Das Duell (Dumas) – Anekdote

In Frankreich wurden literarische und sonstige Streitigkeiten zwischen Journalisten stets mit besonderer Heftigkeit ausgetragen. In keinem Lande findet man so viele Zweikämpfe zwischen den Männern der Presse wie in dem klassischen Lande der Diskussion. Nicht immer hat ein Zweikampf so traurig geendet wie das Duell, in dem Emile de Girardin, der Vorkämpfer der Geschäftspresse, den Journalisten Armand Carrel, den Vertreter des gesinnungsmäßigen Journalismus, niederschoß.
Alexandre Dumas hatte mehr Glück als der arme Carrel. Er geriet einst auf einer Gesellschaft mit einem Pressemann hart aneinander. Es gab so scharfe Worte auf beiden Seiten, dass die Beleidigungen nach Ansicht der Gäste nur durch Blut abgewaschen werden konnten.
So kam man schließlich überein, einer von den zwei Kampfhähnen müsse sich erschießen. Eine schwarze und eine weiße Kugel wurden in einen Hut gelegt. Wer die schwarze Kugel wähle, müsse sich gleich im Nebenzimmer mit einer Pistole erschießen.
Dumas traf das Los. Er nahm noch rührend Abschied von jedem einzelnen und begab sich, mit einer Pistole bewaffnet, in das Nebenzimmer. Bald darauf ertönte ein Schuss, und dann blieb es eine ganze Weile still, während die vor Kurzem noch so lustige Gesellschaft den Atem anhielt.
Da öffnete sich die Tür, und der gefeierte Romanschriftsteller erschien in seiner ganzen behäbigen Leibesfülle. Lächelnd löste er das Rätsel, indem er mit gut gespieltem Bedauern sagte: »Leider habe ich mich selbst verfehlt!«