742-1806), der 1789 in der ersten Ballettkomödie »La Fille mal gardee« (Die schlecht behütete Tochter) anstelle von Hirten und Hirtinnen Personen aus dem Volke auftreten ließ. Charles Didelot (1762-1837), der abwechselnd mit Dauberval, Noverre und Auguste Vestris unterrichtete, vereinigte die Bemühungen seiner drei Lehrer. Für sein Ballett »Flore et Zöphyre«, das 1796 am Königlichen Theater in London aufgeführt wurde, kreierte er den Spitzentanz (in Tanzschuhen mit ausgestopften Spitzen). Die Anfänge des Spitzentanzes ebneten den Weg für das romantische Ballett des frühen 19. Jahrhunderts, in dem das Ballett seine »klassische« Form fand.