Gotthold Ephraim Lessing – Kurze Biografie

Gotthold Ephraim LessingLessing verkörpert den Typ des bürgerlichen »freien Schriftstellers« im 18. Jahrhundert und war der führende kritische Geist der Aufklärung. Der 1729 in Kamenz (Oberlausitz) geborene Pfarrerssohn studierte Theologie und Medizin in Leipzig, wandte sich aber bald der Dichtung zu. Schon mit 18 Jahren schrieb er galante Gedichte und sein erstes Lustspiel. Ab 1748 lebte er hauptsächlich in Berlin und Leipzig und betätigte sich auch journalistisch. Sein empfindsames Trauerspiel »Miss Sara Sampson« wurde 1755 erfolgreich aufgeführt; ab 1759 gab er »Briefe, die neueste Literatur betreffend« heraus, darunter die Kritik an Gottsched und die Würdigung Shakespeares. Gleichzeitig erschienen seine »Fabeln«. 1760-1764 war er Sekretär beim General von Tauentzien. In der Schrift »Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie« rückte Lessing 1766 von der Auffassung der Dichtung als Nachahmung der Natur ab: jede Kunst habe ihre eigenen Gesetze. Zeitweilig gerät Lessing, nun wieder stellenlos, in finanzielle Bedrängnis und muss sogar seine Bibliothek verkaufen. 1767 wird sein Lustspiel »Minna von Barnhelm« uraufgeführt, und Lessing beginnt mit der literaturtheoretischen »Hamburgischen Dramaturgie«. Als er 1770 Leiter der Wolfenbütteler Bibliothek wird, bessert sich seine wirtschaftliche Lage ein wenig. Mit seinem bürgerlichen Trauerspiel »Emilia Galotti« gelingt ihm 1772 ein soziales Drama von Rang. Im letzten Lebensjahrzehnt kränkelt Lessing ständig. Erst ab 1776 erhält er Zuwendungen durch den Herzog von Wolfenbüttel. Er heiratet, doch seine Frau stirbt kurz nach der Geburt eines Sohnes ebenso wie das Kind. Die Herausgabe der »Fragmente eines Ungenannten« bringt ihn in Konflikt mit der protestantischen Kirche. Der Herzog verbietet ihm die Veröffentlichung theologischer Schriften. Lessing macht nun das Theater zur Kanzel und schreibt sein Vermächtnis, den »Nathan« (1779). 1781 stirbt er in Braunschweig.