Dichtersorgen (Grillparzer) – Anekdote

Grillparzer sollte einmal eine kleine Gesellschaft besuchen, was er stets nur ungern tat. Auf langes Zureden, auf die Versicherung, es kämen »lauter Freunde«, schien er das anfängliche Weigern lassen zu wollen, aber er wünschte doch genau zu wissen, wer denn alles käme. Bei den ersten Namen, die ihm genannt wurden, nickte er anscheinend zufrieden. Da hieß es »Hebbel«. Nun hob Grillparzer kopfschüttelnd den Blick zu dem einladenden Freunde und meinte:
»Da erlauben Sie mir, dass ich doch nicht gehe!«
»Aber warum?« fragte der zurück, »Sie kennen ja Hebbel und schätzen ihn, wie ich aus Ihrem Munde oft vernommen«.
»Ja, ja«, replizierte darauf der Dichter, »alle Achtung vor dem, was er schreibt – aber sehen Sie, ich bin doch nicht heimisch in seiner Nähe. Ich fürchte mich ordentlich vor ihm. Er ist mir zu gescheit – er wirft da oft ein so kurioses Thema auf – er ist zum Beispiel imstande und fragt: Was ist Gott? Ja, ich weiß es nicht … Er weiß es aber – und sehen Sie, da kann ich nicht mitreden.