Geburtstag (Goethe) – Anekdote

Der treue Diener Goethes, Karl Stadelmann, erhielt am 27. August Befehl, zwei Flaschen Rotwein nebst zwei Gläsern heraufzubringen und in den sich gegenüberliegenden Fenstern aufzustellen. Nachdem dies geschehen, beginnt Goethe seinen Rundgang im Zimmer, wobei er in abgemessenen Zwischenräumen an einem Fenster stehenbleibt, dann am andern, um jedes Mal ein Glas zu leeren. Nach einer geraumen Weile tritt der Leibarzt Rehbein ein.
Goethe: »Ihr seid mir ein schöner Freund! Was für einen Tag haben wir heute und welches Datum?«
Rehbein: »Den 27. August, Exzellenz.«
Goethe: »Nein, es ist der 28. und mein Geburtstag.«
Rehbein: »Ach was, den vergesse ich nie; wir haben den 27.«
Goethe: »Es ist nicht wahr! Wir haben den 28.«
Rehbein: (determiniert) »Den 27.«
Goethe: (klingelt, Karl tritt ein) »Was für ein Datum haben wir heute?«
Karl: »Den 27., Exzellenz.«
Goethe: »Dass dich – Kalender her!« (Karl bringt den Kalender).
Goethe: (nach langer Pause) »Donnerwetter! Da habe ich mich umsonst besoffen.«