Kellner (Wagner) – Anekdote

Felix Mottl war als noch recht junger Mann bei den Walküre-Proben bei den ersten Bayreuther Festspielen tätig. Die glühende Sommerhitze hatte alle Teilnehmer schlapp und gereizt gemacht, doch Mottl war zum ersten Mal in seinem Leben auf der Bühne mit einer Aufgabe betraut: Er musste bei einem bestimmten musikalischen Einsatz einem Bühnenarbeiter das Zeichen geben, eine Tür aufzumachen. Unterm Arm die Partitur, wanderte er herum, als er plötzlich Richard Wagner in Person erblickte, der sich offensichtlich suchend umblickte.
»Darf ich Ihnen behilflich sein, Meister?« erkundigte sich eifrig der junge Mann.
»Gewiss, mein Sohn, gewiss«, erwiderte Wagner.
»Meinen Sie, Sie könnten mir irgendwie ein Glas Bier besorgen?«
Mottl warf die Partitur auf ein Tischchen, sprang blitzschnell über die Straße zu einem Wirtshaus, erhielt das Bier und kam stolz zurück, um es Wagner zu überreichen. Unterdes hatte er jedoch seinen Einsatz verpasst, die Tür war nicht aufgerissen worden, und die Probe musste abgebrochen werden.
Als er nun mit dem Bier in der Hand daherkam, entdeckte ihn Wagner. »Wo zum Teufel haben Sie denn gesteckt?« donnerte er ihm entgegen. »Sie haben Ihren Einsatz verpasst! Sind Sie hier als Regieassistent oder als Kellner engagiert?«
Und mit einem wütenden Blick auf das Glas in der Hand des Unglücklichen schnauzte er: »Trinken Sie das verdammte Bier selber!«

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Info 20.11.2017 08:53
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