Heinrichs Angriff auf väterliche, päpstliche und fürstliche Autorität

Trotz der Demütigung von Cividale ließ Heinrich nicht von seiner städtefreundlichen und fürstenfeindlichen (Privilegien- und Erwerbs-) Politik. Kompliziert wurde die allgemeine Lage in dieser Zeit noch durch die kirchliche Situation. Wie Italien und Frankreich wurde auch Deutschland von einer merkwürdigen religiösen Erregung ergriffen. Die Inquisition (siehe unten) hatte alle Hände voll zu tun, um gegen wirkliche und angebliche Ketzer vorzugehen. Besonders tat sich der frühere Kreuzzugsprediger und spätere Inquisitor für ganz Deutschland, Konrad von Marburg, als fanatischer Ketzerverfolger hervor. Auf sein Betreiben kam es im Westen Deutschlands zu wilden Verfolgungen, bei denen Habgier und Blutgier böse Triumphe feierten. Zu Ketzern wurden auch die Stedinger Bauern an der unteren Weser erklärt, weil sie es wagten, ihre überkommenen Rechte gegen den Erzbischof von Bremen zu verteidigen. Gegen sie wurde ein sogenannter Ketzerkreuzzug unternommen, der 1234 mit einem furchtbaren Blutbad unter den Bauern endete. Ein Umdenken bei den ›oberen Schichten‹ bahnte sich erst an, als die Beschuldigungen und Verdächtigungen auch vor hochadeligen Persönlichkeiten nicht haltmachten. Jetzt griff König Heinrich (VII.) ein. Er verbot mit einem allgemeinen Landfrieden im gleichen Jahr das zügellose Treiben der Glaubensschnüffler und Ketzerverbrenner. Konrad von Marburg war schon 1233 von einigen erbitterten Adeligen erschlagen worden. Aber auch diesmal passte Heinrichs (VII.) Politik, so vernünftig sie war, nicht ins Konzept seines Vaters: denn der war gerade in diesem Jahr wegen der Auseinandersetzungen mit den lombardischen Städten auf die Unterstützung durch den Papst angewiesen. Heinrichs (VII.) Selbstherrlichkeit störte das gute Einvernehmen zwischen Kaiser und Papst, er wurde gebannt, und der Kaiser rüstete sich zu einem Zug nach Deutschland. Auf diese Nachricht hin ließ Heinrich (VII.) jede politische Vernunft außer acht. Er erhob sich im September 1234 gegen den Vater und schloss mit dessen gefährlichsten Feinden, den Lombarden, ein Bündnis. Abgesetzt, gefangen und in die Verzweiflung getrieben
Auch diesmal erschien Friedrich II. ohne militärisches Gepräge, er wirkte durch kaiserlichen Prunk, mit dem er sich umgab, und durch die Pracht seines sizilianischen Hofstaates: Gold, Silber, fremdländische Menschen und exotische Tiere. Da hatte der Empörer Heinrich (VII.) keine Chance. Sein ohnehin bescheidener Anhang verlief sich rasch, und er selbst war auf Betreiben Hermanns von Salza bereit, sich zu unterwerfen. Gnade hatte er allerdings nicht zu erwarten. Im Juli 1235 wurde er auf einem Fürstentag in Worms abgesetzt und dann als Gefangener nach Apulien gebracht, wo er in harter Haft gehalten wurde, bis er 1242, vielleicht durch Selbstmord, endete. In der offiziellen Liste der deutschen Könige wird er nicht geführt, seine Herrscherzahl VII erscheint immer nur in Klammern. Inquisition (lat. inquirere: untersuchen, aufspüren)
War bis 1000 ein Verfahren zur Auffindung von Ketzern mit dem Ziel der Reinerhaltung des Glaubens. Als Strafe verhängt die Kirche anfangs nur Fasten, Wallfahrten oder Almosen, allmählich übernehmen weltliche Gewalten Strafen, die härter werden. Hand in Hand gehen Kirche und Staat bei der Ketzerverfolgung erst ab der Stauferzeit:
1184 Papst Lucius III. verschärft in Absprache mit Friedrich I. die Maßnahmen gegen Ketzer, Friedrich I. bedroht Ketzer und ihre Freunde mit der Reichsacht.
1224 verhängt Friedrich II. erstmals die Todesstrafe durch Verbrennung.
1352 genehmigt Papst Innozenz VI. die Anwendung der Folter. Religiöse, politische und wirtschaftliche Motive verquicken sich bei der Ketzerverfolgung, ganze missliebige Gruppen (z. B. die Juden und Mauren in Spanien) konnten deshalb ausgerottet werden.
Verfahren: Aufforderung, der Ketzer solle sich stellen, die Gläubigen sollen Anzeigepflicht erfüllen – Vorladung/Verhaftung – Untersuchung mit dem Ziel des Schuldbekenntnisses (Folter). Rationalisierung und Verschärfung des Verfahrens in der frühen Neuzeit. In Deutschland wurde der Inquisitor Konrad von Marburg erschlagen, danach kam die Inquisition bis zu den Hexenprozessen im 15. Jahrhundert etwas zur Ruhe. Die Inquisition bestand in vielen Ländern bis ins 19. Jahrhundert (bis 1859 in Italien, 1834 in Spanien).