Johann Joachim Winckelmann – Kurze Biografie

Johann Joachim WinckelmannWinckelmann, der als Sohn eines Schusters am 9. Dezember 1717 in Stendal in der Altmark zur Welt kam, wuchs in kümmerlichen Verhältnissen auf. Der begabte Junge musste sich das Geld zum Besuch der Lateinschule als Kurrendesänger verdienen. Nach dem Studium der Theologie und anderer Wissenschaften, die ihn wenig befriedigten, suchte er als Hauslehrer und Konrektor am Gymnasium zu Seehausen sein Auskommen, überwarf sich aber bald mit engstirnigen Vorgesetzten und den Schülern, die sich von ihm überfordert fühlten. Die Jahre demütigender Abhängigkeit endeten 1748, als ihm die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Grafen Bünau angetragen wurde. In Dresden fand Winckelmann Zugang zu dem reichen kulturellen Leben der sächsischen Residenz. Nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche ging er 1755 mit einem Stipendium des Königs nach Rom, wo er rasch Karriere machte und zum Präsidenten der päpstlichen Antikensammlungen aufstieg (1763). Hier reiften die in Dresden grundgelegten »Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst« (1755) zu einem epochemachenden System wissenschaftlich-historischer Kunstbetrachtung. Nachahmung der Alten bedeutete für Winckelmann freilich nicht Imitation, sondern Neuschöpfung aus ihrem Geiste. Die verehrten Dichter Homer und Sophokles lieferten ihm durch die Anmut und Würde ihrer Poesie die Maßstäbe für eine umfassende Deutung der Kunst der Griechen aus den Voraussetzungen der Religion, Veranlagung und Lebensart dieses Volkes. In Skulpturen wie dem Apoll vom Belvedere sah Winckelmann das höchste Ideal der Schönheit und der Menschlichkeit verwirklicht. Indem er in seiner »Geschichte der Kunst des Altertums« (1764) die ästhetische Deutung mit der Forderung nach einer neuen Erziehung verband, wurde er zum Propheten des deutschen Idealismus. Auf der Höhe seines Ruhmes fiel der Begründer der klassischen Archäologie und der modernen Kunstwissenschaft 1768 in Triest einem Mord zum Opfer.

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Info 18.11.2017 13:05
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