Rohstoffe aus dem Meer

In den Ozeanen sind große Mengen an wichtigen Rohstoffen enthalten. Im Meerwasser sind beinahe alle chemischen Elemente gelöst, viele von ihnen jedoch in so winzigen Konzentrationen, dass die Gewinnungskosten weit höher wären als der Wert des Elements. Rohstoffe im Meerwasser
Nur wenige Stoffe können wirtschaftlich aus dem Meerwasser gewonnen werden, dazu gehören Kochsalz, Magnesium und Brom. Salz wurde bereits seit frühesten Zeiten aus dem Meer gewonnen. Die dabei übliche Methode ist, flache Becken mit Meerwasser zu füllen, in denen zunächst ein Teil des Wassers verdunstet und Unreinheiten entfernt werden, dann wird die konzentrierte Salzlösung in eine zweite Salzpfanne übergeleitet und das restliche Wasser völlig verdunstet. Heute kommen etwa 30 Prozent der Salzproduktion der Erde aus dem Meer. Magnesium ist ein wichtiges Leichtmetall, das für Legierungen im Flugzeug- und Raketenbau und für Präzisionsgeräte verwendet wird. Noch vor dem II. Weltkrieg erzeugte Deutschland zwei Drittel der Weltproduktion an Magnesium. In Amerika und England begannen damals Versuche, dieses Element aus dem Meerwasser zu gewinnen. 1939 gelang es endlich, Magnesium als Hydroxid nach der Behandlung des Wassers mit Kalk zu konzentrieren. Heute werden ungefähr 66 Prozent der Weltproduktion auf diese Weise gewonnen. Auch das Element Brom wird großenteils aus dem Meerwasser extrahiert. Vor allem die Photo- und pharmazeutische Industrie benötigt Brom, es spielt auch bei der Herstellung oktanreichen Benzins eine Rolle. Die Gewinnung weiterer Stoffe aus dem Meer hängt von zwei Faktoren ab – den Kosten und der Technologie. Nur wenn die Förderungskosten auf dem Lande so hoch sind, dass sich die Anreicherung der im Meerwasser in winzigen Konzentrationen enthaltenen Elemente lohnt, kann daran gedacht werden, Methoden für eine Großproduktion zu entwickeln Und erproben. In trockenen, heißen Küstengebieten stellt das Meerwasser selbst eine wichtige Rohstoffquelle dar. Süßwasser kann aus dem Meerwasser durch Destillation oder auf chemischem Wege (Ionenaustauscher) gewonnen werden -allerdings unter sehr hohem Energiebedarf. Lagerstätten auf dem Meeresboden
Neben den im Meerwasser enthaltenen Stoffen liefern die Lagerstätten auf dem Grund des Meeres eine Reihe wichtiger Mineralien. Die meisten dieser Lagerstätten befinden sich in der Nähe der Küsten oder im Schelfbereich. Sand, Kies und auch Kalksteine werden für Bauzwecke an den Stränden und Küsten abgebaut. An manchen Stränden kommen Erzmineralien in ausreichender Konzentration vor. So enthalten z. B. die schwarzen Sande an der Atlantikküste von New Jersey/USA Ilmenit und Rutil (Titan-Mineralien) und Monazit (ein Mineral, das Seltene Erden enthält). Die schwarzen Sande an der Westküste Neuseelands sind eisenhaltig. Die unsachgemäße Ausbeutung dieser Vorkommen könnte leicht zu einer gefährlichen Erosion der Küste führen. Die Förderung von Mineralien in Flachwassergebieten hat sich als lohnend erwiesen. Vor Japans Küsten werden eisenhaltige Sande aufgesaugt und vor der Küste von Südwestafrika (seit 1962) diamantenhaltige Sande mit großen »Schlammsaugern« gefördert. Die Prospektion von untermeerischen Lagerstätten erfolgt mit modernsten Methoden, heute kann man Bergbau bis in Wassertiefen von fast 200 m betreiben. Über 20 Prozent der japanischen Kohleproduktion stammen aus Minen unter dem Meeresboden. Im Golf von Mexiko werden Schwefelvorkommen ausgebeutet, die in den Gesteinen unter dem Meeresboden liegen. Der Schwefel wird gefördert, indem überhitztes Wasser unter großem Druck in Rohren in die Lager gepresst wird, das den Schwefel verflüssigt und nach oben drückt. Diese Schwefelvorkommen wurden entdeckt, als man im Golf nach Öl suchte. Erdgas und öl sind nach wie vor die wichtigsten Rohstoffe, die aus untermeerischen Lagerstätten gefördert werden. Bohrplattformen arbeiten überall auf der Erde, so in der Bass-Straße zwischen Tasmanien und Australien, im Schwarzen Meer, im Golf von Mexiko, an den Küsten Kaliforniens, in der Nordsee und in der Südsee zwischen den Philippinen und Borneo. Bohrinseln sind sehr teuer, auf ihnen zu arbeiten ist häufig schwierig und gefährlich, sie müssen schwere Stürme überstehen und sogar dem Packeis trotzen können. In den letzten Jahren hat sich die Technik, von Plattformen aus nach Öl zu bohren, stürmisch weiterentwickelt, so dass heute ungefähr 40 Prozent der Weltproduktion an Erdöl aus den Küstenbereichen stammen. Wahrscheinlich wird dieser Anteil noch deutlich steigen, da sich die Vorräte auf dem Festland in den nächsten 20 Jahren allmählich erschöpfen werden. Manganknollen in der Tief See
Auf den Tiefseeböden der weiten Ozeane lagern riesige Mengen sogenannter Manganknollen. Diese kartoffelförmigen Gebilde, die außer Manganoxiden auch Kobalt, Eisen, Nikkei und andere Wertmetalle enthalten, sind bereits seit über 100 Jahren bekannt. In manchen Teilen des Pazifiks sind die Knollen in einer Wassertiefe von einigen tausend Metern sehr verbreitet, zuweilen kommen bis 54 kg pro Quadratmeter vor. Man findet sie auch im Atlantik und im Indischen Ozean. Die Entstehung der Manganknollen ist noch nicht völlig geklärt. Bildungsfaktoren könnten sein: Gehalte dieser Elemente im Meerwasser, aus dem Untergrund aufsteigende Lösungen, auch die Beteiligung von Organismen (Bakterien) scheint möglich.