Bestrafter Witz (Nestroy) – Anekdote

Trotz zahlreichen Verboten und Strafen konnte Nestroy auf seine Witze nicht verzichten. An dem Abend, als der Prinzregent von Preußen in Königsberg gekrönt wurde, spielte Nestroy in einer Operette die Rolle des Unterweltgottes Orpheus.
In dem Dialog, den er mit seinem dürrbeinigen Diener Styx führt, befiehlt er ihm: »Styx, geh bring mir die Kron!« Dieser reicht ihm eine aus Papier. »Leg sie auf den Tisch«, kommandiert der Herr. Der Diener tut wie befohlen. Nun greift Nestroy danach, setzt sie sich mit den Worten auf:
»Und so nehme ich die Krone vom Tische des Herrn!«
Die Zuhörer verstehen die Parodie auf den Preußenkönig und brechen in Lachen aus.
Fünfzehn Gulden Strafe sind die Folge.
Ganz Wien weiß es und am folgenden Abend ist das Theater voll von Verehrern und Erregung. Wieder kommt die gleiche Szene. Wieder sagt Nestroy: »Styx, geh bring mir die Kron!« Pause. Die Aufregung wächst.
Der Diener bringt sie zögernd, Nestroy nimmt sie, besieht sie, setzt sie schweigend auf sein Haupt, wischt sich den Mund und brummt: »Ich hab’ mirs was kosten lassen …«.
Begeistertes Lachen ertönt als Beifall.