Die Arbeit: Organisation und Betrieb

Eine bloße Ansammlung von Menschen ist noch keine Gemeinschaft: Diese entsteht erst dann, wenn Menschen nicht nur nebeneinander leben sondern auch zusammenwirken. Diese Definition geht auf den englischen Philosophen Herbert Spencer (1820-1903) zurück. Er sagte: Eine Gruppe zerfällt erst dann nicht, wenn die Anstrengungen jedes einzelnen Gliedes mit denen der anderen vereint werden, um so die Bedürfnisse besser zu befriedigen, als es dies allein vermöchte. Die arbeitsteilige Gesellschaft
Die moderne, arbeitsteilige Gesellschaft ist nur durch planmäßige, rationale Kooperation in der Lage, ihre Mitglieder besser zu versorgen, als der einzelne allein das könnte. Eine Tätigkeit, die eine auf Dauer ausgerichtete planvolle Koordination von Menschen und Menschen darstellt, von Menschen und Sachen und schließlich von Sachen und Sachen zur Erreichung bestimmter Zwecke nennt man Organisation. Wenn Handlungen wirksam kombiniert werden sollen, muss man sie nach Zahl, Größe und Art richtig abmessen können. Organisation nennt man deshalb nicht nur die Tätigkeit, planmäßig bestimmte Ziele verwirklichen und ordnen zu wollen, sondern auch soziale Gebilde, deren Struktur vorwiegend Organisationscharakter haben, z. B. Firmen, Verbände und Parteien, liier geht es in erster Linie um den zielgerichteten Ordnungszusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und Tätigkeiten, der in einem Betrieb wie auch in allen anderen sozialen Gebilden mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Organisationen sind keine Erfindung der Neuzeit, sondern begleiten die Geschichte der Menschheit von Anbeginn, auch in der Tierwelt gibt es Organisationen, z. B. bei Bienen oder Ameisen. Der Begriff Organismus schließt nicht unbedingt ein, dass sich die Lebewesen ihrer bewusst sind. Auch Menschen erkennen oft das Maß ihrer Einordnung nicht und betrachten sie als Selbstverständlichkeit. Es gibt nicht nur verschiedene Grade der Organisation – von sehr lockeren bis zu außerordentlich festen Gebilden -, sondern auch verschiedene Arten von Organisation. Man kann diese am besten nach Max Weber (1864-1920) klassifizieren, und zwar nach der vorwiegenden Art des Handelns: 1. traditionell, d. h. ganz und gar durch eingelebte Gewohnheit bestimmt, 2. affektuell, d. h. durch aktuelle Affekte und Gefühlslagen bestimmt, 3. wertrationell, d.h. von dem bewussten Glauben an den Eigenwert eines bestimmten Verhaltens geleitet, 4. zweckrationell, d. h. durch rationales Abwägen in Bezug auf Zweck, Mittel und Nebenfolgen bestimmt. Voraussetzung für das Entstehen einer sozialen Organisation ist eine Funktion oder ein Zweck. Weil die möglichen Funktionen oder Zwecke in einer Gesellschaft äußerst zahlreich sind, können die sozialen Organisationen auch vielfältige Formen annehmen. Aus den Zwecken leiten sich immer auch die spezifischen Normen her, die die Verhaltenserwartungen in einer gegebenen sozialen Organisation umschreiben. Jedes Mitglied einer Organisation hat eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Zunächst unterscheidet man leitende und ausführende Funktionen. Darüber hinaus ist weitere Aufgabenteilung notwendig, die bei großen Organisationsgebilden zu einem verwickelten, meist hierarchischen Bau führen. Das beste Beispiel für eine zweckrationale Organisation ist ein Betrieb (Produktionsstätte) oder ein Unternehmen (rechtlich wirtschaftliche Einheit). Die Hierarchie im Betrieb ist Gegenstand eingehender Untersuchungen gewesen – vom Unternehmensleiter, der Führungsspitze, bis zum einfachen Arbeiter. Die wachsenden ökonomischen Tätigkeiten und die steigende technische Komplexität erfordern heutzutage von der meist kollektiv organisierten Unternehmens- oder Betriebsleitung ein hohes Niveau an administrativer und technischer Kompetenz. Die Stellung des Managements
Die Annahme, »Management« sei eine Gruppe von Personen mit gemeinsamen Interessen und sozialer Identität, ist umstritten. Betrachtet man Stellung und Handlungen der Mitarbeiter eines Unternehmens, so zeigt sich, dass sich Manager in verschiedener Hinsicht voneinander unterscheiden. Innerhalb einer Firma gehen Forscher und Verkaufsleiter eher Risiken ein und sind aufgeschlossener für Problemlösungen als z. B. Finanzdirektoren oder Qualitätskontrolleure. Machtkämpfe treten in jeder Organisation auf. Man konnte z. B. zeigen, dass ältere Manager ohne weitere Karriereaussichten »Cliquen« bildeten, um neue, aussichtsreiche Ideen und Entwicklungen zu bekämpfen, mit denen sich jüngere Manager identifizierten, diese bildeten ihrerseits Cliquen, im eigenen Interesse. Für die Technik der Unternehmensführung gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Im traditionellen autokratischen Management beanspruchen die Führungskräfte Macht, sie erwarten von den Angestellten, dass diese ihre Anweisungen befolgen. Der andere Führungsstil ist demokratischer: Management beruht hier viel mehr auf Führungsqualität als auf bloßer Macht. Dieser Stil bewirkt, dass jeder seine Fähigkeiten entfalten kann. Der Manager setzt hier Verantwortungsbewusstsein, Motivation und Leistungswillen, d. h. Identifikation mit den Zielen des Unternehmens, voraus. Diese Art der Unternehmensführung verringert bei den Angestellten das Gefühl der Entfremdung gegenüber den Produktionszielen, erleichtert die Identifikation des einzelnen mit dem Unternehmen, seinen Produkten und seinen Absichten. In der Management-Theorie wird die Zahl der Personen, die ein Manager direkt kontrolliert, als Management-Spanne bezeichnet. Wo die optimale Grenze der Personen liegt, die noch effektiv zu managen sind, ist umstritten. So riskiert beispielsweise ein Manager mit zu vielen Untergebenen Zeitverluste, weil er sich zu oft mit deren Problemen auseinandersetzen muss. Auf der anderen Seite muss ein Manager mit zu wenigen Untergebenen möglicherweise zu viele untergeordnete Arbeiten selbst verrichten. So ist die Management-Spanne also von den Fähigkeiten der Manager, den Untergebenen und der Arbeit abhängig. Organisationen mit einer kleinen Spanne [A] sind durch enge Koordination und Kontrolle gekennzeichnet. Jeder Manager arbeitet mit wenigen Personen zusammen, die Kommunikationskette ist lang. Bei einer größeren Spanne [B] ist es umgekehrt.

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Info 18.12.2017 00:11
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