Ein wütender Maler (Lenbach) – Anekdote

Als Lenbach den Verdienstorden der Bayerischen Krone, mit dem der persönliche Adel verbunden war, verliehen wurde, schob er ziemlich lange hinaus sich zu bedanken. Nach Fertigstellung der Prinzregentenbrücke, über die er sich ärgerte, machte er sich auf in die Residenz. Auf Befehl des Prinzregenten hatte das kgl. Hofbauamt, das die Brücke entworfen hatte, oben auf die vier Eckpylonen vergoldete Kronen aufsetzen lassen. Die missfielen Lenbach ganz besonders.
Wütend stürmte er also in die Residenz, warf im Vorsaal des Empfangsraumes den Lakaien Hut und Mantel zu und wollte sofort auf die Türe zustürmen, hinter der der Regent Audienz hielt. Im letzten Augenblick gelang es noch Lenbach zurückzuhalten.
Der Adjutant sagte zu ihm: »Verzeihung, Herr Professor, aber ich muss Sie doch erst anmelden!«
»Net nötig! Bin gleich fertig!«
»Aber es ist doch Vorschrift. Außerdem ist noch der Herr Kultusminister drinnen.«
»Was, der Depp? Da kommt doch seiner Lebtag nix Gscheites dabei raus!«
Nachdem der Minister den Audienzsaal verlassen hatte, rannte Lenbach ohne viel Umstände hinein und sprudelte seinen »alleruntertänigsten« Dank für die ihm verliehene Auszeichnung heraus. Der Regent fragte Lenbach, ob er ihm sonst noch einen Gefallen erweisen könne.
»Dös schon, Königliche Hoheit!« erwiderte Lenbach, »lassen S’ dem Idioten, der die geschmacklosen Kronen auf die neue, scheußliche Brücke hat setzen lassen, den Kopf runterhauen.«
Daraufhin war Lenbach wieder einmal in Ungnaden entlassen.