Kompositionsunterricht (Gershwin) – Anekdote

Als Gershwin eines Tages vernahm, dass Strawinsky in New York sei, schrieb er ihm, ob er bereit sei, ihn zu empfangen, und es evtl. in Betracht ziehen würde, ihm Kompositionsunterricht zu geben. Strawinsky sagte zu, sich mit ihm einmal darüber zu unterhalten, und das Treffen fand in Gershwins luxuriöser Dachwohnung in der Park Avenue statt.
Der berühmte Gast schaute sich zunächst um und bewunderte pflichtschuldigst die reichen Kunstschätze. Dann setzten sich die beiden zu einem Glase nieder, und Gershwin fragte begierig: »Wie steht es also, Maestro, mit meiner Bitte?«
»Nun«, begann Strawinsky etwas zögernd, »es ist dies sicherlich ein ehrenvolles und interessantes Ansinnen; ehe wir jedoch ins Einzelne gehen: wieviel verdienen Sie so im Jahr, Gershwin?« Etwas erstaunt über diese reichlich direkte Frage entgegnete Gershwin leicht errötend: »Wenn ich Ihnen die Wahrheit sage, werden Sie vermutlich überrascht und enttäuscht sein, da Sie allem Anschein nach fantastische Angaben über mein Einkommen gelesen haben müssen. Tatsache ist, dass ich in den letzten fünf Jahren nie mehr als jeweils etwa hunderttausend Dollar verdient habe. Aber es gibt nämlich wirklich so ein paar Burschen in Hollywood, die keine einzige Note schreiben können und dabei drei bis viermal soviel verdienen!«
Strawinsky traute seinen Ohren nicht. »Hunderttausend Dollar im Jahr! Wissen Sie, Gershwin, dass ich in meinem ganzen Leben noch nicht soviel verdient habe? Und da wollen Sie, dass ich Ihnen Unterricht gebe? Passen Sie auf: gehen wir doch lieber zusammen nach Hollywood und nehmen wir beide Stunden bei diesen Burschen dort.«

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Info 20.11.2017 08:42
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