Friedrich II. – Tragödie und Ende des staufischen Hauses

Im November 1250 widmete Friedrich II. sich in der Nähe seiner Lieblingsresidenz in Apulien der Jagd. Da erkrankte er plötzlich, wohl an einer Darminfektion. Man brachte ihn in das kleine Castel Fiorentino und rief die engsten Berater zusammen, darunter auch den 18jährigen Sohn Manfred. In ihrem Beisein regelte er die Nachfolge. Konrad IV. sollte das Erbe in vollem Umfang antreten, Manfred den Halbbruder als Statthalter in Sizilien vertreten. Stunden vor seinem Tod ließ er sich in die Kutte der Zisterzienser kleiden und empfing dann Absolution und Sterbesakramente. Am 13. Dezember starb er, nach den Worten eines Chronisten, »der größte der Fürsten der Erde, das Wunder und der Verwandler der Welt«. Der tote Kaiser wurde, wie er es gewünscht hatte, nach Palermo gebracht und dort im Dom neben seinem Vater Heinrich VI., neben seiner Mutter Konstanze und seiner ersten Gemahlin Konstanze in einem Porphyrsarkophag beigesetzt. Der Tod Kaiser Friedrichs II. wurde von den Zeitgenossen, von Anhängern und Gegnern, von Hochgestellten und von namenlosen Menschen aus dem Volk als ein tief einschneidendes Ereignis empfunden. Triumphierten die einen über das Ende des Mannes, der die ganze Welt verdorben habe, so klagt ein anonymer Chronist der Zeit in Italien, dass mit ihm alle Gerechtigkeit zu Grabe getragen worden sei. Besonders in Deutschland wollten es viele nicht glauben, dass der Kaiser gestorben sei, und liefen noch nach Jahrzehnten falschen Friedrichen nach, die hier und dort die Menge beunruhigten und Hoffnung auf Ruhe und Frieden im Reich erweckten. Die Gegenwart nach Friedrichs II. Tod sah freilich nicht so hoffnungsvoll aus. Zwar gelangte König Konrad IV., den Friedrich II. zum Alleinerben eingesetzt hatte, unter Vernachlässigung seiner Aufgaben in Deutschland nach Süditalien, wo er im Bund mit Manfred zunächst auch einige Erfolge erzielen konnte. Doch das ungewohnte Klima setzte ihm zu, Malariaanfälle häuften sich, und im Mai 1254 starb, 26jährig, Konrad IV., der letzte deutsche König aus dem staufischen Haus, ohne die Königskrone von Sizilien empfangen zu haben. Böswillige Zeitgenossen setzten das üble Gerücht in die Welt, Manfred habe seinen Bruder vergiften lassen. Zwei Jahre später kam der Gegenkönig Wilhelm von Holland bei einem Feldzug in Friesland um. Indessen suchte Manfred die staufische Herrschaft in Sizilien zu retten. 1257 ließ er sich in Palermo zum König krönen und überging damit bewusst die Ansprüche von Konrads IV. fünfjährigem Sohn Konradin, der in Deutschland erzogen wurde. Mit starker Hand setzte er seine Herrschaft durch und wirkte auch nach Oberitalien und selbst über Italien hinaus bis Dalmatien und Griechenland. Im gleichen Jahr wie Konrad IV. war auch Papst Innozenz IV. gestorben, aber der Hass gegen die Staufer lebte bei seinen Nachfolgern Urban IV. und Clemens IV. unvermindert weiter. Sie waren nicht weniger entschlossen, diese verhasste Dynastie vom Erdboden zu tilgen. Ihr Werk war es, dass 1266 Karl von Anjou, der Bruder des französischen Königs, in Rom mit dem Königreich Sizilien belehnt wurde und sich sogleich auf den Weg machte, um sein Reich zu erobern und tatsächlich in Besitz zu nehmen. Vergeblich wandte sich Manfred an das Solidaritätsgefühl der Römer, vergeblich stellte er sich dem Anjou entgegen. Am 26. Februar kam es bei Benevent in der Campagna zur Schlacht, in der Manfred das Leben verlor und Karl von Anjou ein Reich gewann. Französische Ritter gaben Manfred ein Grab, doch kirchlicher Hass reichte über den Tod hinaus. Der Erzbischof von Cosenza ließ die Leiche Manfreds noch einmal herausreißen und den Elementen preisgeben. Schlimmer als das Schicksal aller anderen Staufer, selbst als das Enzios in der lebenslangen Haft der Bolognesen, war das Schicksal, das die Familie Manfreds traf. Seine Witwe Helena und seine vier Kinder, alle unter sechs Jahren, gerieten auf der Flucht in die Hand des Anjou. Der ließ die Kinder von der Mutter trennen und gesondert einkerkern. Während Helena nach fünfjähriger Haft durch den Tod befreit wurde und die Tochter Beatrix nach 18 Jahren im Austausch gegen einen Sohn Karls von Anjou freigegeben wurde, vegetierten die drei Söhne Heinrich, Friedrich und Enzio bis zu ihrem Ende, wie Tiere in Ketten gehalten und allmählich erblindend und verblödend, jahrzehntelang in den Kerkern der Schlösser ihres Großvaters dahin. Das Ende des staufischen Kampfes um das Reich im Süden ist rasch erzählt. Im Herbst des Jahres 1267 zog der 15jährige Konradin mit wenigen Anhängern und fast mittellos von Schwaben aus über die Alpen. Seine Abstammung, sein gewinnendes Wesen, seine Jugend, die Abneigung gegen die Herrschaft des Papstes und des Anjou – das alles wirkt zusammen und sein Anhang vermehrte sich. Die Sarazenen seines Großvaters erwarten ihn in Lucera. Konradin steht auf der Schwelle, um das Reich seiner Vorfahren zu gewinnen – so wie einst Friedrich II. auf umgekehrtem Weg ein Reich gewonnen hatte. Aber das Schicksal entschied gegen Konradin. Am 23. August 1268 erlag sein Heer bei Tagliacozzo nordöstlich von Rom dem überlegenen militärischen Geschick Karls von Anjou. Konradin entkam zunächst an die Küste und wollte nach Sizilien übersetzen. Er wurde aber im letzten Augenblick ergriffen und an den Sieger ausgeliefert. Der ließ ihm als einem Rebellen und Majestätsverbrecher den Prozess machen, dessen Ausgang nicht zweifelhaft sein konnte. Am 29. Oktober 1268 wurde Konradin nach einer Scheingerichtsverhandlung zusammen mit zwölf seiner Freunde auf dem Markt von Neapel enthauptet.

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Info 22.11.2017 14:00
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