Der Ausweis (Tilla Durieux) – Anekdote

Kurz nach dem ersten Weltkrieg wurde Tilla Durieux an das Bayerische Nationaltheater berufen. Es war ihre größte Zeit.
Die politischen Wirren machten aber damals München sehr ungemütlich. Auf Schritt und Tritt musste man seinen Ausweis vorzeigen, sonst lief man Gefahr, festgenommen zu werden. Einmal ging die Durieux nachts nach der Vorstellung heim. Eine Straßenstreife hielt sie an und verlangte ihren Ausweis. Nervös kramte sie in ihrer Handtasche, bis sie einer der Soldaten fragte: »Freilein, wos macha S’ denn Überhaupts no so spät auf da Straßn?«
»Ich bin vom Theater.«
»So, vom Theater san S’? Nacha müaßn S’ an Ausweis ham, net?«
»Ja, den habe ich aber im Theater liegen lassen.«
»Schaun S’ nur, irgendwas wem S’ scho ham.«
Endlich fand Tilla Durieux einen Heimatschein, auf dem sie aber noch als Hofschauspielerin bezeichnet war.
»Wos, Sie san no königlich?«
»Aber nein, das war doch mein letztes Engagement, ich pfeife auf das Königliche!«
»No, wenn S’ aufs Königliche pfeifn, dann genga S’ halt hoam! Guat Nacht, Freilein!«
Und Tilla Durieux ließ sich das nicht zweimal sagen.

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Info 19.11.2017 11:33
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