Das klassische Weimar: Goethe, Herder und Schiller

Ein »unseliges Mittelding zwischen Stadt und Dorf« nannte Johann Gottfried Herder einmal nörglerisch Weimar. So unrecht hatte er damit nicht. Schon ein Blick auf den ältesten Stadtplan von 1593, der Städtchen und Schloss aus der Vogelperspektive zeigt und die räumliche Enge augenfällig werden lässt, scheint solches Urteil nur zu bestätigen. Trotzdem wurde diese kleine Stadt in der breiten Talmulde der Ilm im Herzen des Alten Reiches zu einem der bedeutendsten geistigen Zentren Deutschlands und fortlebend zu einem Symbol deutscher Geschichte und Kultur. Die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung waren dabei gar nicht so besonders, nicht besser und nicht schlechter als anderswo auch. Aus einer alten Burgsiedlung des 10. Jahrhunderts war um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Stadt entstanden, abseits der wichtigen Heer- und Handelsstraßen, eine Niederlassung von kleinen Handwerkern und Bauern, ein besseres Dorf also, das nur durch die Ummauerung ein wenig städtischen Charakter erhielt. Erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts änderten sich die Verhältnisse etwas, als Weimar Regierungssitz des sächsischen Herzogs wurde. Die neue Residenzstadt hatte wenig mehr als dreitausend Einwohner und etwa sechshundert Häuser. Zu den Bauern und Handwerkern gesellten sich nun aber als dritte und bald führende Schicht die Beamten und Hofbediensteten, die schließlich in zunehmendem Maß das Gesicht der Stadt prägten. Weimar unter Herzogin Anna Amalia
Allmählich gewann diese an kultureller Bedeutung, sie erhielt ein Schloss, in dem um 1700 eine der ersten kleinen Opernbühnen Deutschlands eröffnet wurde, eine Bibliothek und sogar eine Kunstsammlung. Letztlich unterschied sie sich aber nicht von den anderen kleinen Residenzstädten in den verschiedenen Fürstentümern. Und sicher hätte sich daran auch kaum etwas geändert, wäre die Entwicklung weiter ins Unbedeutende verlaufen, hätte nicht 1756 der damalige Herzog die Braunschweigische Prinzessin Anna Amalia (* 1739, † 1807), eine Nichte Friedrichs des Großen, geheiratet. Als der Herzog schon zwei Jahre danach starb, musste die knapp Zwanzigjährige für ihren einjährigen Sohn Karl August (* 1757, † 1828) die Regentschaft übernehmen. Nicht nur, dass sie mit erstaunlicher Energie die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse verbesserte und das Land aus seiner Armut herausführte, sondern dank ihrer weitgespannten geistigen Interessen gab sie auch den Anstoß für die glanzvolle Entwicklung des »Weimarer Musenhofes« und damit für das Aufblühen der kleinen Residenz. 1772 holte sie als Erzieher des Erbprinzen den Dichter Christoph Martin Wieland (* 1733, † 1813) nach Weimar. Dieser war bereits durch eine Reihe größerer Werke bekannt geworden und hatte mit seinem neuen Roman »Der goldene Spiegel« die Aufmerksamkeit der Herzoginmutter erregt. Mit ihm kam der erste bedeutende Dichter nach Weimar. Bis 1775 leitete er die Erziehung des Prinzen, und nach dessen Regierungsantritt konnte er sich, wohlversehen mit einer guten Pension, ganz seinen literarischen Arbeiten und seiner rasch wachsenden Familie widmen. Als Erzieher und Hofmeister für den jüngeren Sohn Constantin berief Anna Amalia 1774 den ehemaligen preußischen Offizier Carl Ludwig von Knebel (* 1744, † 1834), einen hochgebildeten und literarisch ungemein aufgeschlossenen Mann. Knebel war es auch, der 1774 anlässlich einer Reise die Bekanntschaft zwischen dem knapp achtzehnjährigen Herzog und den um acht Jahre älteren Johann Wolfgang Goethe (* 1749, † 1832) vermittelte. Carl August lud den schon berühmten Dichter des »Werther« und des »Götz« zu einem Besuch nach Weimar. Am 7. November 1775 traf Goethe in der Residenzstadt ein, für einige Wochen nur, wie er meinte; denn die Enge des Städtchens bedrückte ihn. Immerhin war die Einwohnerzahl schon auf sechstausend angewachsen, von denen etwa zwei Drittel, sei es als Beamte, sei es als Bedienstete, vom Hofe abhängig waren. Wieland mag dem Besucher mit wohl etwas gemischten Gefühlen entgegengesehen haben, hatte sich doch Goethe kurz zuvor erst recht despektierlich über seinen renommierten älteren Kollegen geäußert. Tatsächlich schienen Bedenken berechtigt; denn der junge Herzog und sein neuer Dichterfreund entwickelten bald ein recht munteres Treiben und verschreckten Hofschranzen wie biedere Bürger. Die Nachricht davon lockte aber auch verschiedene alte Gefährten Goethes aus dessen Studienzeit an. »Eine tolle Compagnie von Volk hier beisammen auf einem so kleinen Fleck«, konnte dieser schon 1776 befriedigt feststellen. Die Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz (* 1751, † 1792) und Friedrich Maximilian Klinger (* 1752, † 1831) gehörten dazu, ebenso der Kraftapostel Christoph Kaufmann (* 1753, † 1795) und später der Literaturkritiker Johann Heinrich Merck (* 1741, † 1791). Der Titel von Klingers Schauspiel »Sturm und Drang« gab der ebenso kraftmeierisch-genialen wie literarisch fruchtbaren Zeit den treffenden Namen. Der »Weimarische Musenhof«
Den Gegenpol zu den jungen Männern um den Herzog und Goethe bildete der »Weimarische Musenhof« um Anna Amalia. Auch dieser Kreis übte seine Anziehungskraft auf fremde Künstler und Wissenschaftler aus. Führender Kopf war hier Wieland, den die Herzoginmutter ungemein schätzte; die Kammerherren Friedrich von Einsiedeln (* 1750, † 1828) und Karl Siegmund von Seckendorff (* 1744, † 1785) gehörten dazu, dann der Verleger und Musiker Johann Joachim Christoph Bode (* 1730, † 1793), der von Hamburg nach Weimar übersiedelt war, der Dichter Carl August Musäus (* 1735, † 1787), damals Professor am Gymnasium, und nicht zuletzt das Hoffräulein Luise von Göchhausen (* 1752, † 1807), eine enge Vertraute und Gesellschafterin Anna Amalias. Gerade die Briefe dieser jungen Dame, die wegen ihres schlagfertigen Humors auch von Goethe hoch geschätzt wurde, vermitteln ein farbiges Bild des Hoflebens in der Umgebung der Herzoginmutter. Von diesem Musenhof gingen in den siebziger und achtziger Jahren wesentliche geistige Impulse aus, doch bildete er keinen bewussten Gegensatz zum Kreis um Goethe und den Herzog. Ein wichtiges Bindeglied zwischen beiden Gruppen war die Hofdame Charlotte von Stein, die Gattin des herzoglichen Oberstallmeisters, eine ebenso hochgebildete wie feinfühlige Frau. Mit dreiunddreißig lernte sie den um sieben Jahre jüngeren Goethe kennen, für den sie bald zur engen Vertrauten und Freundin wurde und den sie mit erstaunlicher Behutsamkeit zu lenken verstand. Ihr verdankte der ungestüme junge Dichter jene entscheidende persönliche Wandlung, die auch sein literarisches Schaffen nachhaltig beeinflusste. Minister Goethe
Die Hofschranzen sahen Goethe höchst ungern und fürchteten seinen Einfluss auf den Herzog. Solange er nur für dessen Vergnügen sorgte, mochte es noch angehen, aber sehr bald übertrug ihm Karl August auch wichtige Verwaltungsämter. Goethe versuchte, »wie einem die Weltrolle zu Gesicht stünde«, ließ sich mit Ämtern geradezu überhäufen, wurde Mitglied des Geheimen Consiliums und Präsident der Finanzkammer, kontrollierte die heimischen Bergwerke und führte sogar den Vorsitz in der Kriegskommission. Zwar bestimmte die Enge des Kleinstaats sein Wirken, aber seine Gegner mussten widerwillig das Engagement und die Erfolge des Neulings anerkennen, der die Verwaltung verbesserte, Reformen durchsetzte und dem es zu danken war, dass Karl August die eingefahrenen Bahnen des Absolutismus verließ und bald zu den fortschrittlichsten Fürsten seiner Zeit gehörte. Die »Sturm-und-Drang«-Periode war in wenigen Jahren überwunden. Schon 1778 schilderte Wieland den einst so misstrauisch aufgenommenen Kollegen als »reserviert, ernst und ganz auf seine Arbeit konzentriert«. Zu den offiziellen Pflichten kamen die freiwillig übernommenen kulturellen Aufgaben, vor allem die Förderung des Theaterwesens. Goethe mit seinem Schreiber JohnGoethe bei der täglichen Arbeit, seinem Schreiber John diktierend. Das Ölgemälde von Johann Joseph Schmeller aus dem Jahre 1831 gibt einen Eindruck von der Schlichtheit der persönlichen Arbeitsräume des Dichters in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Hier entstanden »Die Wahlverwandtschaften«, der »Westöstliche Divan« und »Wilhelm Meisters Wanderjahre«, aber auch der zweite Teil von »Faust« und die »Farbenlehre«. Das im letzten Weltkrieg teilweise zerstörte Arbeitszimmer wurde sorgfältig wieder rekonstruiert und hergerichtet, sodass es heute in seinem Originalzustand besichtigt werden kann. – Weimar, Thüringische Landesbibliothek. Begnügte man sich anfangs noch mit den herkömmlichen dilettantischen Aufführungen im Liebhaber-Theater, an denen Goethe auch mitwirkte, so ließ der Herzog schon 1779 ein eigenes Komödien- und Redoutenhaus bauen, für das er Berufsschauspieler verpflichtete und das er 1790 in ein Hoftheater umwandelte. Unter der Leitung Goethes begann ein entscheidender neuer Abschnitt deutscher Bühnengeschichte, und die hier entwickelten Grundsätze des klassischen Theaters wurden zum Vorbild für die Bühnen Deutschlands. Nach dem Umbau des Hauses 1798 erlebten die wichtigsten Schauspiele Goethes und Schillers hier ihre Uraufführung, so beispielsweise »Egmont« und »Tasso«, der »Wallenstein«, »Maria Stuart«, die »Jungfrau von Orleans« und »Wilhelm Teil«. Die kulturellen Aktivitäten in Weimar beschränkten sich nicht allein auf das Theater, sondern wurden sinnvoll ergänzt durch eine intensive Musikpflege. Hier war die Herzoginmutter weiterhin wegweisend, und unter ihrer Fürsorge blühte das Hoforchester, das Konzerte und Opernaufführungen veranstaltete. Mochte die Musik damals sehr zum Missfallen Goethes auch nicht über ein gutes Mittelmaß hinausgelangen, so wurde doch gleichzeitig die Grundlage für jene künstlerische Entfaltung geschaffen, die in der 2. Hälfte des Jahrhunderts Weimar auch im musikalischen Bereich eine führende Stellung in Deutschland verschaffte und die bis zum heutigen Tage in der Stadt wirkungsvoll geblieben ist. Journale, Zeitschriften, Almanache
Neben der allgemeinen Theaterbegeisterung fällt die publizistische Tätigkeit auf; man kann nur staunen über die vielen Journale, Zeitschriften und Almanache, die hier herausgegeben wurden. Wieland machte den Anfang mit seinem »Teutschen Merkur«, der von 1773-1789 und als »Neuer Teutscher Merkur« nochmals von 1790-1810 erschien und zeitweilig zu den angesehensten deutschen Literaturzeitschriften gehörte; daneben gab Wieland noch das »Attische Museum« heraus. Für den Freundeskreis um Anna Amalia erschien die reizvolle Privatzeitschrift »Journal von Tiefurt«. Und nach französischem Vorbild gründete der ungemein rege Weimarer Unternehmer und Verleger Friedrich Justin Bertuch (* 1747, † 1822) das »Journal des Luxus und der Moden«, eine der ersten literarisch-künstlerischen Modezeitschriften, die über Weimar hinaus einen breiten Leserkreis in ganz Deutschland erreichte. Für gehobene Ansprüche, dabei aber nicht weniger beliebt und gelesen, war die kulturhistorisch ausgerichtete Zeitschrift »London und Paris«, die Bertuch ebenfalls vertrieb, und schließlich ging auf seine Initiative auch die »Allgemeine Literaturzeitung« zurück, die von Weimar (und später von Halle) aus die Leser in Deutschland, England und Frankreich ansprach. Goethe selbst redigierte zwei kunsthistorische Zeitschriften, die »Propyläen« und in ihrer Nachfolge »Kunst und Altertum«. Im Kreis um Goethes Schwiegertochter erschien die unterhaltende Zeitschrift »Chaos«. Wenn man bedenkt, dass es daneben noch populäre Blätter wie Kotzebues »Literarisches Wochenblatt« gab, und dass Schiller von Weimar aus die »Neue Thalia« (erschienen in Jena) und die »Horen« (erschienen in Tübingen) redigierte, dass noch alljährlich verschiedene Almanache und Taschenbücher veröffentlicht wurden, und dass noch weitere kleinere Journale und Zeitschriften von meist kürzerer Lebensdauer erschienen, kann man annähernd das Ausmaß der publizistischen Flut und vor allem ihren bestimmenden Einfluss auf das literarische und künstlerische Leben in Deutschland erfassen. Text der Zeit
Begegnungen in Weimar 1787 von Friedrich Schiller

Ich besuchte also Wieland, zu dem ich durch ein Gedränge kleiner und immer kleinerer Kreaturen von lieben Kinderchen gelangte. Unser erstes Zusammentreffen war wie eine vorausgesetzte Bekanntschaft. Ein Augenblick machte alles. »Wir wollen langsam anfangen«, sagte Wieland, »wir wollen uns Zeit nehmen, einander etwas zu werden.« Er zeichnete mir gleich bei dieser ersten Zusammenkunft den Gang unsers künftigen Verhältnisses vor, und was mich freute, war, dass er es als keine vorübergehende Bekanntschaft behandelte, sondern als ein Verhältnis, das für die Zukunft fortdauern und reifen sollte. Erfand es glücklich, dass wir uns jetzt erst gefunden hätten. »Wir wollen dahin kommen«, sagte er mir, »dass einer zu dem andern wahr und vertraulich rede, wie man mit seinem Genius redet.« [...] Sein Äußeres hat mich überrascht. Was er ist, hätte ich nicht in diesem Gesichte gesucht – doch gewinnt es sehr durch den augenblicklichen Ausdruck seiner Seele, wenn er mit Wärme spricht. Er war sehr bald aufgeweckt, lebhaft, warm. Ich fühlte, dass er sich bei mir gefiel, und wusste, dass ich ihm nicht missfallen hatte, ehe ich’s nachher erfuhr. Sehr gerne hört er sich sprechen, seine Unterhaltung ist weitläufig und manchmal fast bis zur Pedanterie vollständig wie seine Schriften, sein Vortrag nicht fließend, aber seine Ausdrücke bestimmt. Er sagte übrigens viel Alltägliches, hätte mir nicht seine Person, die ich beobachtete, zu tun gegeben, ich hätte oft Langweile fühlen können. [...] Ich komme von Herdern. Wenn Ihr sein Bild bei Graff gesehen habt, so könnt Ihr ihn Euch recht gut vorstellen, nur dass in dem Gemälde zu viel leichte Freundlichkeit, in seinem Gesicht mehr Ernst ist. Er hat mir sehr behagt. Seine Unterhaltung ist voll Geist, voll Stärke und Feuer, aber seine Empfindungen bestehen in Hass oder Liebe. Goethen liebt er mit Leidenschaft, mit einer Art von Vergötterung. [...] Ich muss ihm erstaunlich fremd sein, denn er fragte mich, ob ich verheiratet wäre. Überhaupt ging er mit mir um wie mit einem Menschen, von dem er nichts weiter weiß, als dass er für etwas gehalten wird. Ich glaube, er hat selbst nichts von mir gelesen. Herder ist erstaunlich höflich, man hat sich wohl in seiner Gegenwart. [...] Er lebt äußerst eingezogen, auch seine Frau, die ich aber noch nicht gesehen habe. In den Club geht er nicht, weil dort nur gespielt oder gegessen oder Toback geraucht würde. Das wäre seine Sache nicht. Wielands Freund scheint er nicht sehr zu sein. Musäus hat er mir gerühmt. Er klagt sehr über viele Geschäfte und dass er zur Schriftstellerei wenig Zeit übrig behielte. [...] Dieser Tage habe ich in großer adliger Gesellschaft einen höchst langweiligen Spaziergang machen müssen. Das ist ein notwendiges Übel, in das mich mein Verhältnis mit Charlotten [von Kalb] gestürzt hat – und wieviel flache Kreaturen kommen einem da vor! Die beste unter allen war Frau von Stein, eine wahrhaftig eigene, interessante Person und von der ich begreife, dass Goethe sich so ganz an sie attachiert hat. Schön kann sie nie gewesen sein, aber ihr Gesicht hat einen sanften Ernst und eine ganz eigene Offenheit. Ein gesunder Verstand, Gefühl und Wahrheit liegen in ihrem Wesen. Diese Frau besitzt vielleicht über tausend Briefe von Goethe, und aus Italien hat er ihr noch jede Woche geschrieben. Man sagt, dass ihr Umgang ganz rein und untadelhaft sein soll. [...] Bertuch habe ich kürzlich besucht. Er wohnt vor dem Tor und hat ohnstreitig in ganz Weimar das schönste Haus. Es ist mit Geschmack gebaut und vortrefflich möbliert, hat zugleich, weil es doch eigentlich nur ein Landhaus sein soll, einen recht geschmackvollen Anstrich von Ländlichkeit. Nebenan ist ein Garten [...], der unter 75 Pächter verteilt ist, welche 1-2 Taler jährlich für ihr Plätzchen erlegen. Die Idee ist recht artig, und das Ökonomische ist auch dabei nicht vergessen. Auf diese Weise ist ewiges Gewimmel arbeitender Menschen zu sehen, welches einen fröhlichen Anblick gibt. Besäße es einer, so wäre der Garten oft leer. Am Ende des Gartens ist eine Anlage zum Vergnügen, die Bertuchs Geschmack wirklich Ehre macht. [...]Die Bertuchs müssen in der Welt doch überall Glück haben. Dieser Garten, gestand er mir selbst, verinteressiert sich ihm zu 6 Prozent, und dabei hat er das reine Vergnügen umsonst!
Aus: Briefwechsel Friedrich Schillers mit Christian Gottfried Körner. In: Schillers Briefe. SilhouettenmaschineVorläufer der fotografischen Aufnahme »Eine sichere und bequeme Maschine um Silhouetten zu ziehen.« Zeitgenössische Darstellung der Herstellung von Schattenrissen, die ähnlich beliebt waren wie heute Film und Foto. Weimar – kleinstädtische Kulturmetropole
Die rege geistige Tätigkeit übte wachsenden Anreiz auf bedeutende Künstler, Gelehrte und Literaten aus. Schon 1776 kam, von Goethe gerufen, sein Lehrer und Freund Johann Gottfried Herder, andere folgten, und der Kreis schloss sich, als 1799 Schiller (* 1759, † 1805) endgültig nach Weimar übersiedelte und hier in enger Freundschaft mit Goethe seine letzten großen Dichtungen schuf. Fruchtbare Wechselwirkungen ergaben sich auch durch die zahlreichen Besucher, die von der universalen Ausstrahlung der kleinen Residenz und ihrer illustren Bewohner angelockt wurden. Der »Elefant«, heute wieder das Nobelhotel der Stadt, beherbergte zahlreiche berühmte Persönlichkeiten. Kaum ein Monat verging, in dem Goethe nicht irgendeinen wichtigen Besucher empfing, ganz zu schweigen von der umfangreichen Korrespondenz, die er ebenso führte wie Herder, Wieland oder Schiller. Nur allmählich änderte sich in diesen Jahren das äußere Bild Weimars. So erhöhte sich bis 1802 die Zahl der Häuser nur um vierunddreißig. Trotz aller geistigen Ausstrahlungskraft auf der einen, blieb das Städtchen auf der anderen Seite erfüllt vom patriarchalisch-absolutistischen Geist des Hoflebens. »Sie sind bei Hofe …«, hatte schon 1789 der Russe Karamsin gespottet, als er bei einem Aufenthalt in Weimar seine angebeteten Geistesgrößen nicht antraf. Der Hof war und blieb eben der Mittelpunkt, daran änderte sich nichts. Erst nach 1815 wuchs die alte Residenz über ihre engen Grenzen und erhöhte sich die Einwohnerzahl sprunghaft, bis sie 1829, drei Jahre vor Goethes Tod, die Zehntausender-Grenze überschritt. Der Dichter selbst hatte sich nach 1790 von seinen offiziellen Verpflichtungen weitgehend zurückgezogen, nur die Oberaufsicht über das Bildungswesen behalten, dafür aber die künstlerische Leitung des Theaters übernommen. 1792 bezog er endgültig das repräsentative Bürgerhaus am Frauenplan, das ihm der Herzog schenkte und das bald zum geistigen Zentrum der Stadt wurde. Nach seinem Tode 1832 wurde es erst einmal still um Weimar. Doch seit der Jahrhundertmitte setzte unter der Regierung des Großherzogs Carl Alexander im »Silbernen Zeitalter« noch einmal eine Blüte von Kunst und Wissenschaft ein. Bekannte Schriftsteller ließen sich in der Stadt nieder, und mit Franz Liszt (* 1811, † 1886) und später mit Richard Strauß (* 1864, † 1949) wurde die Stadt noch zweimal Mittelpunkt deutschen Musikgeschehens.

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Info 20.11.2017 05:10
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