Falsche Entscheidung (Mascagni) – Anekdote

Ein schüchterner junger Mann stand zitternd in Giulio Ricordis Privatbüro. Vor vier Wochen hatte er dem großen Verleger seine erste Oper vorgelegt, und jetzt wartete er auf das Urteil.
»Nun, Signor Commendatore«, stammelte er, »haben Sie es sich überlegt?« Der mächtige Ricordi betrachtete ihn leutselig: »Ja, mein Freund, ich habe es mir überlegt. Ich habe Ihre Oper durchgesehen. Ich gebe zu, sie ist gewandt und gut ausgearbeitet, und Puccini empfahl Sie mir recht herzlich, aber die ganze Sache scheint mir kein Geschäft zu sein. Nein, ich glaube nicht, dass mein Verlag an Ihrem Werk interessiert ist.«
Der Verleger gab dem Komponisten die Partitur, schüttelte ihm die Hand und geleitete ihn höflich zur Tür. Dann ging er zu seinem Schreibtisch zurück und nahm seine normale Arbeit wieder auf. Dies war ein höchst unglücklicher Morgen für Ricordi, denn an diesem Tag hatte er eine Summe von etwa zweieinhalb Millionen Pfund zum Fenster hinausgeworfen und mit ihr die Ehre, der Entdecker von Pietro Mascagni und seiner »Cavalleria rusticana« zu sein.