Eine Ernennung (Liliencron) – Anekdote

»Meine Kritiken«, erklärte Liliencron einmal, »sind zu subjektiv, weil ich Herztöne habe und warmer Begeisterung fähig bin – was die Welt nicht mag …« So finden sich rührende Beweise dafür, dass er sich junger Dichter angenommen hat, bei denen er eine echte Begabung vermutete. Andererseits konnte er freilich »die saft- und kraftlosen Kerls« recht grob behandeln, die den andern nur im Lichte standen und »in Deutschland alles noch trostloser machten …«
Ein eingebildeter Jüngling, der den Pegasus in diesem Sinne ritt, schickte seine Musenkinder an Liliencron.
»Sollte Ihr Urteil wider Erwarten schlecht ausfallen«, schrieb er dabei mit gezierter Bescheidenheit, »ich fühle mich auch dann geadelt, wenn mich ein großer Mann mal tadelt.«
Liliencrons Kritik lautete kurz und bündig:
»Betrachten Sie sich von mir als zum Großherzog ernannt!«