Auf den Beruf kommt es an (Ibsen) – Anekdote

Bei einer Festlichkeit war Ibsen ein wenig unsanft an den Dichter Martin Greif geraten.
Obwohl an dem Abend tüchtig gebechert wurde, vergaß der nordische Dichter den kleinen Zwischenfall nicht.
Als er in später Stunde mit M. G. Conrad nach Hause ging, kam er wieder darauf zurück.
»Was wollte denn eigentlich dieser Martin Greif?« knurrte er. »Ich verstehe ihn nicht. Er schreibt Dramen von Leuten, die längst gestorben sind, statt sie in ihren Gräbern ruhen zu lassen. Jetzt ist er an den bayrischen Fürsten, nachher kommen wahrscheinlich die Hohenzollern dran. Was gehen ihn denn die toten Könige an?«
Conrad meinte einlenkend:
»Aber, lieber Doktor, Sie haben ja auch den Catilina geschrieben!«
»Oho«, rief Ibsen überrascht, »das ist denn doch etwas anderes! Erstens war Catilina kein König, sondern ein Anarchist. Zweitens war ich zu jener Zeit, als ich das schrieb, kein Dramatiker, sondern ein Apotheker. Schreibt Martin Greif über Anarchisten? Ist er jemals Apotheker gewesen? Na, also!«