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Friedrich II. – Mongoleneinfall und der Krieg mit den Lombarden und Gregor IX.

Am 27. November traf Friedrich II. bei Cortenuova (zwischen Mailand und Brescia) auf das Heer der lombardischen Städte und errang einen so vollständigen Sieg, dass er in der ersten Begeisterung in einem Brief behauptete, die Grabstätten hätten nicht ausgereicht, um die toten Feinde alle aufzunehmen, und die Paläste Cremonas nicht, um alle Gefangenen zu fassen. Dieser Ton lässt ahnen, dass der Kaiser auf der Höhe seines Triumphs das Augenmaß für das politisch Kluge verlor. Wie ein römischer Triumphator zog er in der befreundeten Stadt Cremona ein und führte die Gefangenen mit sich. Den Fahnenwagen der Mailänder zog ein Elefant, auf dessen Rücken in einem hölzernen Turm die Posaunisten standen, überragt von den kaiserlichen Bannern. Der unterlegene Feldherr wurde, an einen Mast gebunden, mitgeführt. Als er den Wagen nach Rom bringen und auf dem Kapitol aufstellen ließ, musste sich der Papst herausgefordert fühlen, mochte ihn Friedrich II. auch seiner »kindlichen Ergebenheit« versichern. Die Mailänder waren nach der Katastrophe von Cortenuova durchaus geneigt, große Zugeständnisse zu machen, wenn ihnen der Kaiser den Frieden bot. Der aber lehnte, verblendet durch den Erfolg, alle vernünftigen Angebote ab und forderte bedingungslose Unterwerfung. Diese Forderung lehnten die Mailänder und mit ihnen fünf andere Städte ab, und der Erfolg gab ihnen recht. Friedrichs II. Versuch, Brescia zu erobern, scheiterte, das kaiserliche Heer musste sich nach ein paar Monaten unter beträchtlichen Verlusten zurückziehen. Nach dieser ›Schlappe‹ des Kaisers trat ein allgemeiner Umschwung ein. Viele, die bisher zu ihm gehalten hatten, fielen ab, die alten Gegner regten sich wieder, und Papst Gregor IX. fühlte sich stark genug, um am 20. März 1239 (Palmsonntag) zum zweitenmal den Bann über Friedrich II. zu verhängen. Dieser hatte durch eine Eheverbindung zwischen seinem Sohn Enzio und der Erbin des Papstlehens Sardinien Unruhe gestiftet und den Papst damit gewaltig verärgert. Von tiefer Bedeutung war es auch, dass am selben Tag im fernen Salerno Hermann von Salza starb, der Mann, der immer wieder den Ausgleich zwischen Kaiser und Papst vermittelt hatte. Die neue Phase des Kampfes wurde zunächst durch eine ungeheure Propagandaschlacht eingeleitet, in der schwerstes Geschütz aufgefahren wurde. Nichts Geringeres warf man dem Gegner vor als die Schmähung und Schändung des Heiligsten. So rief der Kaiser in einem Rundschreiben die Fürsten pathetisch auf, die Kirche zu beweinen, »deren Fürst in ihrer Mitte, wie ein Löwe brüllt … und deren Priester das Heilige beschmutzt«. Nicht minder pathetisch sprach Gregor IX. über Friedrich II. im Ton der Apokalypse von der Bestie aus der Tiefe voller Namen der Lästerung, die ihren Mund öffne zur Schmähung des göttlichen Namens. Die Päpstlichen sahen in Friedrich II. den Antichrist, dem es zuzutrauen war, dass er den Leib des Herrn den Hunden zum Fraß vorwerfen wolle, den Gegnern Gregors IX. war er der Befreier, der Erlöser und Messiaskaiser. Friedrich II. selbst tat alles, um das Volk in dieser Meinung zu bestärken. Deshalb predigte er in Pisa über das Wort »Bereitet den Weg des Herrn« oder er bezeichnete seinen Geburtsort Jesi als »Unser Bethlehem«. Da dem Kaiser militärisch nicht beizukommen war, suchte Gregor IX. die Entscheidung auf einem anderen Feld. Auf einem allgemeinen Konzil, das an Ostern 1241 in Rom zusammentreten sollte, sollte die Mehrheit der kaiserfeindlichen Kirchenfürsten die Absetzung des Kaisers aussprechen. Da man mit Recht eine Störung der Anreise durch Friedrichs II. Häscher befürchtete, wählten die Prälaten aus Oberitalien, Frankreich und Spanien den Seeweg von Genua aus. Doch Friedrich II. hatte bereits vorgesorgt. Die genuesischen Schiffe wurden auf hoher See durch eine pisanische Flotte abgefangen. Die meisten Kirchenfürsten, darunter zwei Kardinäle, gerieten in Gefangenschaft und mussten den Weg in die Kerker Apuliens antreten. Ohne auf die weitverbreitete Empörung über sein Vorgehen zu achten, säuberte Friedrich II. den sizilianischen Klerus von seinen Gegnern und rückte dann mit einem Heer in den Kirchenstaat ein. Mittelitalien lag ihm zu Füßen, Rom selbst war greifbar nahe, und die Römer suchten sich wieder dem Sieger zu nähern. In diesem Augenblick der höchsten Spannung durchkreuzte der über neunzigjährige Gregor IX. zum letztenmal die Pläne des Kaisers. Er starb am 22. August 1241. Jetzt war es dem Kaiser verwehrt, Rom zu besetzen, denn er hatte immer betont, dass sein Kampf nicht der Kirche, sondern dem Machtanspruch Gregors IX. gegolten habe. So musste er sich gedulden, bis ein neuer Papst gewählt war, von dem er die Lösung aus dem Bann erhoffen konnte. Er ahnte nicht, dass eine dauerhafte Entscheidung über die Nachfolge auf Petri Stuhl erst zwei Jahre später fallen sollte. Der Mongolensturm
So verbissen und hasserfüllt war der Kampf zwischen den beiden nominellen Oberhäuptern der Christenheit, dass sie keinen Arm freihatten, um einer Gefahr zu wehren, die um diese Zeit dem ganzen christlichen Abendland drohte. Im Jahr 1240 erschienen im Osten Europas die Mongolen, von den Zeitgenossen Tataren genannt, unter ihrem Großfürsten Batu, der ein Enkel des Dschingis-Khan (Temudschin) war. Sie überrannten Russland, Polen und Ungarn und standen 1241 in Schlesien, wo sie am 9. April 1241 bei Liegnitz ein deutsch-polnisches Aufgebot vernichteten. Das Entsetzen, das dies »barbarische, gesetzlose und zügellose Volk« verbreitete, war ungeheuer, die Berichte der Chronisten erinnern an die Berichte aus der Zeit der Ungarneinfälle im 9. und 10. Jahrhundert. Einer von ihnen knüpft bei den Weissagungen des Jeremias (5, 15-17) an, wenn er schreibt, dass Gott ein Volk bringen werde, dessen Helden die Ernte verzehren, Söhne und Töchter fressen und die festen Städte mit dem Schwert verderben würden. Doch Mitteleuropa und der Westen kamen mit dem Schrecken davon. Nach ihrem Sieg von Liegnitz über Heinrich II. einen niederschlesischen Piastenherzog und seine Truppen, wandten sich die Mongolen nach Ungarn und zogen im nächsten Jahr wieder nach dem Osten ab, wo sich Thronstreitigkeiten abzuzeichnen begannen. Der Kaiser verfolgte diese Vorgänge mit Aufmerksamkeit, aber er griff nicht ein. So konnte auch das üble Gerücht verbreitet werden, er stehe mit den Barbaren in einem heimlichen Bund, um die Christenheit zu vernichten. In Wahrheit konnte er Italien nicht verlassen, weil er nach den Erfahrungen seines Kreuzzugs fürchten musste, dass ihm die Päpstlichen in den Rücken fallen würden. So fand der Kampf an den Grenzen Deutschlands, wie schon bei Bornhöved, ohne Mitwirkung des Kaisers statt. Text der Zeit – Der Mongoleneinfall von 1241
In diesem Jahr drang zu uns die Kunde von einem verderbenschwangeren Unheil, das über das christliche Volk kam, dem Einbruch der Tataren, vor deren Grausamkeit uns die Ohren klingen und die Herzen erbeben. Wie es heißt, kommen sie vom äußersten Skythien her, haben noch weit draußen über dem Asowschen Meer viele Völker jenseits des Meeres und am Meere überwältigt, das Russenreich unterworfen und sind dann in diesem Jahr um die Fastenzeit in Polen eingefallen, das sie größtenteils verheerten und ausplünderten, die Polen selbst vertrieben oder erschlugen sie. Die Tataren wüten gegen alle, sie schonen keinen Stand und keinen Mönchsorden. Herzog Heinrich von Schlesien, der sich ihnen mit noch einem Herzog in tapferem Kampf stellte, wurde bei Liegnitz besiegt, beide Herzoge und viele tapfere Ritter fielen, die Tataren schnitten Herzog Heinrich den Kopf ab und nahmen ihn mit. Dann wandten sie sich gegen Mähren und – man kann es kaum glauben – legten in einer Nacht und einem Tag den Weg von vier Tagereisen über reißende Flüsse zurück, mit Ausnahme der Burgen und Festungen verwüsteten sie ganz Mähren. Bei ihrem Weitermarsch streiften sie auch das Gebiet der Diözese Meißen und erschlugen dort viele Menschen. Dann kamen sie nach Ungarn, vereinigten sich mit den grausamen Kumanen und wüteten mörderisch. Der Ungarnkönig Bela eilte ihnen entgegen und schlug mit einem äußerst starken Heer am Sajo sein Lager auf. Die Tataren aber setzten mit den Kumanen gegen Tagesanbruch oberhalb und unterhalb dieses Lagers geschickt über den Fluss und überraschten das Heer der Ungarn. Auf der Walstatt sollen 60000 Ungarn geblieben sein, darunter zwei Bischöfe, viele Deutsche, Franzosen, Edelherren und gemeines Kriegsvolk. Der König von Ungarn wandte sich als Flüchtling an den Herzog von Österreich und erbat dann die Hilfe des Kaisers, dem er für immer Unterwerfung versprach, falls er durch dessen Unterstützung sein Königreich zurückgewinne.
Aus: Chronica regia Coloniensis Cont. V (Königschronik von Köln).

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