Die Olympischen Spiele

Der Ursprung der Olympischen Spiele des Altertums reicht bis in die Zeit Mykenes (1600-1100 v. Chr.) zurück. Die Wettkämpfe bildeten einen Bestandteil der Fruchtbarkeitsfeste, die alljährlich in Olympia veranstaltet wurden. Nach der zweiten indogermanischen Einwanderung (1100-900 v.Chr.) trat die Verehrung des Himmelsgottes Zeus an die Stelle des Fruchtbarkeitskults, entsprechend wandelte sich der Charakter der olympischen Feiern. Nach längerer Unterbrechung wurden sie vom 9. Jahrhundert v. Chr. an alle vier Jahre als Hoch fest des Zeus veranstaltet. Die Spiele entwickelten sich nunmehr zu einem zentralen Ereignis im Leben der Griechen. In der klassischen Zeit standen 18 Wettbewerbe auf dem Programm. Dazu gehörten Lauf- und Wurfwettbewerbe, Pentathlon (Fünfkampf), Ringen, Faustkampf, Wagen- und Pferderennen. Startberechtigt waren nur freie Griechen. Frauen durften weder zuschauen noch teilnehmen. Den Siegern wurden hohe Ehren zuteil. Man bekränzte sie mit einem Zweig des heiligen Ölbaums und errichtete ihr Standbild neben den Statuen der Götter. In der Heimatstadt warteten beachtliche Privilegien auf die erfolgreichen Olympioniken. Der Verfall des Götterglaubens, der politische Abstieg der Poliswelt und das Aufkommen eines professionellen Athletentums führten in der Römerzeit zum Niedergang der Spiele. 394 n. Chr., nach der Erhebung des Christentums zur offiziellen römischen Staatsreligion, wurden sie vom oströmischen Kaiser Theodosius I. (347-395 n. Chr.) verboten. Die Olympischen Spiele der Neuzeit
Zu den wichtigsten Grundlagen der modernen Olympischen Spiele gehören die im 18. Jahrhundert in England aufgekommene Sportbewegung und das biologisch und ästhetisch bestimmte Lebensgefühl des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine wichtige Voraussetzung bildet auch die in der Klassik neu bewertete humanistische Bildungstradition, die sich am Geiste des Griechentums orientierte. Die seit 1875 in Olympia durchgeführten Ausgrabungen deutscher Archäologen (Curtius) haben die Wiedergeburt der Olympischen Spiele ebenfalls vorbereitet. Ihr eigentlicher Schöpfer ist der Franzose Pierre de Coubertin (1863-1937). Ihm ging es in erster Linie um die Erziehung der französischen Jugend. In Training und Wettkampf sollte der junge Mensch Selbstzucht und Selbstüberwindung lernen und auf diese Weise zu einem neuen, geheiligten Menschentum finden (religio athletae). Aus diesem (pseudo-)religiösen Aspekt der olympischen Idee erklären sich sowohl das Startverbot für Berufssportler als auch das Wesen der olympischen Symbolik und der Zeremonien. Der humane Aspekt, die friedliche Begegnung der Jugend über rassische und politische Grenzen hinweg, ist erst in neuerer Zeit in den Vordergrund gerückt. Auf Coubertins Anregung wurde 1894 anlässlich eines Kongresses für Leibeserzieher in Paris das Internationale Olympische Komitee (IOK, International Olympic Commitee, IOC) gegründet. Präsident war bis 1925 Baron Pierre de Coubertin, später folgten Avery Brundage (USA) und Lord Killanin (Großbritannien). 1896 fanden in Athen die ersten Spiele der Neuzeit statt. Sie werden – bei wechselndem Austragungsort – nach antikem Vorbild alle vier Jahre durchgeführt. 1916, 1940 und 1944 fielen sie wegen der Kriegsereignisse aus. Seit die Spiele 1912 in Stockholm ihre bis heute bestehende Form gefunden hatten, weiteten sich die Veranstaltungen immer mehr aus, die Zahl der teilnehmenden Nationen und die Zahl der Wettbewerbe hat ständig zugenommen. Seit 1924 gehören Winterspiele zum olympischen Programm. Spätestens seit Helsinki 1952 sind die Spiele zum Schauplatz politischer Prestigekämpfe geworden, was sich im sportlichen »Wettrüsten« der beteiligten Nationen wie auch in einem gewaltigen materiellen und personellen Aufwand für die Organisationen äußert. Höchste Instanz in allen olympischen Angelegenheiten ist das IOC mit ständigem Sitz in Lausanne. Es ist zuständig für Vergabe, Programm und Durchführung der Spiele. Rechtsgrundlage für alle Beschlüsse des IOC sind die »Olympischen Regeln«. Das IOC ist ein politisch unabhängiges, sich selbst, erneuerndes Gremium, dessen Mitglieder auf Lebenszeit gewählt werden. An der Spitze stehen ein Präsident und vier Vizepräsidenten mit einer Amtszeit von acht bzw. vier Jahren. Für Auswahl, Vorbereitung und Entsendung der Teilnehmer sind die Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der einzelnen Länder verantwortlich. 1949 wurde die Olympische Akademie gegründet, die sich mit den geistigen Fragen des Olympismus befasst. Ihr Sitz ist Olympia. Zeittafel der Olympischen Sommerspiele
1896: Athen, Griechenland
1900: Paris, Frankreich
1904: St. Louis, USA
1908: London, Großbritannien
1912: Stockholm, Schweden
1916: Berlin* Deutschland
1920: Antwerpen, Belgien
1924: Paris, Frankreich
1928: Amsterdam, Niederlande
1932: Los Angeles, USA
1936: Berlin, Deutschland
1940: Tokyo* Japan
1944: London* Großbritannien
1948: London, Großbritannien
1952: Helsinki, Finnland
1956: Melbourne, Australien
1960: Rom, Italien
1964: Tokyo, Japan
1968: Mexico, Mexiko
1972: München, Deutschland
1976: Montreal, Kanada
1980: Moskau, UdSSR
1984: Los Angeles, USA
1988: Seoul, Südkorea
1992: Barcelona, Spanien
1996: Atlanta, USA
2000: Sydney, Australien
2004: Athen, Griechenland
2008: Peking, China
2012: London, Großbritannien
2016: Rio de Janeiro, Brasilien
2020: Tokyo, Japan Zeittafel der Olympischen Winterspiele
1924: Chamonix, Frankreich
1928: St. Moritz, Schweiz
1932: Lake Placid, USA
1936: Garmisch, Deutschland
1940: *
1944: *
1948: St. Moritz, Schweiz
1952: Oslo, Norwegen
1956: Cortina d’Ampezzo, Italien
1960: Squaw Valley, USA
1964: Innsbruck, Österreich
1968: Grenoble, Frankreich
1972: Sapporo, Japan
1976: Innsbruck, Österreich
1980: Lake Placid, USA
1984: Sarajevo, Jugoslawien
1988: Calgary, Kanada
1992: Albertville, Frankreich
1994: Lillehammer, Norwegen
1998: Nagano, Japan
2002: Salt Lake City, USA
2006: Turin, Italien
2010: Vancouver, Kanada
2014: Sotschi** Russland *Weltkriege, keine Veranstaltungen
**Vorgesehen

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Info 22.11.2017 17:39
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