Schallplatten (Klemperer) – Anekdote

Der berühmte Dirigent von Klemperer traf in London am Trafalgar Square den ihm befreundeten Schriftsteller Peter de Mendelssohn. Er erzählte diesem von seiner neuesten Schallplatten-Aufnahme der großen C-Dur-Symphonie von Mozart und fragte Mendelssohn, ob er diese schon kenne? Als er verneinte, ging Klemperer mit ihm in den nächsten Musikladen, um ihm die Aufnahme vorführen zu lassen. Das bedienende Fräulein fand jedoch die Platte nicht und holte den Rayonchef, einen etwas kessen jungen Mann mit modischem Vollbart.
Dieser legte Klemperer die Jupiter-Symphonie in vielfacher Ausfertigung vor: dirigiert von Beecham, Barbirolli, Bruno Walter und so fort. Klemperer meinte, er möchte unbedingt die von Klemperer hören, die aber offensichtlich nicht vorhanden sei. Als der Verkäufer angelegentlich die von Beecham empfahl und herablassend bemerkte, sie sei doch viel besser als die von Klemperer dirigierte, sagte dieser: »Ich weiß, ich möchte sie aber trotzdem haben; ich bin nämlich Klemperer!«
Der junge Mann schaute ihn einen Moment lang sprachlos an, fasste sich jedoch schnell und meinte: »Ach nee; und der kleine Herr da – neben Ihnen, das ist wohl Mozart, wie?«
»Nein«, sagte da Klemperer mit feinem Lächeln, Nein, »das ist nun wieder Mendelssohn!«