Mitleidiger Kosak – Anekdote

Nach der Eroberung des Schipkapasses, dessen Verteidigung die Türken ungeheure Opfer gekostet hatte, und bei der die Russen alles niedermetzelten, was sich ihnen in den Weg stellte, begegnete einem General ein Kosak des 26. Donkosakenregiments. Mit wildem Bart, blutbesudeltem Mantel, zerrissenen Beinkleidern saß er auf seinem zottigen Gaul, bemüht, ein dickes Bündel unter dem Mantelschloss zu verbergen.
»Was hast du da?« fragte der General.
Der Kosak zögerte.
»Los – zeigen!«
Die harte Kosakenpranke, die soeben noch die todbringende Waffe geschwungen hatte, hob den Mantelzipfel hoch. Ein schwarzäugiges, kraushaariges kleines Türkenkind schaute verwundert hervor. »Man kann das verlassene, unschuldige Kindchen doch nicht umkommen lassen«, erklärte der Kosak verlegen, »werd’s mit heimnehmen!«