Johann Gottlieb Fichte – Kurze Biografie

Johann Gottlieb FichteUnbeugsam, engagiert und von überragender intellektueller Energie, spaltete der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (* 1762, † 1814) seine Bewunderer und Gegner in zwei unversöhnliche Lager. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte er das Glück, wegen seiner früh erkannten außerordentlichen Begabung gefördert zu werden. Nach Abschluss der Fürstenschule in Pforta/Thüringen studierte er Theologie und mit besonderem Interesse Philosophie. Völlig mittellos musste er jedoch das Studium abbrechen, um als Hauslehrer eine dürftige Existenz zu fristen. Als der Kontakt mit der Philosophie Kants eine »Revolution in seinem Kopfe und Herzen« entfachte, trat eine Wende in seinem Leben ein. Erste eigene Veröffentlichungen nach 1792 machten ihn mit Unterstützung Immanuel Kants rasch zu einem Begriff. Kaum war Fichte 1794 an die relativ liberale Universität Jena berufen, begeisterte sein kritischer und enthusiastischer Geist die Studenten, die vielfach seinetwegen nach Jena strömten. Der Professor mit dem trotzigen Gang und dem strafenden Blick wurde zu einer Berühmtheit. Seine philosophische Forderung nach einem autonom denkenden und handelnden Menschen war durchaus auch politisch zu verstehen. Er kam in den Verdacht jakobinischer und demokratischer Aktivitäten. Schließlich wurde ihm der schwerwiegende Vorwurf des Atheismus, der Gottlosigkeit, gemacht, der im Anschluss an den sogenannten ›Atheismus-Streit‹ zu seiner Entlassung führte. Dies geschah 1799 mit öffentlicher Unterstützung Johann Wolfgang von Goethes, der gleichzeitig privat notierte, Fichte »sei eine der tüchtigsten Persönlichkeiten, die man je gesehen«. Publikationen und Auseinandersetzungen mit Vertretern der Romantik füllten die nächsten Jahre aus, in denen er sich leidenschaftlich gegen Napoleon wandte. Ungeduldig die Befreiungskriege erwartend, hielt er patriotische Vorlesungen. Am 29. Januar 1814 starb mit Fichte einer der bedeutendsten modernen philosophisch-politischen Denker Deutschlands.