Grässlich (Lovis Corinth) – Anekdote

Der Maler Lovis Corinth hatte während einer Reise auf einer kleinen Umsteigestation zwei Stunden Aufenthalt, die er in der Bahnhofswirtschaft verbrachte. Kurz nach ihm betrat ein Herr mit herrischem Benehmen den Gastraum. Er rief den Kellner und sagte barsch: »Mittagessen. Was haben Sie denn?«
»Wir haben Suppe, Herr Graf, Bouillon mit Mark.«
»Weiter nischt, is ja jrässlich!«
»Dann haben wir Karbonade, Hammelfleisch oder Kalbsbraten.«
»Weiter nischt, is ja jrässlich!«
»Der Herr Graf können auch Eierspeisen bekommen: Rühreier, Spiegeleier …« Der Kellner wurde immer devoter, der Gast immer unfreundlicher:
»Weiter nischt, is ja jrässlich.«
Corinth hatte am Nebentisch amüsiert zugehört. Als der Herr endlich doch eine Bestellung gemacht hatte, winkte er den Kellner zu sich und näselte ihn an:
»Kellner, was zu trinken. Was haben Sie denn für Bier
»Helles in Flaschen, mein Herr.«
»Weiter nischt, is ja jrässlich.«
Empört sprang der andere Gast auf und stellte Corinth zur Rede:
»Mein Herr, was erlauben Sie sich, mich hier frech zu kopieren? Sie scheinen nicht zu wissen, wen Sie vor sich haben? Ich bin der Graf von Ebenbach-Werdenfels-Punzig!«
Corinth blitzte ihn nur kurz von unten her an und versetzte ruhig:
»Weiter nischt, is ja jrässlich.«

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Info 20.11.2017 05:02
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