Unnötige Sorge (Wieland) – Anekdote

Als Christoph Martin Wieland in seiner schwäbischen Heimat Biberach noch als Kanzleidirektor wirkte, erschien eines Tages ein Landgeistlicher bei ihm, der sich als Amtsbruder seines verstorbenen Vaters zu erkennen gab. Er versuchte, Wieland ins Gewissen zu reden, und legte ihm nahe, sein Dichten einzustellen.
»Was geschieht«, sagte der Geistliche beschwörend, »wenn ihre schlüpfrigen Verse Ihren armen Kindern in die Hände fallen sollten?«
»Da können Sie unbesorgt sein, Hochwürden«, antwortete Wieland bestimmt, »die Moral, zu der meine Frau unsere Töchter erzieht, ist so stark, dass sie durch die Lektüre meiner armseligen Schriften nicht angefochten werden kann.«